Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 5): Die Kunstdenkmäler des Kreises Lörrach — Tübingen u.a., 1901

Seite: 159
DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kdm5/0189
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
AMT MÜLLHELM. — SULZBURG.

auf die Trinkstube folgte das 1552 erbaute 'Hohe Haus'. An der nördlichen 1
lagen die 1464 erwähnten Badstuben.

Der Rebstock oder das 'Hohe Haus' ein altes Patricierhaus, wird 1373 zuerst
erwähnt, das 'Orthuse' 13S9, die Klostermühlen seit r344; das 'hintere Bad' seit
dem 16. Jh.
Häuser.

Zwei spätgothische Giebelhäuser sind die Apotheke und das neben derselben Gicb
liegende Haus.

Das alte Schloss auf dem Berge nördlich von Sulzburg ist nach Maurers An-Das a!
nähme im 11. Jh. durch die Herren von Usenburg erbaut worden. Es wird noch 1439
urkundl. erwähnt und scheint bis 1479 bestanden zu haben. Von da ab verschwindet
es aus der Geschichte. Seine Steine werden vermuthlicb zum Bau des Stadtschlosses
verwendet. Bei dieser Ruine die Flurnamen liurghalden, Schlossberg (Z. NF. II 465).

Ruine Kastelberg bei Sulzburg (Castelberg, Burgstal 1341; vergi. Z. VIII 390; «u
NF. II 343).

Litteratur: Vergi. 'Schau ins Land' II 63.

Auf dem höchsten Punkte des von Reben umsäumten Kastelberges, auf einem vor-
springenden Kegel, der die Aussicht auf das Rheinthal beherrscht, liegen die Trümmer
einer mittelalterlichen (sp. Baden-Durlachischen) Befestigung, die aus den Resten einiger
Mauerzüge und eines im Grundriss quadratischen Thurmes, von einer innem Seitenlänge
von 3,00 m bestehen.

Die innere Mauerschale ist noch gut erhalten, die äussere dagegen abgebröckelt,
der Kern des Gemäuers besteht aus gut eingemörteltem Brockengemäuer, genau wie bei
den übrigen Burgen des Landstriches. Die grössten Steine, die übrigens so unregelmässig
geschichtet sind, wie bei ehem. Burgen in Wehr, auf Bärenfels u. s. w. haben eine Höhe
von 0,30 m, bei einer Länge von 0,50 bis 0,70 m. Die Anlage war mit Wall und Graben
umzogen, die noch erkennbar sind. Die Dicke der Mauern betrug wohl einst 3,00 m. Die
Annahme, dass wir es hier mit einem 'römischen Warthurme' zu thun hätten, ist nicht zu
halten. Schon die Mauertechnik ist grundverschieden von der römischen.

Der Vorgeschichtliche Ringwall' auf dem Kastelberg dürfte wohl mit dem mittel-
alterlichen der Burg identisch sein.

Im Mauerschutt der Burg wurden Münzfunde gemacht, darunter bemerkenswerth
ein sogen. Jeton, aus Messing.

Die eine Seite des Jeton hat die Umschrift: Andre Luc Greffier de la court des
monnaies und Wappen, wahrscheinlich mit Emblemen des Greffier Andreas Luc (der Name
nicht ganz sicher, weil theilweise zerstört).

Die Kehrseite trägt die Umschrift ' Gallia fortiûçx)' mit Mars und Minerva sich die
Hand reichend (?). Ueber einem Lorbeerzweig das französische Staatswappen. Im Ab-
schnitt: CR. (Münzmeisterzeichen). (Bericht des Grossi). Münzkabinets Karlsruhe.) (D-)
Wir haben es hier mit einer Rechenroarke des Kanzleivorstandes A. Luc (3) bei dem
hohen Münz-Ver waltungs- und Gerichtshofe von Frankreich (cour des monnaies) zu thun.
Jedenfalls ist der Pariser Münzhof (1551 bis 1791) zu verstehen. Der jüngere von
Lyon wurde ausdrücklich als solcher zu bezeichnen sein.

Nach Fabrik und Sclirift gehört der Jeton in das Ende des 17. oder dem Anfang
des 18. Jhs.
loading ...