Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787

Page: 205
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/allgemeine_literaturzeitung_suppl1786_1787/0219
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
2O5 ZUR A. L. Z.
Paradoxon wahr: dum longur esse laboro, ob-
scurus fio. — Die Meyersche Buchhandlung in
Lerngo bleibt übrigens auch hier ihrem fatalen Cha-
rakter erbärmliches Löschpapier zu geben , getreu.
Hannover b. Pockwitz: Schöltet breviora in
Sophoclis Philocteten, a Gedickio V. CI. editum.
Conscripsit in usum juventutis scholasticae,
inprimjs Haqnoveranae, FJac. Struve, Lycei
Palaeo-Hannoverani Rector. 786. 54 S. 8»
Der Vf bemerkte bey den Uebungen, die er
mit seinen Schülern in der Interpretation des Phi-
loktets nach der Gedickschen Ausgabe anstellte,
dass der Anfänger noch manche Erläuterungen
bedürfe, die ihm Gediehe nicht giebt« Er entschloss
sich daher, den Gedickischen Commentar durch
kurze Scholien zu ergänzen, deren Inhalt gram-
matisch wäre. Er erklärt nehmlich theils einzel-
ne Worte, theils ganze Sätze, giebt bey verwi-
ckelten Fällen die Construction an, übersetzt schwe-
re Stellen bald iateinisch, bald deutseh , und lie-
fert bald erläuternde, bald berichtigende Bey träge
zu Gedickens Ausgabe. Die Berichtigung des
Textes durch Verbesserung der in Gedickens Aus-
gabe eingeschlichnen Drucksehler, durch richtigere
Interpunction und durch einige eigne Muthma-
sungen war nächst der Auslegung des Vs. Augen-
merk. In den erklärenden Anmerkungen wird man
nicht über Mangel an grammatischer Genauigkeit
zu klagen Ursache finden. Auch die kritischen
enthalten einiges, was Prüfung verdient. V. i8v ss.
sagt der Chor: ßxfßx ff xSvßqroy.oi; xxßr/p.s-
<pxv^ rtingxt; oipwyxq vTröxe-trcq,. Der Vf. stösst
erstlich bey den drey Bey Wörtern des Echo an, und
möchte deswegen adverbialiter nehmen«
Doch diese Schwierigkeit ist gering. Dagegen
leuchtet ihm, wie schon andern Auslegern, ein,
dass UTro/twrcq schwerlich richtig seyn könne, und
er (chlägt dafür aus dem Scholiast, der xvncpSs'y-
ysrcq übersetzt, zu. lesen vor: VTroHßvSTcq. Eben
so sehr kommt mit der Auslegung des Scholiasten
und noch mehr mit den Buchstaben der gemeinen
Lesart Brunks vortreffliche Verbesserung überein:
vtrxMvei, wenn man dieses Wort nur in der Be-
deutung: anhtortai nimmt, die nach Brunks Mey-
nung statt sinden kann. Sonst ist freylich U7Taxou-
wv rnd sür antworten gewöhnlich, und wir fin-
den es daher, mit Schutz (progr. diätribe in
Soph. Phil- 68"’noch wahrscheinlicher, dass
Sophokles oipcaya/ic, utroocovet schrieb. —
V. 1290 s. wo Neoptolemus dem weggehenden
Ulyss nachruft: etrwCb^ovjjo'ag xav tu Koictf outu)
, IGtoq (s)V SüTOg HKxUsJWTWV TTohx.
Mit Recht kommt dem Vf. die Redensart: rov Tro-
ss« Ehto'; sonderbar und unnatür
lieh vor, und er vermuthet, nicht ohne Wahr-
seheinhehkeit, es müsse xXäct^sct&iv gelesen wer-
den. Rec , der selbst vordem bey dieser Stelle an-
stiess, glaubte, der Dichter habe vielleicht: szrog
'r^xDp.xrtav rvo'öx geschrieben welches ihm da-
mit überein zukommen sehlen, dass Neoptolemus

17 B 7« 206
eben im Begriff war, das Sch werd zu ziehen. Ei-
gentlich sollte er sagen: pedem Jubtraher periculo.
Dafür spricht er nun gelehrter: pedem [ubtraher
vulneribur. Auf eine ähnlicheWeise liest Hemsterhuis
ad Lucia. DD. Mar. 11,1 £ür t goto pur x, nxi/paTa,
■ ^VERMISCHTE SCHRIFTEN.
Leipzig, b. Weidmanns E. und Reich: C/irz/Zzchb
Augußi Clodii, quondam Prosessoris Poeseos in
Academia Lipsienfi, Differtationes et Carmina.
I787* 41) S. u. 14 S. Vorrede und Inhalt, 8*
Schreibpapier. (1 Rthlr.)
' Akademsicher und anderer Gelehrten für ei-
nen eng*ern Gesichtskreis eingerichtete kleine
Schristen durch besondere Sammlungen vor ein
grösseres Publicum zu bringen, kann nur entwe-
der der in mehreren Rücksichten vorzügliche Inhalt
solcher Ausarbeitungen, oder die mußerhaste Be-
handlung rart der gewählten Materien rechtsertigen»
Vorliegende Sammlung der kleinen akademischen
Schriften des seel. Pros. Clodius scheint mehr der
Zufall und die Freundschast, als ihr innerer Werth
yeranlalst zu haben ; wenigstens würde Rec. gar
sehr Bedenken tragen, sie angehenden Huma-
nisten vorzulegen , die bey einem solchen
Mutter vielleicht Gefahr laufen würden, den
üppigen, von unzeitig angebrachter Belesenheit
strotzenden Vortrag und die bettändig wiederkeh-
renden , oft ganz unausttehlichen Gaillardisen für
schön und nachahmungswerth zu halten , lieh eine
sogenannte dictio ludicra anzugewöhnen und den
Geichmack an der grossen und edeln Einsalt meh-
rerer Alten zu verlieren. So wahr daher auch das
ehrenvolle Geständniss seyn mag, dass der würdige
Herausgeber dieser Sammlung', Hr. Dr. TWow,
S- IX. der Vorrede ablegt: huiur Viri diuturna
confuetudine —jiium ingenium qualecuncpie excitct-
tum, adfenfum pulcri magir erectum, et a Jejuna
linguarumfiudio ad elegantiae ctdiungendae voluntateni
commotum eße; so haben wir uns doch nicht erwehren
können. denEindruck den das widerhohlte Lesen die-
ier Aufsätzeauf uns gemacht, an dieser Stelle gewis-
senhaft anzuzeigen. Die Sammlung enthält: Die
Streitsehri tt: Praeßdia eloquentiae Romanae- Lips*
1762. Das Progr. Super jQumtiliani iudicio de Sublimi-
täte Aomeri- Lips. 1764. Harmonides, Eve difjer-
tat 10 de necejßtudine literarum et philofbphicte. >779,
in zwoen Abtheilungen als Streitschrift und Pro*
gramm. Dann solgen die Gedichte. Andere
Stücke, so wie die lateiniscnen Reden, sind nicht
aufgenommen worden, vielleicht hätte die Oratio
in rnemoriam ^ablonowii. Lips. 1767. doch wohl
eine Stelle vor den übrigen Reden verdient. Den
Inhalt und Werth dieser Stücke setzen wir als be-
kannt voraus. Den Abdruck versichert der Hr.
Herausgeber unverändert nach den Originalen ver-
anstaltet zu haben; uns ist aber beym Vergleichen
der Originale, die wir selbst besaßen, theils die
besiernde Hand des Herausgebers , theils aber auch
manches andere vorgekommen, was allerdings el-
Cc 2
loading ...