Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787 (1790)

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Supplemente

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vom Jahre 178 7^


Numero 5»

GOTT ES GELAHRTHEIT.
Königsberg, auf Kosten des Verfassers*.
Gebete der hochdeutfchen und polnifchen sinden
aus dem Hebräischen übersetzt und mit An-
merkungen begleitet von jfaak Abraham Eu-
chel. 1786. 478 S.|8. (l thl.)
I't Recht ist gegen die Vorschläge zur Juden-
verbesserung erinnert worden, dass diese
Nation erst selbst Versuche zur Verbesserung ihres
sittlichen Zustandes machen musse, ehe man ihr be-
trächtliche bürgerliche Vortheile einräumen kön-
ne. Alle Versuche daher, die von Juden selbst
gemacht werden, ihren Glaubensgenossen richtige-
re Begrisse von der Religion .beyzubringen, und
sie an die Lesung deutscher Bücher zu gewöhnen,
(denn so lange die Juden nicht allein für ihren
Gottesdienst, sondern auch für bürgerliche Geschäf-
te eine von der unsrigen verschiedene Sprache ge-
brauchen, wird die Kluft zwischen Juden undChri-
sten, wenn es auch möglich wäre, dass sie sich in
Religionsbegriffen einander mehr nähern süllten,
überaus gross bleiben) verdienen unsern gerech-
testen Beyfall. Die Arbeit des Hn. £•, der sich
auch durch die Herausgabe der hebr. Honatsschrift
um die Cultur seiner Mitjuden verdient
macht, hat diesen lobenswürdigen Endzweck, und
wir finden daher unter seinen Pränumeranten auch
viele Christen, selbst von vornehmem Stande. Die
Gebete und Gesänge sind von dem Verf- aus dem
Grundtext übersetzt. Eine Vergleichung der Ue-
bersetzung mit dem Original würde unserm Be-
diinken nach überssüssig seyn, weil man es einem
gelehrten Juden wohl zutrauen kann, dass er sein
Original verstanden hat, und es nur darauf an-
kömmt, ob auch das Deutsche seiner Uebersetzung
rein und grammatisch richtig sey. Im Ganzen ge-
nommen verdient es diesesLob, und man siehet
es dem Vers. an, dass er gute deutsche Schristen
gelesen, und insbesondere nach Hoses Mendelssohn
seinen Stil gebildet habe. Freylich stossen wir
hin und wieder auf unverständliche Redensarten,
als o Gott, nuser Andenken und Berusung, das An-
A. L. Z. 1787. Supplementband.

denken unfrer Ureltern, das Andenken deines Gesalz-
ten Davids u. ff. werde zurückerinnert und vorgeftellt
— der Allgütige, täglich Ösnet er die Thoren des
Off es, durchbricht die Lücken der Hefte —■ weislich»
vernünstig hat er sie (die Lichter) gebildet mit Be-
trachtungswürde. Die Fehler gegen die deutsche
Grammatik sind sehr häufig, und es ist zu hoffen,
dass der Verf. bey fortgesetztem Studium dieser
Sprache sie zu vermeiden lernen werde, z. E. Gott
an feinen Zufagen erinnern, auf einen Erlöfer weis-
fagen, Weiffager, aus dir find unsere Blicke gehes-
tet, in ein Buch ausgezeichnet werden, bis an deinem
Sterbetage u. s. w. Die Davidischen Psalme, die
bekanntlich mit den jüdischen Gebeten vermischt
sind, hat der Verf. nach Hoses Hendelssohns Ue-
bersetzung eingerückt. Wenn er zu seiner Versi-
cherung, keine Sylbe darin geändert zuhaben, hin-
zusetzt : Einen IFeg von diefem IFeifen gebahnt, vor
fich haben, und einen andern gehen, kann nur die
Ferirrung eines Elenden oder der Abweg eines Schleich-
händlers feyn‘, so ist dieses Lob zu sehr in dem To-
ne der übertriebenen Lobeserhebungen, den man
nur bey Rabbinnen antrift. Den Gebeten sind An-
merkungen angehängt, worin Erläuterungen der
dunkeln Stellen und Anspielungen, auch Rechtfer-
tigungen des Inhalts der Gebete, der den Christen,
(wie wir glauben, nicht ohne Grund) bisweilen
sehr beleidigend vorgekommen ist, enthalten sind.
Han sehe z. E« S. 42g. 437. Würden aber nicht
die Juden vernünftiger thun, wenn sie dergleichen
Gebete, welche den Christen anstössig gewesen sind,
und die ihnen Verfolgungen zugezogen haben,
entweder ganz absehaften oder doch wenigstens
milderten. Dass der Verf. eine Reformation des
jüdischen Gottesdienstes nicht ganz verwerfe, son-
dern sie sogar in einem von ihm angezeigten Falle
als ein höchst verdienstvolles Unternehmen ansehe,
lernen wir aus S. 433. Auch lesen wir S. 440,
dass ein Gebet zum Andenken der während der
Kreuzzüge umgebrachten Juden von den meisten
Gemeinen abgeschafr sey. Warum sollte nicht
manches aus eben der Zeit noch beybehaltene Ge-
bet, worin sich die Juden über andere Nationen
erheben, von dem Gottesdienste dieser mit Verach-
E tung
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