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89 Supplemente

zur

vom Jahre i 7 8 £♦


Numero 12»

GÖTTESGELAHRTHEIT.
Annaberg, bey Triesens Erben: Beobachtungen
zur Besörderung des Chrißenthums , der bür-
gerlichen Rechtfchaffenheit und des häuslichen
Wohlßandes. Zum Beßen des IHaisenhaufes zu
Marienberg herausgegeben von M. ssohann
Ehrensried IZagnern , Pfarrern- — Erstes Bänd-
chen. 1735. 1 Alphab. 2 Bogen in gr. 8. ( 14
gr.)
Jgentiich eine Wochenschrift, wovon mit je-
der Woche ein halber Bogen ausgegeben wird.
Dass sie zum Bellen des Marienbergischen Waisen-
hauses gedruckt wird, sagt der Titel; und dieser
Zweck ist an sich löblich, ob wir gleich zweifeln,
dass dabey viel gewonnen werden wird. Denn wir
mussen ehrlich bekennen, dass wir nichts in dieser
Schrift gefunden haben, wodurch sie sich vor an-
dern bey dem Publikum empfehlen könnte. Nach
dem Titel süllte man hier Beobachtungen von aller-
ley Art buchen; aber diese Erwartung wird durch
den Inhalt selbst auf keinerley Weise erfüllt. Da-
gegen findet man kurze Betrachtungen, vermisch-
te Auffätze, hingeworsene Pensees über ganz ver-
schiedene Materien, mehrentheils in gewöhnlichen
Lehrton und in einer nachlässigen Schreibart ohne
allen Beobachtungsgeist geschrieben. Nicht einmal
hat der Verf. das beobachtet, was doch billig jeder
Schriftsteller zuerst in Erwgänng ziehen muss,
nemlich unter der Menge von Leiern sich eine ge-
wiße Klasse auszuwählen und für diese vornehmlich
sein Buch einzurichten. Bey Wochenschriften darf
man sich zwar nicht eben auf ein besonderes Ge-
biet der W.issenschaften einschränken; man hat aber
desto mehr dahin zu sehn , dass die Sachen ge-
meinnützig und für die mittlere oder niedere Klasse
der Leser anziehend lind. Was nur der Gelehrte
verlieht, was nur besond^rs dem Theologen merk-
würdig ist; das gehört in solche Blätter gar nicht.
Hier aber findet man alles durch einander. Und
wäre auch alles übrige noch zu entschuldigen, so
Sehen wir nicht, wozu der Verf. so viel Dogmatik
und Polemik eingemischt hat. Wozu z. E, die Kri-
. A, Z> 1786. Siippßmcntbüiis.

tik über den Titel der bekannten Steinbartfchen.
Schrift, Unterweisung zur Glückfeligkeit nach der
Lehre ssesu? Wozu das Räsonnementüber die Leh-
re von der Mittheilung der Eigenschaften in Chrißo,
die der .Verf. selbst^beym Unterricht der Kinder
für nöthig hält?— wir wollen nicht leugnen, dass
auch öfters gemeinnützige und passende Materien
aus der Religion, Kirchengeschichte , Medicin u. s.
f. gewählt sind. Doch sorgen wir , dass auch
diese nur wenigen Schmackhaft seyn werden ,
da der Verfasser die Kunst gar nicht verlieht, sie'
gehörig zu bearbeiten und seinen Betrachtungen
das rechte Interesse, das Neue und Anmuthige zu
verschaffen. Kurz, wir versprechen dieser Wochen-
schrist keine lange Dauer und können sie aus kei-
nem Grunde besonders empsehlen.
Nürnberg, bey Grattenauer: Anreden an Per-
fonen vom Stande bey Privatbeichten und Com-
munionen, von Georg Heinrich Lang, Hoch-
fiirstl. Oettingischen Special - Superint. und
Pfarrer zu Hohen-Altheim. Zweyte vermehr-
te Aussage. 1786. 8s Bogen in 8. (8 gr.)
Die erste Ausgabe dieses Buchs fällt Schon ins
Jahr 1779, mithin ist desselben in der Allg. Lit. Z.
noch keine Erwähnung geschehn. Es verdient
aber allerdings Anzeige und Empfehlung, da es
sehr zweckmäßig eingerichtet ist. Hr. Lang, der
sich schon in mehrern Schriften als einen selbstden-
kenden und geschickten Theologen und Prediger
gezeigt hat, giebt auch hier seinen Amtsbrüdern
ein sehr gutes Hülfsmittel, dessen sie sich in den
auf dem Titel bemerkten Fällen bedienen können.
Bey den gewöhnlichen Beichtreden hilft sielt man-
cher noch eher durch; zumal da es da an andern
Hülfsquellen nicht fehlt. Aber Recensent weiss es
auch aus manchen Beobachtungen, wie sauer es
zuweilen ungeübten Predigern wird, wenn sie ein-
mal vor Gelehrten oder doch aufgeklärten Stan*
despersonen bey Gelegenheit der Beichte oder Pri-
vatkommunion reden sollen. Da zeigt sich oft die
Armuth ihres Geilles so merklich, dass es nicht
zu bewundern ssl, wejhl dadurch diese an sich ehr-
 
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