Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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HISTORIENMALER KARL BECKER f

Zwei Tage nach Vollendung deutschem Boden ab und heis-

seines achtzigsten Lebens- '. sen dann >Karls V. Besuch bei

jahres ist Karl Becker am Fuggert oder'Abschied des Franz
20. Dezember 1900 in seiner ^P*™*™^»®^^^-! vom B'scn°f von Bamberg; oder

Heimatstadt Berlin einem Influ- *fS&R*-~' I ^J**m • »Huttens Dichterkrönung<. Wer
enza-Anfall erlegen. Mit ihm ist J^Sjß^M'*^i^, eins dieser Bilder gesehen hat,
der letzte und wichtigste Vertreter I kennt alle; denn ihr Inhaltliches
einer Richtung dahingeschieden, ^» 'st nur der Vorwand, um an glän-
die von der Kunstgeschichte als zenden Kostümen den Farben-
Berliner Kolorismus = registriert " j reiehtum der Beekersehen Palette
worden, für die Entwicklung der rr ^^^tm zu zeigen. Dem Künstler, des-
deutschen Malerei aber, wie man sen erfolgreichste Werke zwi-
jetzt eingesehen hat, recht un- sehen 1855 und 1880 entstanden
wesentlich geblieben ist. Karl .-••!&■*.. sind, war nicht die Macht ge-
Becker war am 18. Dezember 1820 -^MB geben, die unsterbliche Schön-
in Berlin geboren, besuchte die II HHM^riflBkjfl heit der Renaissance, das pracht-
dortige Akademie und wurde ^^B^^^^B^0>^|^^B^|^B Geschlecht ihrer Men-
schliesslich der Schüler A. von sehen innerlich zu erfassen.
Klöbers, der dem jungen lebens- llls-sri^ se'nen Bildern kehren im-
frohen Menschen seine eigene mer dieselben, mehr hübschen
Bewunderungfürdieitalienischen als charaktervollen Erschein-
Cinquecentisten mit ins Leben KARL BECKER ungen, dieselben konventionel-
gab. Der Erfolg, den die Wand- iNach eiller Photographie aus dem letzten Lebensjahre) len Bewegungen und auch die-
malereien seines Lehrers fanden, selben bunten Farben wieder,
bewogen Becker, sich mit der Fresko - Technik Beckers Werke verdanken ihr Dasein weniger
näher vertraut zu machen, und so ging er 1843 nach einer künstlerischen Absicht als dem Schönheits-
München zu Heinrich Hess. Darauf folgte ein ein- bedürfnis des Malers. Daher sagen sie einer ernster
jähriger Aufenthalt in Paris, und von 1845 bis 1847 gearteten Zeit, die zugleich die alten Meister besser
weilte der junge Künstler in Rom. Aus der in kennen gelernt hat als jene, in der Beckers Ruhm
München geschlossenen Bekanntschaft mit Wilhelm geboren wurde, nicht mehr viel. Trotzdem bleibt
v. Kaulbach ergab sich ihm bei der Rückkehr in des Malers Bedeutung für eine gewisse Periode
die Heimat die Möglichkeit, an der Ausmalung des der Berliner Kunst unbestritten. Er hat viel dazu
neuen Museums beteiligt zu werden. Er führte im gethan, dass das nüchterne Kolorit der sechziger
Niobidensale sechs Darstellungen aus der griechi- Jahre aufgegeben wurde und man sich die Venezianer,
sehen Heroenmythe aus, die sich allerdings in keiner deren Loblied er in seinen Bildern sang, näher an-
weise über das Uebliche erheben. Nachdem er sah. Leider übertrug sich auch sein Mangel an Tiefe
noch einige ziemlich belanglose Tafelbilder gemalt, auf einen grösseren Kreis. Er hat jenes theatralische
führte ihn ein glücklicher Stern nach Venedig, wo Künstlertum inauguriert, das gewisse Aeusserlich-
das Studium der grossen Koloristen und ihrer Zeit keiten für das eigentlich Künstlerische nahm und
so anregend auf ihn wirkte, dass seine Eigenart zum das sich in Berlin länger lebendig erhalten hat als
Durchbruch kam. Man kann ihn nach der Art, irgendwo anders und noch vor einigen Jahren den
wie sich seine Phantasie an der Vergangenheit, an Senatoren der Berliner Akademie, deren Präsident
Glanz und Pracht des Venedigs der Renaissance Becker damals und überhaupt längere Zeit war, zu
berauschte, als einen Vorläufer Makarts bezeichnen, einer an venetianische Prokuratorenmäntel erinnern-
nur dass dieser mehr Gefühl für den grossartigen Stil den Amtstracht verholfen hat. Wie man aber nun
Veroneses hatte, während Becker diesem Künstler auch über Beckers Mission in der deutschen Kunst
zwar auch nachging, aber ihn entsprechend einer denken möge — er hat sich in seinen Werken als
bescheideneren Zeit ins Genrehafte übersetzte. Die eine Persönlichkeit dokumentiert, die anregend ge-
göttliche zwanglose Heiterkeit Paolos wird auf ein wirkt hat, teils durch das Neue, das sie brachte,
bürgerlich-anständiges Niveau gebracht, die Nackt- teils durch eine grosse Liebenswürdigkeit und Lebens-
heit vermieden, dagegen ein bisschen Historie und frohheit, die sie vielen sympathisch machte. Er hatte
vor allem das farbenreiche Kostüm beibehalten. in Berlin ein sehr dankbares Publikum, das sich
Auf Beckers Bildern findet man alle Typen der selbst den schwachen Werken seiner letzten Zeit
mächtigen Lagunenstadt wieder; den goldbemützten gegenüber äusserst wohlwollend verhielt, und aus
Dogen, den Senator in violettrotem Mantel, die rot- dessen Kreisen ihm auch wohl der Beiname >der
blonde Gentildonna, den unheimlichen Bravo, den Berliner Tizian« geworden ist. Eine bemerkbare
jüdischen Juwelenhändler, den eifersüchtigen Nobile, Lücke hinterlässt der Tod des Küntlers, der bis
Brabantio, seine blonde Tochter und den verliebten zuletzt in seiner Weise weiterschuf, eigentlich nur
Mohren. Baldheisstdas Bild »Karneval von Venedig;, in der Berliner Gesellschaft. Becker wurde in einem
bald »Gnadengesuch beim Dogen:; bald spielt die Augenblick hinweggenommen, wo ihn Liebe und
Scene auf dem Markusplatz, bald auf einem Balkon Verehrung noch einmal so lebhaft und warm um-
am Canale Grande, bald erzählt Othello seine Aben- fingen wie in seinen besten Tagen. Er starb als ein
teuer der staunenden Desdemona, bald verteidigt Glücklicher, von Ehren umgeben, und hinterlässt
ihn diese vor dem Rat. Andere Bilder zeigen den auch bei denen, die sich mit seiner Kunst nicht
Besuch Dürers oder Karls V. bei Tizian oder Dürer mehr befreunden konnten, das Andenken eines
in Venedig unter seinen Kunstgenossen. Gelegent- tüchtigen, würdigen und freundlichen Mannes,
lieh spielen sich diese festlichen Scenen auch auf Hans Rosenhagen

Die Kunst für Alle XVI.

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