Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787

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ZUR A. L. Z. 1786.

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ten und achten Paare, und von den Intercostalner-
ven. Der Schlund bekommt nicht nur von dem
Vidianifchen Aste und dem Gaumenaste, fondern
auch von dem dritten Ade des fünften Paares vie-
le Nervenfäden, die hier beschrieben werden. Der
Verf. hat die vormals von den achten Nerven - Paa-
re des Gehirns von feinem Schüler, HrmPr. SÖm-
mering, vorgetragene Eintheilung beybehalten, den
Zungenschlundnerven und den Beynerven des Wil-
lis von dem achten Paare abgesondert und die Ver-
breitung dieser Nerven zu verschiedenen Gegen-
den des Schlundes beschrieben. Treffend und ge-
nau ist der Ort bestimmt, wo der Zungenschlund-
nerve noch über dem Schlundnerven als dem ei-
gentlich ersten Zweige des achten Paares fich
ausbreitet. (Sehr unterrichtend ist auch die Stel-
le, wo der obere Schlundnerve beschrieben ist;
Piec. weiss selbst, dass wegen der Zusammenkunft
des neunten Paares und verschiedener Fäden vom
Intercostalnerven und wegen der verdeckten Lage
überhaupt dieser Nerve nicht so geschwinde sicht-
bar wird.) Der untereSchlundnerve ist östers ein
Pist des übern. Ausserdem sind noch verschiedene
Fäden, welche von den Beynerven des Willis und
den weichen Aesten des Intercostälnervens, vorzüg-
lich des obern Nervenknotens, zum Schlunde ver-
theilet werden. In der ganzen Schrist sindet man
Ordnung und Deutlichkeit, und die von dem Vers.
schon durch andere Schriften rühmlichst bekannte
Uebung, besonders in Entwickelung der schwere-
sten Nerven des menschlichen Körpers ,■ hat lieh
auch hier an den Tag gelegt.
NA TURGES CFIICHTK
Leipzig, bey Casp. Fritsch: Anfangs gründe der
Pflanzenkenntniß, von Carl Friedr. Dietrig;
zweyte verbesserte und vermehrte' Aussage;
1785. 1 Alph. 8- niit 12 Kupfertafeln-.
Man mag die Bedürfnisse der Menschen von
einer Seite ansehen , von welcher man will , so
wird man finden, dass ihnen das Gewächsreich die
allermeisten derselben gewährt,und die wenigen übri-
gen fast insgesammt lieh auf dalselbe beziehen oder
gründen. Hieraus ergiebt lieh ossenbar die Noth-
wend’gkeit und Vorzüglichkeit der Gewächskennt-
niss vor allen andern zur Naturgeschic-hte gehöri-
gen Th-eilen. Und es ist daher nicht genug zu be-
wundern, wie sie-so lange fall ganz unbearbeitet
bleiben konnte. Zu dieier nun er st in unserm Jahr-
hundert zu einem beträchtlichen Gipfel emporge-
stiegenen höchst nothwendigen, nützlichen und an-
genehmen Kenntniss gehört aber nicht nur ,
dass man sich mit der Gestalt, Zusammensetzung,
Verhältuiss, Richtung, Anzahl u. s. f. des Haupt-
theiles der Gewachte löwohl als ihrer Aussentheile
genau bekannt mache, sie'nach einem unter diesem
Gesichtspunkt getüsten Merkmale bestimme, und
fie m Klassen und Ordnungen big zu degGattungen

zu stellen diese und ihre Arten, nach gewißen ,
jeden eigenthümlichen, Charakteren von einander
namentlich und deutlich zu unterscheiden wiße;
sondern auch die Wissenfchaft von dem Bau, der
Einrichtung und Beschaffenheit ihrer innern Theile
und den durch sie bewirkten Verrichtungen. Ohne
diese bleiben die Fortsehritte in einer zweckmäs-
sigen Behandlung, Benutzung und Anwendung der
Gewächse, als die wahreHauptabsicht ihrer Kennt-
niss und der eigentliche praktische Theil , immer
langsam, unlieber und ungewi ss ; wenn man gleich
alle nur bekanntgewordenen Bürger dieses Reiches
aus das genaueste systematischzu unterscheiden, mit
allen von jeher gewesenen Botanikern zu benennen,
ihr Vaterland, ihren Standort, und ihre Dauer anzuge-
ben wiisste; zu geschweigen, dass ohne sie der schärf-
ste Systematiker in Irrthümer und Fehler verfallen
muss. Es sollren daher billig alle Lehrbücher der
Pssanzenkenntniss. so wohl jenen historischen, als
diesen physischen Theil derfelben enthalten. Unter
den sehr wenigen von dieser Art > behaupteten die-
se Ansangsgründe des Hn. D. schon bey ihrer er-
sten Erscheinung 1775 einen besondern Vorzug,
welches auch nur daraus abzunehmen ist, dass sich
die ganze Aussage binnen zehn Jahren so vergris-
fen hatte, dass kein einziges Exemplar bey dem
Verleger übrig war.
Er zersällt also dieses Werk, wie man schon
Vorhin weiss, in zween Haupttheile, den theoreti-
fcheri und phyßkalifchen. In jenem wird nach einer
kurzen vorhergeschickten Einleitung im ersten Ab-
schnitt von den Theilen gehandelt, die der Pssanze
zum Leben, und von denen, die ihr zur Zeugung
dienen, im zweyten. Im dritten wird die natürli-
che Methode und die künstliche des Ritters von
Linne vorgetragen, nach dessen Grundsätzen der
Verf. auch diesen Theil hauptsächlich gerichtet hat.
Der phyßkalifche hingegen besteht aus sieben Ab-
schnitten, In diesen werden die festen Theile
der Pflanzen; dann die ssussigen'; serner die ihnen
zum Leben und Erzeugung dienenden zusammenge-
fetzten, anatomisch und physiologiseh abgehandelt.
Hieraus folgt die Lehre vom Wachsthum und Kräf-
ten; endlich von den Krankheiten und dem Tode
der Pssanzen,’
Ob nun gleich hierbey die Paragraphen dieje-
nige Rundung und Proportion nicht haben , die
man in des sei. Ludwigs vortressichen Grundsätzen
zur Kenntniss des Gewächsreiches findet: so hat
Hr. D. doch das eigenthümliche , dass er alle zu
dem zweyten Theil gehörige Beobachtungen und
Verssuche der grössten Männer trnferer Zeit be-
nutzt und oft ziemlich umständlich anführt, wor-
aus mm also die Fortsehritte dieser vorzüglichem
Gewächskenntnifs erssehen kann,-
Es hatten fich indessen in die erste Ausgabe
verschiedene Sprachunrichtigkeiten mit eingeschli-
chen, und so-wohl der erste Theil war binnen den
zehn Jahren mit verschiedenen neuen Efltdeckun-
& & gen.;
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