Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 5): Die Kunstdenkmäler des Kreises Lörrach — Tübingen u.a., 1901

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angebracht, welcher das Durchflössen desselben mit Wasser gestattete. Sämmttiche vier
Badesäle wird man sich als verhältnissmässig hoch und mit Tonnengewölben gedeckt zu
denken haben. Dafür spricht die Stärke der seitlichen Mauern, die relativ gute Erhaltung
der Piscinen, der hohe Schutt, welcher über ihnen lag und die Menge der in demselben
gefundenen Tuffsteine. Da unter den erhaltenen Fundstücken l) sich ziemlich viele Frag-
mente von Glasscheiben befinden, so wird man für die Beleuchtung {wie in den
Thermen von Pompeji, s. bei Overbeck Pompeji, 4 ed. 1884) Glasfenster anzunehmen
haben. Am nördlichen Ende der trennenden Mittelwand ist auf älteren Plänen (so bei
Graelin) eine Verbindungsthür angenommen, welche wahrscheinlich vorhanden war,
wenn auch durch sie eine strenge Sonderung beider Abtheilungen nicht gehindert worden
zu sein braucht. In die Langwände der beiden grossen Bassins waren je nördlich und
südlich rechteckige Nischen (in der südöstlichen Ecke der westlichen eine halbrunde)
eingelassen. Zwischen ihnen und den Durchgängen fand man in den über 2 m dicken
Mauern noch je vier besondere kleinere Hohlräume, die ihrer Grundform nach ein
längliches Viereck mit zwei kleinen halbrunden Nischen an den Schmalseiten bilden.
Sie erscheinen bei der Ausgrabung über dem Boden 'blassroth gemalt, mit einem 6 cm
breiten, dunkelrothen Streifen eingefasst, über diesem gemalten Stück fein gegypst und
weiss'. Merkwürdigerweise liegt ihr Niveau im westlichen Saale 60 cm über, im östlichen
dagegen 60 cm unter dem Boden der Umgänge. Dazu fand man sie gegen die Säle
heraus, nach welchen sie ursprünglich geöffnet waren, mit römischem Mauerwerk zuge-
mauert. Wahrscheinlich sind sie als Räume zu Einzelbädem, als Scholen, anzu-
sprechen, wenn auch ihre Einrichtung im Einzelnen nicht mehr zu ersehen ist.

Bezeichnet Leibnitz die Frage, wie die sämmtlichen Baderäume mit
Wasser gespeist wurden, als eine schwierige, so ist sie das noch heute. Im All-
gemeinen ist seine Annahme, dass wenigstens die grösseren nur das Wasser der natür-
lichen Therme enthalten haben können, gewiss die richtige. Da nun deren Quellen
südlich in der Anhöhe liegen2), so musste das Thermalwasser, welches 250 C. warm ist,
auf der Südseite in die Bäder eintreten, was schon durch eine 9 cm betragende Neigung
der Fussböden sämmtlicher vier Piscinen gegen Norden bestätigt wird, und zwar so, dass
dieselbe bei allen eine doppelte ist und nach einer in der Nordwest- resp. Nordostecke
befindlichen Abzugsöffnung sich hinzieht. Für die zwei grossen seitlichen Piscinen deuten
die älteren Pläne in der Mitte der südlichen Apsis-Mauern einen Wasser-Einfluss an.
Leider sind aber hier wie an so manchen andern Stellen, wo bleierne Leitungsröhren
vermuthet wurden, die Mauern sehr zerstört, so dass man über die Art der Hereinleitung
des Wassers und seiner Vertheilung in den verschiedenen Räumen schwerlich mehr Klar-
heit erlangen wird3).

Deutlicher erscheint für beide grossen Bassins der Wasser-Ausfluss. Durch
die Oefmung in der Ecke nämlich, welche durch eine Falle verschliessbar war, gelangte

*) Dieselben sind in der Grossh, Staatsalterthümersammlung in Karlsruhe bewahrt.

*) Als in den 1860er Jahren unter Baudirektor Gftrwig das Qiiellentetrain genauer untersuchi
wurde, süess man in 8 bis 101« höherem Niveau als das römische Badgebäude auf die alten
römischen Quellenfassungen. Die herabfilhrenden Stollen wurden nicht mehr gefunden.
(Beriebt von Gerwig vom 24. August 1868.)

*) Unter den Fundstucken findet sich noch ein 15 cm langer Theil einer eisernen Bohre und
ein hübsches, 10 cm langes Ausgussrohr aus Kronie.
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