Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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-*-SÖ> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN

tz. DÜSSELDORF. Cornelius Wagner, der
sehr begabte, aus der Schule Eugen Dückers her-
vorgegangene junge Marinemaler, hat im Auftrage
des Ministeriums eine grosse ^historische Marine;
für das Ständehaus in Stettin gemalt. Das Bild
stellt die Landung des grossen Kurfürsten auf Rügen
1678 dar. Es sollte diesmal nicht die Darstellung
einer Haupt- und Staatsaktion im hergebrachten
Sinne und Stile der sogenannten Historienmalerei
sein, sondern eben ein Marinebild, die natürlich-
schlichte, glaubhafte Schilderung des Geschehnisses,
die Ankunft der brandenburgischen Kriegsschiffe
und die Ausschiffung des kurfürstlichen Feldherrn
und seiner Truppen. Die Aufgabe hat der junge,
talentvolle Maler vorzüglich gelöst. Die See ist
sehr naturwahr dargestellt, die Luft gut und malerisch
wirkungsvoll behandelt, und ohne Vordringlichkeit
wirkt die Darstellung der Figuren, die Ausschiffung
des grossen Kurfürsten und seiner Truppen, be-
deutend genug, um mehr wie blosse Staffage zu
sein. Die thatenfrohe Stimmung des klaren, hellen
Herbsttages ist mit starkem Naturgefühl gegeben.

%* BERLIN. Die Akademie der Künste wird
im Laufe des Januar eine Ausstellung der hervor-
ragendsten Bildnisse Max Koner's veranstalten.—
Die Künstlerschaft Berlins wird dem Ehrenpräsi-
denten Professor Carl Becker, der am 18. De-
zember sein achtzigstes Lebensjahr vollendet, eine
ausserordentliche Ehrung durch die Veranstaltung

eines Festes, das i Dürers Ankunft in Venedig« zum
Gegenstande hat, bereiten. Das Fest soll am
15. Februar in den gesamten Räumen des Künst-
lerhauses stattfinden. [**01

= HEIDELBERG. Professor Dr. Henry Thode
hat die an ihn als Nachfolger Hermann Grimms
ergangene Berufung an die Berliner Universität
abgelehnt. [83^1

= WÜRZBURG. Das Wagner-Stipendium der
hiesigen Universität (8000 M. zum Zweck eines
Ausbildungs-Aufenthaltes in Italien) wurde dem
Bildhauer-Akademiker Christ. NCsslein von
Stralendorf verliehen. [675]

* DRESDEN. Den Bemühungen des Oberbürger-
meisters Beutler ist es gelungen, die im Interesse der
Stadt Dresden wünschenswerte Einigkeit unter der
Dresdener Künstlerschaft wiederherzustellen. Der
Verein bildender Künstler Dresdens (Secession) löst
sich auf, seine Mitglieder treten mit dem Jahre 1901
ohne Ballotage wieder in die Kunstgenossenschatt
ein; auch eineAnzahl Professoren der Kunstakademie,
Prell, Kuehl, Diez, Gussmann, haben zugesichert,
der Kunstgenossenschaft beizutreten. — Der Verein
bildender Künstler Dresdens hat sich während seines
Bestehens mannigfache Verdienste um das hiesige
Kunstleben erworben. Er hat namentlich seine
Mitglieder zur Pflege der Griffelkunst, besonders der
Steinzeichnung, angeregt. Diese Errungenschaft, die
vornehmlich in den vielfach' anerkannten >Viertel-

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