Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

Page: 32
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kfa1900_1901/0042
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
-a-S^> VERMISCHTES — KUNSTLITTERATUR <^^~

= BERLIN. Ein neues Stipendium für die
Technische Hochschule und Kunstakademie wird in
absehbarer Zeit in Wirksamkeit treten. Der Rentier
Emil Wentzel hat sein ganzes, beträchtliches Ver-
mögen beiden Anstalten seiner Vaterstadt Berlin zu
Stipendienzwecken hinterlassen. Die Akademie er-
hält ein Drittel, die Technische Hochschule zwei
Drittel. Aus der Stiftung sollen kleinere Studien-
stipendien auf höchstens vier und Reisestipendien
in der Regel auf ein Jahr verliehen werden. — Die
Internationale Ausstellung für Feuerschutz und Feuer-
rettungswesen Berlin 1901, veranstaltet einen Wett-
bewerb für die Beschaffung eines Plakates. Ein-
lieferung von Entwürfen bis zum 15. Oktober d. J.
an die Geschäftsstelle der Ausstellung. Drei Preise:
1000, 500 und 250 M. i636)

= BUDAPEST. Das von Georz Zala model-
lierte, ihrer Königin von ungarischen Frauen bei
den Kapuzinern errichtete Gruftdenkmal der Kaiserin
Elisabeth ist am 25. August in feierlicher Weise
enthüllt worden. -040]

tz DÜSSELDORF. Durch die besondere Be-
teiligung der Düsseldorfer Künstlerschaft an der
grossen Ausstellung, mit welcher die neuerbaute
Ruhmeshalle in Barmen am 1. Oktober d. J. eröffnet
werden soll, verspricht diese Veranstaltung sehr
intereressant zu werden. Die > Freie Vereinigung
Düsseldorfer Künstler« und der > Künstlerklub
St. Lukas* stellen geschlossen aus. Für das Kunst-
schaffen in Düsseldorf besonders kennzeichnende
Bilder werden von deren Besitzern entliehen werden.
Sehr günstig für diese gross geplante Veranstaltung
ist es auch, dass die achtundzwanzigste Hauptver-
sammlung der »Verbindung für historische Kunst«
Anfang Oktober in der Ruhmeshalle zu Barmen
stattfinden wird. Auf der Tagesordnung der Ver-
sammlung stehen ausser den Berichten des Ge-
schäftsführers und des Kassenführers die Ver-
losung der vom Verein erworbenen Gemälde:
»Auxilium Christianorum« von Ludwig Heupel,
i Die Ankunft der Aebtissin Irmingard auf Frauen-
wörth« von Raupp, >Ein Hoch auf den König« von
Theodor Rocholl und >Die Erstürmung von
Bazeilles« von L. Putz. Ferner stellt der Vorstand
den Antrag, eine Mappe mit graphischen Original-
arbeiten deutscher und österreichischer Künstler
zur Verteilung an die Mitglieder der Verbindung
der Periode 1900 1904 herauszugeben. Auch stellt
der Vorstand den Antrag, den Namen der Verbindung
in »Verbindung für historische und ideale Kunst-
umzuwandeln. — Die Verbindung, die vor länger als

einem Menschenalter gegründet wurde, hat viel zur
Förderung der idealen Kunstrichtung beigetragen.
Manche hervorragende Werke sind auf die Anregung
dieses Vereins entstanden; viele derselben haben in
öffentlichen Galerien ihre bleibende Stätte gefunden.

KUNSTLITTERATUR

= E. Bassermann-Jordan. Die dekorative
Malerei in der Renaissance am bayerischen Hofe.
(München, Verlagsanstalt F. Bruckmann, gebd. 18 M.)
In ihrem ungemein liebevoll bearbeiteten Texte,
wie auch ihrer reichen Illustrierung, die zumeist
bisher Unveröffentlichtes giebt, ist diese Publikation
als ein wertvoller Beitrag zur kunsthistorischen
Spezial-Litteratur aufzufassen. An der Hand eines
so prächtigen Materials, wie der Verfasser es in
fleissigen Studien da und dort sammeln konnte, um
es sodann, zum grössten Teil nach eigenen Auf-
nahmen reproduziert, als Anschauungsmaterial zu
geben, mag es freilich eine sehr dankenswerte
Aufgabe gewesen sein, den Entwickelungsgang zu
schildern, den die dekorative Malerei am bayerischen
Hofe in der Zeit von 1536—1628 genommen hat. Es
sind keine bahnbrechenden Meister, die Bassermann-
Jordan in seinem Buche bespricht, aber der Stand
des Kunstbedürfnisses und Kunstgefühles und deren
Richtungen treten dem Leser aus dem Werke klar
entgegen, dessen Thema es dem Verfasser auch er-
möglichte, eine Entwickelungsgeschichte der Innen-
dekoration und des Ornamentes in Altbayern zur frag-
lichen Zeit zu geben. Der Verfasser bringt uns in
seinem Werke eine Periode der bayerischen Kunst-
entwickelung nahe, wie sie ihresgleichen in Alt-
bayern weder vorher noch nachher hatte. Es ist
keine Kunst, die reine Fürstenlaune hervorzurufen
im Stande war, sie ist nur denkbar in einem Lande,
dessen festgegründete hohe Kultur den sicheren
Boden für fürstliche Kunstbestrebungen bilden
konnte. Davon überzeugt uns am besten ein Gang
durch die St. Michaelskirche, das Hauptwerk des
Sustris, und durch die Maximilianische Residenz
in München. Ueberall feinstes Kunstempfinden in
allen grossen Zügen wie im kleinsten Detail; überall
ein harmonisches Zusammenarbeiten fremder und
einheimischer Künstler und ein Verarbeiten italie-
nischer und niederländischer Vorbilder zu origi-
nellen, nur in Bayern denkbaren Werken, die beredt
für die hohe Stellung Bayerns in der Kulturent-
wickelung unter Albrecht und Wilhelm V. und Maxi-
milian I. sprechen. [rs2]

CH. EDME ST. MARCEL-CAB1N (1819-1890) TIERSTUDIE
(Paris, Jahrhundert-Ausstellung)

Redaktionsschluss: 1. September 1900. Ausgabe: 13. September 1900.

Herausgeber: Friedrich Pecht. — Verantwortlicher Redakteur: Fritz Schtahtz.
Verlagsanstalt F. Bruckmann a.-g. in München, Nymphenburgerstr. 86. — Bruckmann'sche Kunst- und Buchdruckerei in München.
loading ...