Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787

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etwas .milder, und glaubt, dass bey der Menge Sil-
bers die jährlich aus Amerika nach Europa komme,
dieser Abzug nöthig sey, um. es im Werthe zu er-
halten. Freylich, wenn wir alles mit Waaren be-
zahlten,. wer könnte uns am Ende abkaufen! Von
dem Gumeilchen Sklavenhandel spricht Hr. T. hier
bloss, als Kausman ; seine Menschlichkeit wird uns
dadurch nicht verdächtig, aber wir hätten doch er-
wartet, dass ein so warmer Gegner der Leibeigen-
schaft ihren tiessten abscheulichsten Grad nrcht er-
wähnen würde, ohne zugleich seiner Abscheulich-
keit, und selbst seines Nachtheils zu gedenken. —
Ueber die Härte der Dänen gegen ihre Europäi-
schen Colonien, besonders gegen das sonst so
blühende, und jetzt durch natürliche und politi-
sche Drangsale so verwüstete Island. Schöne Be-
trachtungen über Bürgertugend, aus Anlass der
.bekannten unter diesem Namen gestifteten Gesell-
Schaft machen den Beschluss.
Wir können nicht umhin, zur Ehre des Hn.
Verf. und des Landes, sür das erschreibt, den
zwar immer ernsten und gesitteten, aber doch wirk-
lich sehr sr eymüthigen Ton dieser Abhandlungen
zu rühmen. Eine Regierung, die von einem ih-
rer Unterthanen, Stellen verträgt wie folgende.
S. 59. „Titel Und bey uns nicht mehr ein Zeichen
s,der Verdienste und vorzüglicher bürgerlichen Tu-
„gend ; Geld, Einssuss bey Hofe, und Folge in
9;den Collegien s sind die gewöhnlichsten Ursachen
s,der Besörderungen etc. “ und S. 107. „ Wir haben
Friedrichs des vierten Plane verlaßen, und haben
Einrichtungen im Bauernstande getrofsen, die un-
9,erträgliche Bürden geworden “ (.find, und haben
ist durch das ganze Buch meist ausgelassen ) „und
9,die Anzahl, das Glück und die Thätigkeit des
9!grossen Hausens äusserst vermindern. Freyheit
s,und Eigenthum im Bauernstande haben wir wie-
der ausgehoben, und dagegen Sklaverey', mit
9,dem traurigen Gesolge von Niederträchtigkeit,
„Faulheit und Dummheit, eingesührt;“ — ver-
dient wenigstens nicht des Mangels an Presssreyheit
beschuldigt zu werden, und giebt grosse Hofsnun-
gen, auch die ihm in einem solchen Tone gemach-
ten Vorwürfe nicht lange mehr zu verdienen.
OEKONOMIE.
München, im Selbstverlag: Oekonomifch - prac-
tische Anleitung für das Landvolk durch Anhalt-
ung der Futterkräuter und durch vortheilhafte
Bearbeitung der Felder wohlhabend zu werden.
1786. 11 Bogen g.
Die erste Abhandlung enthält eine aussührliche
Anweisung zum Anbau des Reps, Raps oclerRüb-
saamen; (Kohlsaamen nennt ihn der Vs., Brafsica
NapusLd) praktisch und gut- Die zweyte Abhand-
lung vom Krepbau hätte süglich wegbleiben kön-
nen, denn da sich der Vf. ziemlich darüber aufiiält,
dass noch keiner ausführlich davon geschrieben,
Sagt er selbst weiter kein. Wort vom Anbau dieses

MENTE g4
Gewachtes. Die dritte und vierte Abhandlung find
beide ein wörtlicher Abdruck der Schubartschen
sehr bekannten Preisschrift von Futterkräutern..
Die sünste giebt eine Anweisung vom Spargelbau,
so ziemlich, und die sechste vom Hopfenbaukurz
er^auÜch. Dass das ganze Ding aus andern
Büchern zusammen geschrieben , ist sehr deutlich.
MATHEMATIK
Berlin , bey dem Verf. und in der Buchh, des
halliichen Waisenhautes : Anleitung zur Buch-
fiabenrechnung und Algebra, auch sür diejeni-
gen , welche der Gelegenheit zum mündli-
chen Unterricht beraubt , selbige durch eig-
nen Fleiss erlernen wollen; von ssoh. Andr.
Chrifiian Michelfen * Prof, der Math, und Fhys.
am vereinigten Berlin, und Cölln. Gymnas. I
Theil. welcher die Lehre von den einfachen
Veränderungsarten der Grössen und von den
Gleichungen des isten und zten Grades ent-
hält. 1786. 34 S. Vorrede, 598 S. Text. g.
( I Rthlr. 12 gr. )
Für Liebhaber, die sich bloss mit diesem er-
den Theil begnügen wollen; oder im Fall etwa der
zte gar nicht erlcheinen seilte, ist auch noch sol-
gender Titel mit beygedruckt: Briefe über die er-
fien Anfangsgründe der Buchfiabenrechnung und Al-
gebra etc.
Hr. M. hat bey Abfassung dieses Werks haupt-
sächlich Jünglinge von etwa 15 Jahren vor Augen
gehabt , die theils ihren Verstand durch andere
Disciplinen schon zum Denken gebildet haben,
theils auch bereits einige Vorkenntnisse von prakti-
scher Arithmetik und Elementar - Geometrie be-
sitzen; — in dieser Rücklicht scheint es uns dann
sehr zweckmässig und gemeinnützig zu seyn. Der
Vortrag ist durchaus zwar phil.osoph.isch und etwas
abstract, aber doch fasslich und wegen der Brief-
form auch ziemlich unterhaltend, so weit er es
bey solchen Gegenständen seyn kann. Für erste
Ansänger und Selbstlerner hingegen müsste das
Buch weniger brauchbar seyn, indem diese eines-
theils durch die zu grosse Ausführlichkeit und
Umständlichkeit zu sehr ermüdet, und andern theils
durch die vielsältige Zerreissung der Materien
ziemlich szerstreut werden möchten ; nicht zu geden-
ken , dass sie durch die zu wenige Gelegenheit»
Exempel zu rechnen, lange nicht so viel in den
ersten arithmetischen Arbeiten geübt werden, als
es doch unumgänglich nöthig wäre ; überhaupt
süllten wir glauben, Hr. M. hätte aller Vollkom-
menheit und Vollstandigkeit unbeschadet die Bo-
genzahl auf zwey Drittel der gegenwärtigen redu-
ciren und mehr bey der bisher gewöhnlichen An-
ordnung der Materien bleiben können. Er ist der
Meynung , dass gleich im Ansang dieser Wiffen-
schaft nicht von den einsachen Veränderungsarten
der Zahlen, Sondern der Großen, gesprochen wer-'
den musse, und von dieten Veränderungsarten, die
man
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