Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 5): Die Kunstdenkmäler des Kreises Lörrach — Tübingen u.a., 1901

Seite: 82
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82 KREIS LÖRRACH.

beide Erzeugnisse desselben Künstlers, und zwar François Briots, der um die Mitte
des i6.Jhs. lebte. (Vergi. E. Gott Das Taufbecken von Badenweiter, Schau ins Land
XV 40 f.), die Kanne und Platte ist zusammenzuhalten mit der in verschiedenen Exemplaren
in edeln Renaissanceformen ausgeführten zinnernen des Caspar Enderlein aus Basel
(starb 1Ü33); vergi, darüber Bucher Gesch. d. techn. Künste XI 98 und die Notiz über
die Exemplare in München und in der Wallfahrtskirche Rankweil von Jenny Mitth. d.
k. k. Centralkommission 1893, N. F. XIX 238, mit Abbildung.

Gemeindebrunnen mit Inschrift (Ex gratia. S.P. ac D. Car. Frider. in orna-
mentimi Thermar. Badavi!!, extruct. A. n. R. S. MDCCLVI).

Das heutige Grossh. Schloss steht auf der Stelle des vor einigen Jahren abge-
brochenen, des sog. 'Amtshofes', welches die Jahreszahl 1586 und darunter das grosse
markgräfliche Wappen — dreifach in die Länge und dreifach in die Breite getheilten
Schild — trug. Der in den Formen der Spätgothik gehaltene Bau scheint demnach unter
Markgraf Jakob (1577 bis 1590) errichtet worden zu sein. Wenn die von Sievert
Müllh. Bl. 2 gegebene Abbildung des 'Herrschaftshauses' vor 1785 einigermassen zuver-
lässig ist, so hatte das Gebäude in den letzten hundert Jahren namhafte Veränderungen
erlitten, ehe es dem Neuhau weichen musste. (K.)

(W.) Trümmer eines römischen Badgebäudes.

Ueber die bekannte römische Ruine sind neuerdings durch Hofrath Dr. Zange-
meister in Heidelberg im Gr. Generallandesarchiv unter der Abtheilung 'Medicinal-
Anstalten' zwei Fascikel mit Akten und einigen Zeichnungen aus den Jahren 1784 bis
1788 aufgefunden worden. Aus diesen, sowie aus den Geh. Raths-Protokollen von 1784
geht hervor, dass man im Anfang desselben Jahrs 'durch blossen Zufall' (gleichzeitig mit
herrschaftlichem Bauwesen am Amthaus oder anlässlich eines solchen) am Weg von
Niederweiler nach Badenweiler, an der 'grossen Herrschaftsmatte', einer Wiese unter
der Anhöhe, auf welcher das Dorf steht, auf dem sogenannten 'Sennbuck' auf dieselbe
gestossen ist.

Zuerst 8.und i3-Märzr784 ist nur von einem 'entdeckten Gewölb' die Rede,
offenbar einem Arm des grossen Entwässcrungskanals: b.sHl (29. Miirz) kommt dazu
'ein Badgemach'. Die Entdeckung muss rasch Aufsehen erregt haben; vorzüglich
ist aber dem hohen und lebendigen Interesse des verewigten Markgrafen Karl
Friedrich und der anregenden Theilnahme des Ministers Wilhelm von Edels-
heim, der sich im Juli und August selbst längere Zeit an Ort und Stelle aufhielt, zu
verdanken, dass genügende Mittel zu den Ausgrabungen gewährt und diese systematisch
ausgeführt werden konnten. Auch der Oberamtmann Groos von Badenweiler-Müllheim
ist, wie seine Berichte darthun, mit wachsender Aufmerksamkeit bei der Sache. Aller-
dings meldet er noch am 29. März: 'wir lassen nun mit femerm Räumen fortfahren,
und werden von dem, was weiter entdeckt, unterthänigsten Bericht zu erstatten ohnver-
fehlen, nehmen aber doch inzwischen Anstand, bis auf weiteren gnädigsten Befehl mit
dem Abbrechen des Gebäudes fortzufahren. Sollte es einmal zu dem Abbrechen
gehen dürfen, so dient das bisherige Räumen bereits schon zu nöthiger Vorarbeit, damit
hernach die Mauren desto geschwinder angegriffen werden können'. Darauf erhält er
aber am 15. April Weisung aus dem Geh. Kabinet, 'dass keine der unter dem Sennbuck
entdeckten oder noch zu entdeckenden Mauren demolirt, sondern vielmehr mit vor-
sichtiger Aufräumung dieser kostbaren Ruinen fortgefahren werde'.
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