Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN <5^-

DERLIN. Auf der grossen Berliner Kunstaus- WTEIMAR. Am 9. Juli
Stellung erhielten die grosse goldene Medaille " starb hier der Land-
die Bildhauer Prof. Fritz Schaper in Berlin und schaftsmaler Dr. Lud-
Prof. Robert Diez in Dresden; die kleine goldene wig Freiherr von
Medaille wurde zuerkannt dem Architekten Stadt- Gleichen - Russwurm
haurat Ludwig Hoffmann in Berlin, dem Bildhauer im Alter von fünfund-
Wilhelm Haverkamp in Friedenau bei Berlin, dem sechzig Jahren. Der
Bildhauer Ernst Wenck in Berlin, dem Radierer Verstorbene, ein Enkel
Ferdinand Schmutzer in Wien, dem Maler Adolf Schillers, wurde am
Hireny-Hirsch in Rom, dem Maler Albert Aublet 25. Oktober 1836 zu
in Neuilly sur Seine, dem Marinemaler Hans Bohrdt Greifenstein bei Bonn-
in Friedenau bei Berlin. — Reinhold Begas feierte land in Unterfranken
am 15. Juli seinen siebzigsten Geburtstag. geboren und kam 1869

auf Veranlassung des

P\ÜSSELDORF. Am 6. Juli ist in Rom, infolge Grossherzogs Carl Ale-
eines Hitzschlags, der Maler Erwin KCst- xander, welchem die
Hardt im Alter von vierunddreissig Jahren ge- deutsche Kunst so viel

storben. Der sehrbe- verdankt, nach Weimar. , „__,r pPHP von
- eabte junge Künstler, ge- Hier wurde er zunächst Ludwig f r h r. \on
boren 1867 als der Sohn Schüler von M. Schmidt, GLEICH EN-EUSSWURM
des Bildhauers Küsthardt ging aber dann in glei- (gest. 8. Juli)

in Hildesheim, ging vor eher Eigenschaft zu dem

zwei Jahren auf Grund ihm geistesverwandten Theodor Hagen, mit dem er
eines Stipendiums nach bis zu seinem Tode durch regen freundschaftlichen
Italien und verweilte in und künstlerischen Verkehr verbunden blieb. Mit
Rom, wo er schon 1897 Gleichen-Russwurm ist ein edler, liebenswürdiger
kurze Zeit war. Mitten in Mensch und eine hochbedeutsame Künstlernatur
seiner schaffensfrohen, dahingegangen. Es verdient hervorgehoben zu werden,
hoffnungsreichen Rom- dass er glücklicher veranlagt war als die Enkel
fahrt hat der rasche Tod Goethes, denen der Ruhm des Ahnen im Leben
seinem Leben ein Ziel zum Hindernis wurde. Gleichen-Russwurm hat
gesetzt. Erwin Küsthardt vom Ruhme des Grossvaters nicht gezehrt, sondern
kam 1885 nach Düssel- ist sich allezeit bewusst gewesen, dass ein grosses
dorf zum Besuche der geistiges Erbe auch grosses geistiges Ringen und
Kunstakademie, deren Kämpfen verlangt. Es ist wohl begreiflich, dass
erwin Küsthardt Lehrgang er regelrecht bei der Eigenart Gleichen'scher Kunst die Zahl der
(gest. 6. Juli) durchmachte und in der Gegner eine grosse, jene der Anhänger eine nur

Meisterklasse Schüler sehr geringe war. Aber er hat doch noch die
von Prof.'P. Janssen, des jetzigen Akademiedirektors, Freude gehabt, zu sehen, dass der kleine Kreis sich
wurde, der an dem talentvollen, strebsamen jungen
Mann ein lebhaftes Interesse nahm und sein väter-
licher Freund und Berater war. Schon früh wurde
Küsthardt, der als Knabe im Atelier seines Vaters,
eines grossen Verehrers von Cornelius, Genelli,
Schwind, Schnorr und Richter, gezeichnet und
modelliert hatte, mit einer bedeutenden, ehrenvollen
Aufgabe be'raut. Seine erste grössere Arbeit war
die Ausschmückung des sogenannten »Marschen-
saales« im Wohnhause des »Marschendichters«
Hermann All.ners in Rechtenfleth bei Bremen. Im
Jahre 1894 entstand seine >Pieta«, mit welchem
Bilde er zuerst auf der grossen Berliner Kunstaus-
stellung öffentlich auftrat. Im weiteren malte Küst-
hardt u. a. ein grosses Altargemälde für die neu
erbaute evangelische Kirche in Eickel in Westfalen
>Friede sei mit euch«, sein letztes in Düssel-
dorf vollendetes grosses Bild war die Darstellung
der 'Ankunft König Wilhelm I. von Ems auf dem
Potsdamer Bahnhof in Berlin am 15. Juli 1870, dem
Tage der Kriegserklärung« für das Rathaus in Erfurt.
Von seinem schönen Talent wurde noch viel Gutes
erhofft. tz.

/^ÖRLITZ. In der unter fünf Künstlern veran-
stalteten Konkurrenz für zwei zum Schmuck
der hiesigen Ruhmeshalle bestimmten Hochreliefs
mit Darstellungen von »Krieg und »Frieden« wurde
einer der beiden von Hugo Lederer in Berlin einge-
lieferten Doppel-Entwürfe zur Ausführung bestimmt.

D OM. Ein Böcklin-Relief nach einer Skizze der
*• achtziger Jahre hat Professor Jos. von Kopff
für die Witwe des Künstlers unlängst vollendet. august holmberg Bildnis

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