Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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-b-5^> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN

IVA ÜNCHEN. Dr. Adolf Bayersdorfer ist am und in freimütigem Entgegenkommen sein reiches

21. Februar einem schweren Herzleiden erlegen. Wissen gegeben. Von Bayersdorfer galten in höherem

Er war in derNähevon Aschaffenburg 1842 geboren, hat Sinne Schillers Worte über den Schauspieler, der

aber die Erziehungs-und Entwickelungsjahre in Mün- nur zur Gegenwart spricht, aber sich auch in der

chen zugebracht. Gegenwart ganz auslebt. vi.
Bayersdorfer ist — Professor Alois Hauser, der weltbekannte
weltberühmt gewor- Konservator der Bayerischen Staatsgemälde-Galerieen
den als Kunstge- und weitberühmte Bilder-Restaurator feierte am
lehrter oder viel- 17. Februar seinen siebenzigsten Geburstag. 1875
mehralsfeinfühliger wurde der Künstler als Restaurator an die hiesige
und vielseitiger Bil- Alte Pinakothek berufen, 1880 wurden ihm die Re-
derkenner. Seine staurierungsarbeiten für die Budapester Galerie, 1884
Universitätsstudien die der Kasseler Galerie übertragen; in das Jahr 1887
haben ihn jedoch mit fällt die Wiederherstellung der Darmstädter Madonna
anderen Disciplinen Hans Holbeins. — Zwei > Böckliniana« sind die
vertraut gemacht. Er Abbildungen auf S. 316 u. 317. Erstere zeigt den
schwankte zwischen Meister im Verein mit seinem, ihm im Tode so
Medizin und Juris- schnell nachgefolgten. Freunde Bayersdorfer, die
prudenz, gewann Illustration auf S. 317 giebt ein um 1850 entstandenes
aber keinem der Bildnis der späteren Gattin Böcklins.
beiden Fächer rech-
ten Geschmack ab DUDAPEST. Auf der Winter-Ausstellung wurden
und war wie so folgende Künstler ausgezeichnet: Goldene
mancher andere, Staatsmedaille: Theodor Zemplenyi; Forsterscher
der späterhin der Vaszary-Preis3200Kr.: Aladar KRiESCH;Räth-Preis
Wissenschaft mit 600 Kr.: Mich. Fleischer; Stipendium des Vereins
schönem Erfolge der Kunstfreunde 3000 Kr.: Ferdinand Katona;
diente, ein schlech- Preis des Leopoldstädter Kasinos 1000 Kr.: Stefan
a. bayersdorfer u. a. böCKLIN ter Kollegbesucher. Reti und Eszterhäzy-Aquarell-Preis von 600 Kr.:
Aufnahme von Dr. g. Hirth (Sommer 1894) Seine Persönlich- Anton Tahi. — Die Kiinstlerkolonie in Szolnok
Mit Genehmigung der Münchener „Jugend1' keit, die unter den wird Wirklichkeit. Sie wird aus zwölf im Sommer

Kunst - Historikern und Winter gleich brauchbaren Ateliers bestehen
fraglos zu den inter- für welche die Künstler einen minimalen Jahres-
essantesten zählte, ist nicht beim Studium der Weis- zins zahlen. Die ersten Bewohner dieser Atelieri,
heit der Lehrer gereift, sondern im praktischen Kunst- sind: Alex. Bihari, Andor Boruth, Adolf Fenyes,
und Schriftstellerleben. Bayersdorfer sprach nicht Läszlö Hegedüs, Ferd. Kastona, Karl Kernstock,
gerne von seiner harten Jugendzeit und so geriet es Daniel Mihalik, Franz Olgyay, Karl Pongräcz, Ludw.
in Vergessenheit, dass er seine Sporen als Feuille- Szlänyi, Joh. Vaszary und Theod. Zemplenyi. Im
tonist verdient hat. Nachdem er, dem Drängenseiner Herbst bereits sollen
Freunde folgend, von der Medizin abgeschwenkt war die Ateliers occu-
und Archaeologie studiert hatte, schuf er sich in piert werden kön-
einem langjährigen Aufenthalt in Florenz die breite nen. Als einen Feh-
Rasis seines kunsthistorischen Wissens. Seine lerdieser sonstganz
Carriere als Beamter war nicht wechselreich; er ausgezeichneten In-
ist Konservator der Galerie Schieissheim und dann stitution müssen wir
der Münchener Pinakothek gewesen, an die er im die Bestimmung be-
Jahre 1885 übergesiedelt ist. Bayersdorfer hat in zeichnen, laut wei-
der Kunstgeschichte eine hohe Stellung einge- eher ein leergewor-
nommen. Viele wichtige Fragen hat er zur Lösung denes Atelier nur
gestellt. Dem Schreiben und mehr noch dem durch einstimmige
prinzipiellen Durcharbeiten einer Materie abhold, Berufung der jewei-
hat er nun zwar die Fragen, die ihm wesentlich ligen Besitzer wie-
dünkten, nicht selbst durchgeackert; aber er, der der besetzt werden
nicht nur witzig und schlagfertig, sondern zugleich kann. Die Regier-
tiefsinnig und geistreich gewesen ist, hat immer ung bewilligte der emanuel'VO'N max
wieder neue Probleme Stadt Szolnok, wel- t-f-22. Februar)
aufgeworfen und so die i^^^^^^^^^^^^^^^m cne diese Ateliers
Wissenschaft in Fluss ^ baut, eine Subven-

gehalten. Bayersdorfer ^ tion und hegt die ganz vorzügliche Absicht, die mit
betrachtete das Studium Staatsstipendien bedachten Kunstjünger zu Studien-
ais einen Genuss und zwecken nach Szolnok zu senden, um die Jahre, in
war zu sehr Epikuräer, ^ ^ ^ welchen die jungen Künstler für alle Eindrücke am
um aus dem Genuss H empfänglichsten sind, in einer rein magyarischen

eine Arbeit zu machen. Umgebung zu verbringen, und auf diese Weise ihrer
Er konnte darum leider iJÄK Kunst ein nationales Gepräge zu verleihen. A.T.
keine Bücher hinter-
lassen, die der Nach- DRAG. Zwei Todesfälle gab es kurz hinter ein-
weit Kunde von seinem , ander in der hiesigen Künstlerschaft: am 27.
Wirken thun, aber der f Jtt Februar starb der Bildhauer Otto Mentzel, wenige
.Mitw elt hat er in un- HLAh^H Tage zuvor, am 22. Februar der Nestor der deutsch-
zähligen mündlichen böhmischen Künstler, der Bildhauer Emanuel Max
Anregungen seine prof. alois hauser Ritter von Wachstein. Nur wenige Monate hat
ganze Persönlichkeit (17. Februar: 70. Geburtstagi der Letztgenannte seinen neunzigsten Geburtstag

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