Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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«3-5sg> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN -Cös^

FRIEDRICH FRIEDLÄNDER (f 13. Juni) DER MALER UND SEINE MODELLE

des am 1. September 1776 gestorbenen Dichters, ge-
staltet und verkörpert den poetischen Gedanken, den
Lenau in seinem Nachrufe an den allzufrüh Dahin-
geschiedenen ausspricht:

„Hölty, dein Freund, der Frühling ist gekommen,
Klagend irrt er im Haine, dich zu finden,
Doch umsonst, sein klagender Ruf verhallt in
Einsamen Schallen* — —

In einem reichen architektonischen Rahmen er-
hebt sich das Denkmal hinter einem freien Vor-
räume und einer gärtnerischen Anlage und bildet
für den ehrwürdigen Nikolaifriedhof, auf welchem
der Dichter in unbekanntem Grabe ruht, einen eigen-
artigen Schmuck. PI.

|/"ARLSRUHE. Wandgemälde am neuen Atelier-
**> hause. Hans Thoma hat zum erstenmale in
Karlsruhe ein, auch in räumlicher Hinsicht monu-
mentales Werk geschaffen, den in Sgraffitotechnik
— die täuschend die Wirkung des künstlerischen
Steindrucks wiedergiebt — nach seinen Entwürfen
ausgeführten Wandschmuck der beiden Schmalseiten
des neuen Atelierhauses in der Hoffstrasse. Auf
der Ostseite erblicken wir die jugendliche Kraft-
gestalt des hl. Georg, von Gold umstrahlt, wie aus
Erz gegossen dastehend, in der Rechten das Schwert,
in der Linken die Wage, zu Füssen der Drache,
dessen einer Flügel sich noch einmal im Todes-

kampfe ausspannt, dahinter eine weite Landschaft
mit fernen Schneegipfeln, eine Allegorie von echt
Thoma'scher Grösse und Klarheit, den Sieg der
göttlichen Kunst über das Gemeine in prägnantester
Weise verherrlichend. Auf der Westseite das von
dem Ungetier befreite Paradies. Durch ein Thor
mit wachehaltenden Rittern mit Löwen öffnet sich
der Blick in eine Frühlingslandschaft mit reigen-
tanzenden Jungfrauen. Auf den Zinnen des Thores
der Meister Thoma mit seinen Schülern: Haueisen,
Hofer, Weiss, Schnars, Eichrodt und Walter, in
ruhigem Gespräche dastehend, das Ganze ein treff-
lich gelungenes Werk dekorativer Malerei grossen
Stils, das dem der Kunst geweihten neuen Heim
zur wahren Zierde gereicht. Ö

pvÜSSELDORF. Der Landschaftsmaler Hermann
Pohle ist am 5. Juli im siebzigsten Lebensjahre
gestorben. Geboren 1831 zu Berlin, war der Ver-
ewigte dorten zuerst Schüler von Karl Eduard Bier-
mann, dann kam er nach Düsseldorf, wo er an-
fangs Schüler von J. W. Schirmer, dann von Hans
Gude wurde. Seine Landschaften, besonders seine
deutschen Motive, sind anheimelnd durch ihre
schlichte Poesie und feine Naturempfindung und
haben alle den Vorzug einer gediegenen Kompo-
siton. tz.

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