Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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-a-S^> AUSSTELLUNGEN IN BUDAPEST UND BRÜSSEL -CSsM^

wären das erwähnenswerteste. Sehr ansprechend

sind auch einige Genrescenen von Ed. Kallos VOM BELGISCHEN LANDESSALON
und Josef Damko, und eine in der Art H. Gassers

gehaltene bemalte Beduinengruppe von Georg R. Der belgische Landessalon ist diesmal in

Vastagh. — Der Verein „Nemzeti Szalon", in Brüssel ein wenig später als üblich, eröffnet worden,
dessen Programm auch Kunstpflege vorkommt, Mangels eines geeigneten Ausstellungslokales im
hat mit seinen bisherigen Traditionen gebrochen. grossen Stile, wurde die diesjährige offizielle Kunst-
Bisher waren die Kunstausstellungen des >Nemzeti schau deshalb in die Halle des vom Mittelpunkte
Szalon im Anfang der Sammelplatz der im Künst- der Stadt ziemlich entfernten Cinquantenaire Park
lerhaus nicht verkauften Bilder, später stellten verbannt. Und auch dort mussten bedeutende An-
die dort refüsierten und die noch nicht künstler- Ordnungen getroffen werden, um der Kunst eine
hausreifen jungen Künstler aus und in den letzten würdige Behausung zu bieten. Um so mehr anzu-
Jahren waren die Säle des ?Nemzeti Szalon« der erkennen ist, dass der allgemeine Eindruck ein
Sammelplatz von Dilettanten; als Lockspeise waren durchaus wohlthuender und harmonischer war, durch
jedoch immer zwei bis drei Werke irgend eines die intelligenten Bestrebungen von Künstlern wie
namhaften Künstlers ausgestellt. Eine rühmliche Aus- Mcunier, Vanderstappen, Lambeaux, Courtens, der
nähme waren die Kollektivausstellungen der Werke ständigen Museums-Kommission, bestehend aus
Alex. Wagner's und Barth. Szekely's u. a. — Männern wie Wauters, Cardon, Robbie und des
Dieses Jahr herrscht ein anderer Standpunkt; die Direktors der Schönen Künste im Ministerium,
Einsender scheinen die alten geblieben zu sein, Verlant. Leider hielt dieser Eindruck nicht lange
denn es wurden bei siebenhundert Arbeiten ein- stand. Sobald man die Einzelheiten zu betrachten
gesandt, jedoch nur hundertfünfzig angenommen. begann, bemerkte man sehr bald, dass die ziemlich
Und was finden wir? Alles Gute, das wir dies- glänzende Hülle einen nur mittelmässigen Kern
mal im >Nemzeti Szalon= sehen, ist zehn, zwan- barg. Mit einem Worte: der diesmalige belgische
zig, manches sogar dreissig Jahre alt und schon Landessalon bringt nichts Neues, höchstens eine
aus allen möglichen internationalen, retrospektiven einzige Offenbarung in der Person und einigen
und anderen Ausstellungen bekannt. Z. B. Paul Bildern eines schon einigermassen bekannten jungen
Szinnyei's >Tourbillon< stammt aus den siebziger Künstlers, Auguste Leveque. Es muss allerdings
Jahren, und so das meiste der ausge-
stellten Sachen. Was neu ist, und auch
so gut, dass man davon Notiz nehmen
kann, ist in wenigen Zeilen gesagt:
F. Laszlo's Farbenstudie zu seinem
Papstporträt; gut in der Farbe, wenn-
gleich etwas hart, sind H. Poll's Pastell-
Landschaften; wenn wir noch J. Perl-
mutter's holländische Interieurs, O.
Glatter's = Büglerin und des Spaniers
C. Herrer mit spitzem Pinsel gemalten
Marktscenen erwähnen, so ist alles Gute,
was man über diese Ausstellung sagen
kann, gesagt. — Der Maler Julius
Istvanffy veranstaltete in einem
Privatatelier eine Kollektiv-Ausstel-
lung seiner Arbeiten. Sie zählte gegen
zweihundert, meistens kleine Natur-
studien, Stimmungen, in welchen sich
Istvanffy als poetischer Schwärmer
zeigt, dessen Auge für die abwechs-
lungsreichen Stimmungen der Natur
stets offen ist und der sie mit vielem
Geschick in das entsprechende male-
rische Gewand kleiden kann. — Die
im vergangenen Jahr mit schönem Er-
folg begonnenen Provinzausstellungen
wurden dieses Jahr mit demselben Er-
folg fortgesetzt. Den Anfang machte
Szegedin, wo von achtundneunzig
Künstlern zweihundertzweiundfünfzig
Arbeiten ausgestellt waren und Ankäufe
von über 15000 Kronen gemacht wur-
den ; das dort übriggebliebene Material
wurde durch neueres ergänzt und dann
in Nagyvärad (Grosswardein) zur Aus-
stellung gebracht; gleichzeitig mit letz-
terer war auch in Debreczen eine Aus-
stellung. In allen diesen Städten kon-
stituieren sich Kunstvereine, staatliche
Unterstützung zeigt sich und so ist zu
hoffen, dass auch in der Provinz durch
sorgsame Pflege der schlummernde
Kunstsinn der Bevölkerung geweckt
werden wird. Eduard beyrer Brunnenskizze

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