Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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-r^> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN

PERSONAL- UND Zug der Modernen Hess seine Werke verblassen.

Immerhin wird dem Künstler sein Platz unter jenen
ATELIER - NACHRICHTEN Malern, welche seiner Zeit die rein historische Mal-

periode verliessen, um sich volklichem Empfinden
■W/TEN. Friedrich Friedländer, welcher den zuzuwenden — ehrenvollst gewahrt bleiben. B. Z.

" 13. Juni hochbetagt starb, spielte im Zeitraum
der Jahre 1850—1880 eine bedeutende Rolle im pvÜSSELDORF. DieHistorienmalerBRUNoEHRiCH

Kunstleben der Kaiser- und Wilhelm Döringer haben für die St.

Stadt. Friedländer war Lambertus-Pfarrkirche jetzt die vierzehn Stationen
ein Waldmüller-Schüler. vollendet, welche durch Eingesessene der Kirchen-
So lange dieser Meister gemeinde dem altehrwürdigen Gotteshause, der
als Professor an der ältesten Kirche Düsseldorfs, gestiftet worden sind.
Wiener Kunstakademie Die auf dem Gebiete der monumentalen Kirchen-
lehrte, und auch dann maierei längst bewährten Meister, beide ehemalige
alsWaldmüller sein Amt Schüler Eduard von Gebhardts, haben von neuem
niederlegte und eine freie ihre besondere Begabung zur Lösung solcher Auf-
dem Naturalismus huldi- gaben bekundet, wie sie es in hervorragender Weise
gende Schule gründete, schon bei der Ausmalung des Chores der Lieb-
die ja von den Aka- frauenkirche in Trier offenbarten. Die Bilder des
demisten heftig angefein- Leidensweges des Heilands sind höchst eindrucks-
det wurde — hatte Fried- volle, bedeutende Darstellungen und es ist bemerkens-
länder bei ihm den Sinn wert, wie sich in den gemeinschaftlichen Arbeiten
für Einfachheit, Wahr- Ehrichs und Döringers der grosse Einfluss zeigt, den
heit, liebevolle Naturbe- Eduard von Gebhardt auch auf die katholische
obachtung ausgebildet. Kirchenmalerei nach dem Aussterben der Düssel-

;____ .. Nach einigen in Italien, dorfer Nazarener ausgeübt hat. tz.

friedr. friedlander DüsseldorfBund Paris ver!

(. 13. jun. 1901) brachten Jahren - wo- TJ ANNOVER. Das am 12. Juni hierselbst ent-

selbst, besonders in letz- * * hüllte Hölty-Denkmal ist eine gemeinsame Ar-
terer Stadt, der Künstler sein technisches Können beit des Bildhauers Karl Gundelach und des
bedeutend erweiterte, kehrte er 1852 nach Wien Architekten Otto Lüer, von denen auch der in
zurück. Hier hatte Pilotys Ruhm die meisten Heft 3 des XII. Jahrg. der - K. f. A.< abgebildete
Künstler zur Historie gedrängt, und auch Fried- Laufbrunnen auf dem Holzmarkte in nächster Nähe
länder malte zunächst Bilder wie »Tod Torquato des kgl. Schlosses herrührt. Das Monument ist in
Tassos< etc. Aber bald sollte er die Richtung seiner Auffassung und seinen Einzelnheiten im Sinne
finden, welche seiner minutiös beobachtenden, sin- der »empfindsamen Zeit<, der Geschmacksperiode
nenden Natur am kongenialsten war. In Deutschland
fand die Umwertung der hohen, abstrakten Kunst
in eine Volkskunst statt. Man wollte nicht mehr
Ritterstücke in theatralischer Malerei sehen, sondern
verlangte nach wahren Menschen, die des Tages
Leid und Freude in schlichter Art durchlebten.
Friedländer nun hatte durch Waldmüller jene Kunst
treuherziger Erzählung schon früher kennen gelernt,
und konnte jetzt, gereift und seines Wesens mächtig
der Sittenmalerei neue Variationen erschliessen.
Seine Bildchen »Lottokollekteur<, »Die Ermahnung«
u. a. m., seine Serie schwäbischerBauerngeschichten —
sind nur ein Uebergang zu den Schilderungen, welche
eigentlich die Popularität Friedländers als Genre-
Maler begründeten. Es sind dies die »Scenen aus
dem Invalidenleben«. Wie die müden Alten nach
schweren Kriegsjahren ihr kleines Plätzchen an der
Sonne geniessen; wie sie ihre Pfeife rauchen, einen
guten Tropfen schlürfen — oder ihre Erinnerungen
tauschen, das hat der Künstler unermüdlich Jahr
für Jahr dem Publikum erzählt. Das intuitive Ver-
ständnis, welches er dabei entwickelte, mag daher
kommen, dass Friedländer, welcher 1825 geboren
wurde, noch die grosse Zeit der Invalidengene-
ration aus den Napoleonischen Kriegen miter-
lebte. Mit wahrer Liebe malte er das Leben der
ausgedienten österreichischen Soldaten in schlichter
Art. Er vertiefte seine Kabinettstückchen zu wirk-
lichen Charakterbildern durch die feine Weise, mit
welcher er die einzelnen Typen auseinanderzuhalten
wusste. Bis tief in die Makartzeit hinein, diese für
Wien an äusserlichem Glanz so reiche Kunst-
epoche, wusste Friedländer durch treues Verharren
in derunmittelbarenTradition, durch seine stets gleich-
bleibende, sich liebenswürdig gebende Malweise im

Kreise der konservativ Gesinnten sich unzählige «das „hölty-denkmalä in Hannover
Freunde zu erwerben. Erst der unwiderstehliche von k ar l g un d e lac h un d otto l0 er

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