Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787 (1790)

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können, andere aber sind wieder nur für jüngere
Kinder passend. Die aus dieSer UnzweckmäSsig-
keit entgehende Abwechselung des Ions und der
Schreibart, welche oft in einem und demselben
AufSatze herrscht, hat in der That etwas unange-
nehmes. Wir würden hiezu insonderheit auch den
häufigen Gebrauch der Diminutiven in Aufsätzen
von ernsterem Innhalt rechnen, wenn wir densel-
ben nicht überall und auch in Unterhaltungen mit
jungen Kindern missbilligten, und unSererSprache
für unangemessen hielten*
Berlin, b. Vieweg d. ä. Johann Gottfried
Vieweg (s), Prediger (s) im Hälberstädtschen,
chriftlicher Sittenkatechismus. Ein Schul-und
Lefebuch sür die fjugend. nach allen Umfiänden
ihres Lebens, Mit einer Vorrede von facob
Friedrich Fedderfen, Hof-und Domprediger in
BraunSchweig. 1787. 152 S. 8. (7 gr.)
Der Hr. Vf. zerlegt die Moral der Schulkinder
in zwey Haupttheile, in Schul-und Hauspflichten-
Nach einer kurzen Einleitung von der Nothwendig-
keit der Religion oder Gotteserkenntniss zurGlück-
seligkeit, wie auch von Jesu, als Lehrer und Mu-
ller der vollkommensten Tugend wird vom Wohl-
verhalten in der Schule, und vom Wohlverhalten
außer der Schule gehandelt Hieraus folgen
christliche Hauptpssichten, und diese sind: Selbst-
liebe, Aelternliebe, Geschwisterliebe, Gesindeliebe,
oder christliches Betragen gegen Dienstboten, all-
gemeine Menschenliebe, und wohlgeordnete Thier-
liebe. Zuletzt: Freuden eines guten Gewissens
und Aussichten in die Ewigkeit, Der Vs. hat in
diesem Buch viel gutes getagt; er Scheint aber
keinen feilen und bestimmten Plan vor Augen ge-
habt zu haben. Manche Belehrungen passen auf
Schulkinder in gemeinen Dorsschulen; andere sind
für Jünglinge, die sseh auf Universitäten vorberei-
ten , z. B. was S. 97. von dem Sogenannten Re-
nommiren auf Schulen und Universitäten gesagt
wird. Besser würde es vielleicht gewesen seyn,
wenn in verschiedenen Abteilungen aus die ge-
meinen Schulkinder in bios deutsehen Schulen,
und aus künftig Studierende Jünglinge besonders
Rücksicht genommen worden wäre. In der Vor-
rede machte Fedderfen einige Sehr gute Bemerkun-
gen über die Antreibung der ffugend zur Rcligions-
erkenntnifs und Gottessurcht, als das sruchtbarste
Mittel, eine gute gemeinnützige sitdiche Erziehung
der Jugend zu besördern, besonders gegen den
Sonderbaren Einsall einiger neuen Asteraufklärer,
welche gesagt haben, die Religion sey eben nicht
nothwendig zur Sittlichen Erziehung, und diese
könne getrennt von jener, zur Ordnung und zum
Glück des gesellschaftlichen Leben betrieben wer-

den, worauf unter andern der vortressiche Vf. der
vertrauten Briese die Religion betreffend So Schön
und gründlich geantwortet hat.
Leipzig, im Schwickertschen Verl.: Cosmo-
logisches Lehrbuch sür die ffugend von Gottlieb
Erdmann Gierig, Professor am Archigymna-
sium zu Dortmund 1787. 184 S. 8
Eine Gesellschaft angesehener Kausseute zu
Lennep ersuchte den Verf. als er noch daselbst
Reftor war, Sie über gemeinnützige Gegenstände
zu unterrichten. Er wählte die Cosmologie zu
seinem Vortrage, und legte so den Grund zu der
gegenwärtigen Schrift, die er zwar für die Jugend
bestimmt die aber jeden denkenden Mann, der
mit der Natur noch nicht bekannt ist, angenehm
unterrichten , und selbst dem Kenner wegen ihrer
Gute gerallen wird Die Sprache ist männlich, und
nicht der elende Spielende Ton , für den junge
Leute allein empfänglich seyn Sollen. Die Anwen-
dungen ssiessen ans der Sache selbst, und sind um
so eindringlicher; der Vf. hat das Allgemeine so
wohl betrachtet; als das ßesondre, und aus bey-
den alles gewählt, was Sich durch V ürde und Zu-
sammenhang auszeichnete, zugleich aber auch ei-
ner deutlichen und Schönen Darstellung fähig war.
Ohne über einzelne Gedanken unsre Berichtigungen
beyzufiigen, so bemerken wir vielmehr, dass der
Vf. den richtigen Wreg inne geworden ist, für
Liebhaber und Ansänger gleich wahr zu Schreiben;
da die Schriften der eigentlichen Naturförscher
meist für Sie ungeniessbar sind, und andre, die
Sich zu ihrem Unterri hte berufen glauben ; ge-
meiniglich mit den feinem bestimmenden Wahr-
heiten unbekannt sind, und durch Declamation
das ersetzen wollen, was ihnen an Kenntniss ab-
geht, und was die Natur überssüssig besitzt.
Lübeck, b, Jeversen : Uebung im Denken sür
die ffugend, durch Fragen und Antworten,
1787- S. 80. (Preis 3 gr-J
Diess ist keine Methodik. In der Einleitung^
welche Rec. nicht ganz zu begreisen eingesteht»
Soll diess eine Probe feyn, woraus jedermann erken-
nen wird, dafs Freymüthigkeit und richtiges Denken
gar wohl mit der Niedrigkeit des Standes zusammeti
paffe. Es Sollen also Unterredungen mit Landleu-
ten seyn. Ob sie im Dorfe oder auf der Studier-
stube gehalten worden, mag der L^ser nach fol-
gender Probe entscheiden: Erste Frage: „Was ist
„dir von Jugend auf das Liebste gewesen: Antw,:
„Wenn mein IVille fchnell ersüllt wurde. Fr- Wor-
„auf richtete sich dein Wille? — etc. Wer hat
je Bauern - Kinder oder Erwachsene, So kathechi-
sirt > und Solche Antwort bekommen ?

SUPPLEMENTE ZUR A. L.Z. 1787»
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