Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787

Page: 125
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I2S ZUR A. L.
gen vertheilt werden. Mit Grunde konnte man
auch einen Entwurs zum Lager einer Artillerie-
Brigade erwarten , da die Abdeckung desselben doch
den dabey angestellten Subalternen zukommt: Ob
das nach Regeln versahren heisst, wenn man erst
nach der Rückkunft ins Lager untersucht, in wie
fern die eingebrachte Furage auf die bestimmte
Zeit reichen möge, das wollen wir den Vers. selbst
beurtheilen lalsen. Man kann es zum voraus wis-
sen, was man braucht, und sich also darauf vor»
selien. Hätte der Verf. hier nicht die Regeln an«
geben tollen, wie man die Menge der für die Bri-
gade nöthigen Furage , samt den dazu erfordere
liehen Wagen, berechnen? und allenfalls den in den
Scheunen und Kornböden vorgefundenen Vorrath
ausmessen, oder überfchlagen könne? Das grün
Furagiren fehlet gänzlich, und doch wäre dabey
vieles zu bemerken gewesem Dem Vorschlag ,
Mörserbatterien bey Verschanzungen anzubringen,
möchte wohl das Richten über eine volle Brust-
wehr Schwierigkeiten entgegensetzen, es fey denn
der Gegner bliebe mit seinen Batterien Stunden lang
auf einem Fleck. Doch halten wir, im Ganzen ge-
nommen, die Sache nicht für unmöglich, und im
möglichen Fall für nützlich. Hingegen wird man
billig Bedenken tragen , den-Artillerietrain noch mit
Mörsern zu vermehren, von denen man vielleicht
in mehreren Feldzügen keinen Gebrauch machen
könnte, bloch muffen wir dem Verf. das Zeugniss
geben, dass er den Gebrauch der Artillerie inFeld-
schlachten bestimmter gelehrt habe, als irgend ein
Schriftsteller. Sein Mutter waren die Schlachten
des siebenjährigen Kriegs.
Mühlhausen , bey Müller: Unterricht für jun-
ge Leute , die als Feldingenieur den Feldzügen
mit Nutzen beywohnen wollen — Oder sür Of-
siziers, die fich dazu bilden wollen, ihren (ihrem)
Stand Ruhm und Ehre zu machen durch Beispie-
le aus dem vorletzten Krieg. 1786. 244 'S. g.
(10 gr.)
Wenn man diesen Titel mit folgenden ver-
gleicht: Unterricht für die Officiers , die fich zu
Feldingenieurs bilden , oder doch den Feldzügen mit
Nutzen beywohnen wollen, durch Beispiele aus dem
letzten Kriege erläutert und mit nöthigen Plans ver-
sehen, von Tielke, so kann man schon daraus ab-
nehmen , dafs das hier anzuzeigende Werk eine
gewisse Art von Nachdruck vorstellet, nur da und
dort mit veränderten Ausdrücken, deren Werth
man hinlänglich aus dem entttel.lten Titel beurthei-
len kann. Besonders hat der Verf. die Kupfer hier
gänzlich weggelassen, und daher so viel möglich
auch die .Ausdrücke, welche sich daraus'beziehen;
dadurch ist .freylich die Sache sür junge Leute nicht
deutlicher geworden. Dieser Nachdruck ist nach
der ersten Ausgabe gemacht. Der dritte ’i heil, zu
welchem, wie wir aus einer Stelle des Textes schlies-
sen , einige Kupser kommen tollen, itt noch zu-
rück ; er wird aber woW nie erscheinen,

Z X78& . 126
5 CH 0 E NE INISSENSCHA FT EN.
Leipzig und Kempten, bey der typographi-
schen Gesellschaft : rfugendgefchühte zweyer
Liebenden. Zur Beherzigung junger Leute, be*
fonders Jludirender Jünglinge. lygö. 480 S. in
gr. 8. ( 1 Thlr. )
DerVerfasser betheuert zwar, daß er nicht nach
dem Ruhm firebe, einen nach allen Regeln der Kunß-
ric’hter ausgearbeiteten Roman gefchrieben zu haben ,
allein dies itt noch keine Rechtfertigung, dass er
einen schrieb ; denn was trieb ihn, etwas drucken
zu laffen, wovon er selbst sühlt, dass es Tadel ver-
diene? Dei’ Gang der Geschichte hat sehr wenig
Interesses fatt tollte man daraus schliessen, dass
sie wahr und nur etwas Erdichtung zur Füllung
des Bändchens hinzugethan worden sey. Ein Jüng-
ling , voller Treuherzigkeit und jugendlichen
Temperaments, der aus Akademien schwärmtj
in schlechte Gesellschast geräth, und mit lüderli-
chen Dirnen buhlt, indesien sein keusches treues
Liebchen feiner Bekehrung harrt, die auch glück-
lich erfolgt, und , wie sich’s voraussehn liess, durch
ein ehliches Bündniss gekrönt wird, wovon wir so
gar das Hochzeit - Carmen mitgetheilt erhalten ;
dies itt , einige Episoden abgerechnet, ungefähr
der Hauptinhalt des Ganzen. An einem Orte kommt
eine ganze Predigt von der Reformation vor. Von
Mädchenliebe und wallendem Rufen , schreibt der
Verf sehr oft, und con aniore , und die Farben fei-
ner Schilderungen sind dann so ttark aufgetragen,
dass sie die Sittfamkeit nicht seiten beleidigen,
Was fegen unsre Leser, z. B, zur folgenden Stelle,
S. 159, die noch keine von den schlimmsten ist?
„Da Albrecht bemerkte, wie wohl es seiner Sophie
zu Muth sey, rückte er fechte ihr Halstuch weg,
und küsste sie auf ihre Brust, eh sie sichs verfeh.
Auch dies liess sie geschehn, ohne ihm Vorwürfe'
darüber zu machen. Aber — wie erschrack sie
nicht, da er sich eintt so weit vergasss dass er sie
an dem Orte berührete, wo kein Jüngling sein Mäd-
chen, bis sie Braut ist, berühren tollte. Mit Unge-
stüm riss sie seine Hand weg — und sich von ihm
los, machte ihm IceineVorwürfe,’—aber weinte de*-
sto mehr. Er wollte fie um Verzeihung bitten —
aber sie stiess ihn von sich weg. Da sie endlich
oemcrk'.e , dass er auch weinte, gab lie ihm w~ie-
der Gehöi. >,So was härt’ ich nicht von dir ver-
murtet, Albrecht.'“ Das war alles, was sie feg-
te. Es toll nimmer geschehn , sprach der gute
Jüngling. _ Er hielt auch einige Tage Wort. Aber
da sie ihn eintt an eben einem solchen Abende
und an eben dem Orte in aller Unschuld fragte
V ie denn eigentlich ein Mädchen schwänger wür-
de . machte er ihr hievon eine fo deutliche Be-
schremung, dass ihre Einbildungskraft ganz erhitzt
wurde. Doch dabey bliebs nicht. 0 — — Welch’
ein guter Jüngling J welch’ ein unfchuldiges Mäd-
chen! und o weich’ ein züchtiger und vortressicher
Roman 1
Q 5 PHL
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