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Österreich / Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale [Editor]
Mittheilungen der K.K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale — 8.1863

DOI issue:
Nr. 1 (Jänner 1863)
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Falke, Jakob von: Über Fensterverglasung im Mittelalter
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https://doi.org/10.11588/diglit.25927#0011

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4 n. 60 kr. Ost. W.

M!TTHE!LUHGEH
DER K. K. CENTRAL-COMMISSION



Heransmgclt]) unter der Leitung des Präsidenten der t. L Central-Cemmissien Sr. Eseellen: Karl Freilterri) V. Czoei'llig.
Redacteur:RarlWeiss.
N= 1. YIII. Jahrgang. JiilllierM.

Über Fensterverglasung im Mittelalter.
Von Jakob Falke.

Wir wissen, dass die Benützung des Giases zum Fen-
sterverschluss schon den Römern in der Zeit der ersten
Kaiser bekannt war. Wir haben dafür sowoh! bestimmte
Zeugnisse der Schriftsteller, als auch die factische Bestä-
tigung durch Scherben von Glasplatten, die zu Herculanum
gefunden wurden, und durch eine unversehrte Scheibe, die
sich zu Pompeji erhalten hat. Es wäre auch zu verwundern,
wenn es anders gewesen wäre, da die Glasfabrication von
den Ägyptern bereits ein paar tausend Jahre früher geübt
wurde und es am Ende nur des Transports in ein nörd-
licheres Klima bedurfte, um den Gedanken der Fensterver-
glasung entstehen zu lassen. Die Römer bezogen aber
Glasgefässe und farbiges Glas schon lange aus Ägypten.
Man mag darum den allgemeinen Gebrauch, und wegen des
theuren Preises wohl mit Recht, in Frage stellen, aber die
Bekanntschaft damit und der wirkliche Gebrauch in den
Häusern der Reichen dürfte bei den Römern feststehen.
Man könnte sich nun denken, dass mit der Völkerwan-
derung und alP den Umwälzungen, die im Orient und Occi-
dent stattfanden, auch diese Kunstfertigkeit in Vergessen-
heit undUnkunde gesunken wäre, wie so manche andere
Technik ausgelöscht wurde oder eine lange Zeit ausge-
löscht erschien. Aber dem war nicht so. In dem gewaltigen
Wirbel, der alle Völker in's Kreisen brachte, gab es einen
festen Mittelpunkt, die einzige Stadt Byzanz, welche in
ihren sicheren Mauern die technischen Künste des Mittel-
alters in eine spätere und gereiftere Zeit hinüberzuretten
bestimmt war, und dann erst zu Grunde ging, als sie diese
Pflicht erfüllt hatte. So scheint auch, dem Laufe der Dinge
und bestimmten Zeugnissen zufolge, von Byzanz aus die
Glasfubrication und die Verwendung des Glases zum Fen-
sterverschluss in den beruhigten Westen gedrungen zu
sein. Und zwar geschah das schon früh. Schon am Ende
des ersten Jahrtausends unserer Zeitrechnung dürften so
VIH.

ziemlich alle grösseren Kirchen Glasfenster gehabt haben,
und nicht blos das, wir linden sie auch in den Speise- und
Arbeitssälen und in den Zellen der Mönche. Die darauf
folgenden Jahrhunderte der Blüthezeit des Mittelalters
repräsentiren uns sogar die Höhe der farbigen Fenster,
wenn auch nicht gerade in der Technik der Malerei, doch
in Reinheit des Kunstgeschmacks bei mosaikartiger Zusam-
mensetzung, und in den Zeiten der Gothik, als sich die
Wände in Pfeiler auflöseten , da wurden, um die weiten
und hohen Lichträume zwischen den Pfeilern auszufüllen,
die farbigen Fenster sogar eine nothwendige Ergänzung
des architektonischen Styls.
Unter diesen Umständen ist es allerdings eine auffal-
lende Erscheinung, dass die Glasfenster, was Wohnräume
betrifft, selbst in Palästen und Burgen, das ganze Mittelalter
hindurch bis in den Anfang der neuen Zeit so selten
erwähnt scheinen, dass sich Schriftsteller dadurch bewo-
gen gefunden haben, sie überhaupt den Wohnungen des
Mittelalters abzusprechen, ohne indess das Auffallende des
Umstandes zu erklären. Andere hingegen, welche jene
Zeiten rosiger anzusehen pflegen, als sie wenigstens in
vielen Dingen waren, haben kein Bedenken getragen, sich
über den Mangel der Beweisstellen hinwegzusetzen und
haben von den Kirchen den Schluss der Analogie auf Bur-
gen und Paläste sich erlaubt. In der That lässt sich auch
nicht leugnen, dass eine gewisse Wahrscheinlichkeit für
ihre Meinung spricht, zumal wenn man weiss, welche Rolle
die Fenster im socialen Leben der ritterlichen Zeit spielen,
und wenn man bedenkt, wie sehr man auf der windigen
Höhe eines guten, dichten und zugleich das Licht nicht
absperrenden Fensterverschlusses bedurfte und wie gut man
ihn kennen musste, da man ihn ja beständig in Kirchen und
Capellen anwendete. Denn was Viollet-le-Duc (im Diction-
naire t. v. fenetre und im Mobilier S. 404) sagt, dass das
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