Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 24.1926

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CASPAR DAVID FRIEDRICH, DER WINTER

AUSGESTELLT IN DER KUNSTHANDLUNG P. RUSCH, DRESDEN

CHRONIK

In Augsburg ist kürzlich eine neue städtische Galerie
eröffnet worden. Augsburg besaß neben der staatlichen Ge-
mäldegalerie, die berühmt ist wegen ihrer hervorragenden
Schätze vor allem an Gemälden des älteren Holbein und
Burgkmairs, bereits das Maximilian-Museum und das Fugger-
Museum. Dazu kommt jetzt die neue Sammlung der Kunst
des Barock und Rokoko, für die der reiche Besitz des Herrn
Röhrer in Schondorf erworben worden ist.

Aus Stuppach kommen alarmierende Nachrichten über
den Zustand des Madonnenbildes von Grünewald, das in
der kleinen Pfarrkirche angeblich seinem Untergange ent-
gegengeht. Das württembergische Landesamt für Denkmals-
pflege hat sich schon wiederholt um das kostbare Gemälde
bemüht, und es schien eine Zeitlang, als sei die Überfüh-
rung nach Stuttgart gesichert. Man begreift es, daß die
Stuppacher sich von dem Schatze, den ein Zufall ihnen zu-
getragen hat und von dessen Existenz sie seit noch nicht
langem wissen, nur ungern trennen wollen. Das Werk Grüne-
walds, eines der wenigen, die Deutschland nach der Abtren-
nung des Elsaß verblieben sind, darf aber durch solche Be-
denken nicht in seinem Bestände bedroht werden. Zu glei-

cher Zeit hört man übrigens, daß der berühmte Altar des
Hans Brüggemann in Schleswig durch Wurmfraß schwer ge-
schädigt ist.

Gustave Coquiot, der bekannte Pariser Kunstschrift-
steller, ist kürzlich gestorben. Durch Aufsätze und Bücher
über Rodin, Toulouse-Lautrec, Bonnard, Cezanne, Van Gogh,
Seurat, Degas, Utrillo hat er sich einen Namen gemacht. Seine
Schriften zeichnen sich durch gepflegte Form ebenso aus wie
durch lebendigen Geist. Ein Buch wie das über Toulouse-
Lautrec, das aus persönlichem Umgang mit dem Künstler
entstanden ist, erhält die Erinnerung an das Paris vor der
Jahrhundertwende, das der Stift des Zeichners verewigt hat.
Coquiot hatte noch nicht die Scheu vor der Anekdote, und
er fühlte sich nicht zu philosophischer Diktion verpflichtet wie
so viele Kunstschriftsteller von heut. So gab er ein wert-
volles Material zur Künstlergeschichte, und seine Bücher
werden als Dokumente ihrer Zeit ihre Geltung bewahren.

Georges Rouault hat, wie aus Paris berichtet wird,
ein Bild des Reichspräsidenten Hindenburg gemalt.

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