Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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B Kunstbibliothek
Staatliche Museen

ZUR NATURGESCHICHTE DES „PUTT"

An Meister Begas' schönem Schlossbrunnen
vorbei ging ich nach dem alten Museum
— ich hatte in der ägyptischen Sammlung
etwas nachsehen wollen — und mit mir ging
das Bild der fröhlichen Puttenschar, in deren
Mitte in heiterer, göttlicher Ruhe Neptun als
eine Art antiker Direktor der Wasserwerke
thront. Das lustige Bild der sich inmitten ge-
fährlicher Wasserstrahlen tummelnden Kinder-
schar verliess mich auch nicht in den Sälen,
wo die alten babylonischen, assyrischen und
ägyptischen Herrschaften, Zeugen längst ver-
gangener Zeiten, von den Wänden auf mich
herabsahen, Denkmäler, die mit unerschütter-
lichem Ernst und unendlicher Mühe in das
sprödeste Material gehauen, von mächtigen
Königen und deren Göttern erzählen. Da —
die Gedankenverbindung lag nahe — fiel mir

(Nachdruck verboten)

ein, darüber nachzusinnen, wann wohl die
ersten Putten in der Kunst auftraten! Auf
Darstellungen von Kindern aus uralten Zeiten
konnte ich mich nicht besinnen, aber meine
Kenntnisse waren ja an Ort und Stelle leicht
zu ergänzen. Und so unternahm ich denn
durch alle Räume des Museums eine Wande-
rung, um dem Auftreten des Putt in der Kunst
nachzuforschen.

Ich bin mir wohl bewusst, dadurch einen
Einbruch in das wohlumfriedete Gebiet der
Kunstgelehrten zu begehen, aber da mir nun
gerade das Thema eingefallen ist, kann ich
nur versprechen, dasselbe gelegentlich, wie
jene eine grössere Zahl von Sammlungen
durchmusternd und alte Schriftsteller zu Rate
ziehend, umfangreicher und gründlicher zu
behandeln. Der Zweck dieser Zeilen, alle,

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