Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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-^g5> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN

PERSONAL- UND

ATELIER-NACHRICHTEN

jyjÜNCHEN. Zur selben Stunde, da in Dachau
ein grosser Kreis von Freunden, Verehrern und
Kollegen dem so jäh dahingerafften Arthur Lang-
hammer die letzten Ehren erwies, starb in München
ebenso unerwartet und nahezu im gleichen Alter,
in dem für andere Künstler oft erst eine neue Periode
der Entwicklung und des Schaffens beginnt, der Maler
Wilhelm Volz. — Volz war geboren zu Karlsruhe
am 8. Dezember 1855 und besuchte bis 1875 das
Gymnasium, von da an die Kunstschule seiner
Vaterstadt, zuerst als Schüler Gussows, dann Ferdi-
nand Kellers. Von 1882 auf 83 studierte er in Paris
unter Lefebvre und Bouguereau, ging dann wieder
nach Karlsruhe und von da zum erstenmale nach
München, von wo er 1886 als Lehrer an die Karls-
ruher Kunstgewerbeschule berufen wurde. In dieser
Stellung wirkte er bis 1888, ging dann wieder nach
München, 1890 nach Paris, 1891 nach Italien und
liess sich dann dauernd in München nieder, wo er
sich bei der Trennung der Künstlerschaft an die
Secession anschloss. Er war von früh an eine
produktiv rege Natur, schon in seiner ersten Karls-
ruher Zeit ist er als »Historienmaler;, so mit einer
5 Herodias mit dem Haupte Johannis-: in zwei Fassun-
gen, als Porträtist und als Illustrator für Hallbergers
»Schiller-Ausgabe* und, mit Kanoldt zusammen, für
Shakespeares »Sommernachtstraum* hervorgetreten.
Dass er sich gerade an den » Sommernachtstraum -
heranmachte, ist recht bezeichnend für seine künst-
lerische Art, der es am wohlsten war in den idealen,
sonnigen Gefilden einer zugleich von derber Lebens-

freude und edler Geistigkeit verklärten, musikdurch-
tönten Märchenwelt. Diesem Stoffgebiet im weiteren
Sinne gehören fast alle seine bedeutenderen Arbeiten
an: so das Fresko an Schönlebers Haus in Karlsruhe
»Die Fahrt ins Märchenland (1890) so der zehn Jahre
später, 1900 1901, entstandene Cyklus von Wandge-
mälden fürdie Restaurationsräume der >Neuen Börse«
in München (» Schlaraffenland *, »Der Goldquell
»Tanz ums goldne Kalbe), so die dazwischen liegenden
Zeichnungen (lithographiert) zu dem von ihm selbst
komponierten Schäferspiel »Mopsus (1898). Gottfried
Kellers anmutig-erhabenes »Tanzlegendchem be-
geisterte ihn zu einem Bilde, das leider unvollendet
geblieben ist; es würde wahrscheinlich in gewissem
Sinn das Bindeglied dargestellt haben zwischen
jenen antikisierenden, heitere Naivetät des Lebens-
genusses atmenden Werken, zu denen man auch
den grossen »Musenreigen« (1894) und die liebens-
würdige »Frau Musika* (1899, Abb. >K. f. A.<
XIV. Jahrg. H. 21) rechnen mag, und den der christ-
lichen Geschichte und Legende entnommenen Stoffen,
wie der »Hl. Elisabeth* (1888, Abb. III. Jahrg. H. 18),
einer »Madonna im Grünen« (1889, zweite Medaille
im Glaspalast, Abb. V. Jahrg. H. 4), dem »Traum
der Hl. Cacilia* (1890), einer andern »Cäcilia* (1893
für die Karlsruher Galerie angekauft, Abb. IX. Jahrg.
H. 19), einer »Grablegung* (1896) und dem »Grabes-
engel« (Paris 1900). Auch Nonnen hat Volz wohl
gemalt, die, wie seine Madonna oder Cäcilia, unter
schattigen Bäumen in sonnebestrahlter Landschaft
eine Stunde friedlich-beschaulicher Existenz ver-
träumen. Ein rein menschlicher, fast idyllischer
Zug bringt uns diese Heiligengestalten herzlich
nahe, aber auch fürs Grosse, für feierlich ernste
Komposition fehlte ihm Sinn und Begabung nicht,

Die Kumt für Alle XVI.

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