Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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in der Form, dass nicht mehr der Vorstand die An-
käufe besorgt, sondern dass an die Mitglieder Bons
zu verschiedenen Beträgen verlost werden, wonach
alsdann der Gewinner aus den in einem gewissen
Zeitraum zur Ausstellung kommenden Werken
Gleichbewertetes sich selbst nach seinem Geschmack
aussuchen kann. In zweiter Linie geht der Vorschlag
des Vorstandes dahin, die Verteilung des 'Vereins-
blattes- an die in München wohnenden ca. 5000 Mit-
glieder des Vereins aufzuheben. Der Vorschlag der
Aenderung des bisherigen Ankaufs- und Verlosungs-
modus ist so vernünftig, dass jede Debatte darüber
wohl unterbleiben kann. Das Vereinsblatt aber für
seine Münchener Mitglieder abgeschaffen, hiesse das
Kind mit dem Bade ausschütten. Denn mit der An-
nahme, dass 9 ,., der in München wohnenden Vereins-
mitglieder auf die Vereinsgabe gern verzichten
würden, irrt der Vorstand. Die Abneigung gegen das
Vereinsblatt, die übrigens nicht bei 9 io sondern viel-
leicht bei ' ; der Mitglieder besteht, resultiert daher,
dass bislang nur Stiche und Radierungen zur Ver-
teilung kamen. Zu ganz anderen Resultaten würde
man gelangen, wenn man sich entschlösse die
Vereinsgabe abwechslungsreicher zu gestalten. Der

wladimir bekle .wichen

die tochter des schnees

Hannoversche Kunstverein konnte, als er sich ent-
schlossen hatte, mit dem bisherigen Modus aufzu-
räumen, innerhalb sechs Jahren eine Verdoppelung
seiner Mitgliederzahl, der Kunstverein für Rheinland
und Westfalen im Jahre 1897, als er einmal eine Mappe
mit zehn Photogravüren verteilte, eine Vermehrung
seiner Mitgliederzahl von 7000 auf 9000 erzielen.
Giebt der Kunstverein in Hannover das eine Jahr
eine Mappe mit Photogravüren, so das andere eine
Radierung oder einen Stich, das dritte Jahr eine
Photogravüre. Aber achtzig Jahre hindurch nur des
Prinzips wegen, den Kupferstich absolut über dem
Wasser zu halten, ständig einen Stich oder eine
Radierung in grossem Formate an die Mitglieder
verteilen, diese Methode muss ja deren Interesse
lahm legen. Es gehört dagegen nach den vor allem
in Hannover gemachten Erfahrungen wenig Seher-
gabe dazu, dem hiesigen Kunstverein ein grosses
Wachstum zu prophezeien, wenn er die Prämie bei-
behält, aber sich dabei zum obersten Prinzip macht,
in jedem Jahre seinen Mitgliedern auch in der Form
etwas Neues zu bieten. Dieser Weg führt sicherlich
weiter als der, fünfunddreissig Mitglieder mehr mit
Gaben von 100 bis 300 M. zu erfreuen, dafür aber
den restierenden 4965 die Vereinsgabe zu entziehen.
Hier steht doch das eine mit dem anderen in gar
keinem Verhältnis!

= BERLIN. Die Ausschmückung der Sieges-
allee nähert sich dem Abschluss. Am 22. Dezember
1900 sind wiederum zwei neue Gruppen enthüllt
worden: die des Kurfürsten Joachim II. Hektor, mit
den Nebenfiguren des Markgrafen Georg von Ans-
bach und des Bischofs Matthias von Jagow, model-
liert von Harro Magnussen und die von Prof.
Dr. Rudolf Siemering ausgeführte Gruppe Königs
Friedrich Wilhelm I., dessen Standbild von den
Büsten des 'alten Dessauers und des Ministers
Heinrich Rüdiger von Ilgen flankiert wird. I94?!

tz. BARMEN. Dem jetzt zur Versendung ge-
kommenen offiziellen Bericht über die im Oktober

1900 in der neuerbauten hiesigen Ruhmeshalle
abgehaltenen »Hauptversammlung der Verbindung
für historische Kunst- entnehmen wir, dass zunächst
in üblicher Weise der Geschäftsbericht gegeben und
die Neuwahl der Kommissionen bethätigt wurde. Von
den zum Ankauf eingesandten, insgesamt hundert-
undzwei Kunstwerken wurde die Erwerbung der
vier nachstehenden Gemälde beschlossen: Pro-
fessor Arthur Kampf in Berlin: »Mit Mann, mit
Ross und Wagen hat sie der Herr geschlagen«, (die
Rückkehr der geschlagenen französischen Armee im
Jahre 1812 darstellend); Hermann Emil Pohle,
Düsseldorf: Friedrich der Grosse in Küstrin (1758),
(der Besuch des grossen Königs in der durch das
Bombardement der Russen am 15. August 1758 ein-
geäscherten Stadt); Otto Heichert, Düsseldorf,
>Eine Veteranen-Versammlung«, (das Bild war auf
der vorjährigen grossen Berliner Kunstausstellung)
und Max Pietschmann, Dresden: >Adam und Eva«.
Die nächste Hauptversammlung wird im Jahre 1902
in Düsseldorf stattfinden, die dann bereitstehenden
Mittel sollen zum Ankauf von Kunstwerken auf der in
jenem Jahre veranstalteten grossen nationalen Kunst-
ausstellung verwendet werden. Gegen die vom Vor-
stand beantragte Namensänderung in i Verbindung
für historische und ideale Kunst«, erhoben sich aus
der Mitte der Versammlung gewichtige Bedenken,
so dass schliesslich von einer weiteren Verfolgung
'des Antrages abgesehen wurde. Ueber den Fortgang
des Radierwerkes von Professor Max Klinger
'Vom Tode« (Zweiter Teil) wurde berichtet, dass
die restlichen vier Blätter voraussichtlich bis Ende

1901 vollendet sein werden. I886)

Redaktionsschluss: 19. Januar 1901. Ausgabe: 31. Januar 1901.

Herausgeber: Friedrich Pecht. — Verantwortlicher Redakteur: Fritz Schwartz.
Vcrlagsanstall F. Bruckmann a.-o. in München. Nymphenhurgerstr. 86. — Bruckmann'sche Kunst- und Buchdruckerei in München.
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