Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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«a-£Ö> AUSSTELLUNGEN IN WIEN

Für Klinger ist ein Raum für sich gestimmt tf.rich's Ein Ritter — Ulrich von Hutten — und
worden. Ornamentale Fresken, welche er vor langen Der Spiegel . Dieser Künstler fesselt durch die
Jahren gemalt hatte und die sehr Böcklinisch an- merkwürdige Leuchtkraft seiner Farbe. Ihn be-
muten, sind in die Wände eingelassen. Zwei Skulp- schäftigen Licht- und Reflexprobleme, deren inter-
turen, eine polychrome Marmorbüste und die Statue essante Lösung seinen Bildern eine mysteriös-
der - Kauernden (die bald nach Eröffnung der Aus- suggestive Wirkung verleiht. Besonders das rot-
stellung bereits in den Besitz eines hiesigen Kunst- glühende Bild Ulrichs von Hutten erweckt in hohem
freundes überging), stehen in dem Raum. Die edle Grad das Interesse der Wiener Kunstkenner.
Harmonie dieses lebenatmenden Körpers, der in Im dekorativen Sinn erstrebt diese Ausstellung

seiner weich-gelblichen Färbung wie sonnendurch- der Secession den Charakter strenger, herber Ein-
glüht leuchtet, ist so selbstverständlich schön, so fachheit: graue Leinwand bedeckt die Wände, ein
zwingend natürlich, als wären im rohen Steinblock weisses Velum spannt sich über die Decke, als Fries
diese Formen allein enthalten gewesen, als hätte der läuft oben eine Guirlande frischen Tannenreisigs.
Künstler mit leise schmeichelnder Hand die Linien

nur geweckt, welche in dem Marmor geschlummert. Aquarellisten-Klub

Dass neben diesen bedeutungsvollen Namen sich Das Gesamtbild der diesjährigen Aquarell-Aus-

noch einige Persönlichkeiten behaupten können, Stellung des Künstlerhauses leidet etwas durch die
spricht für deren reifes Können. So hat der Spanier ziemlich wahllose Aneinanderreihung ganz flüchtiger,
Zuloaga eine Reihe Volks- und besonders Frauen- künstlerisch wenig vertiefter Naturausblicke. Der
typen mit einer Kühnheit und Festigkeit der An- Gang, den wir da durch Wald und Flur, durch stille
schauung gemalt, welche ihn als echtesten Abkömm- Dörfer, tiefe Wälder und an schillernden Wassern
ling Goyas erkennen lässt, und Besnard giebt mit vorbeimachen, bringt uns wenig Momente wahren Er-
dem Theaterporträt der Rejane ein meisterhaftes kennens. Eine Gouache Rud. Ribarz' giebt in feiner
Bild der Coulissenatmosphäre. Tönung Waldesgrün, und darin die stolze Stein-

Ernste Betrachtungen wecken die Werke Her- Silhouette von Schlpss Albrechtsberg. Joh. Geller

malt buntbewegte Volksscenen aus dem
Prater, die seh riebendig wirken und nur
durch die allzu bläuliche Beleuchtung
den Eindruck der Manier gewinnen.
Sehr romantisch gestimmt sind die
Skizzen des Prager Malers Hudecek,
>Abendbeleuchtungen<, so recht in
den mysteriösen Tönen des sterbenden
Tages gehalten. Bartels meister-
haften Pinsels, seiner sichereinsetzen-
den Art braucht nicht besonders ge-
dacht zu werden. Stille, dunkelbraune,
ins Rot schimmernde Dächer und die
engen Gässchen mit Marktplatz und
Brunnen, das aneinandergeduckte,
heimlich traute, alte Städtchen ver-
sinnlicht in intuitivster Weise Karl
Mutter aus Karlsruhe. Ihm schliesst
sich aus gleicher Schule Heinrich
Kley an, mit viel frischeren, der hol-
ländischen Erde entnommenen Moti-
ven.

Viel Eigenartigeres, neue Em-
pfindungsweise verratend finden wir
in der Abteilung der Radierungen und
der farbigen Lithographien. Hier sind
Sachen von solcher Feinheit der Ton-
wertung, von solcher Kühnheit der
Linie, von solcher Eleganz der Far-
benflecke, dass wir diesen neuesten
Kunstzweig der freien Künste mit
Freuden als eine der wertvollsten Er-
rungenschaften des modernen Dekors
begrüssen. Besonders die Franzosen,
und da vor allem die geistreichen
Genrebilder Ranfts, die scharf poin-
tierten Psychologien Steinlens, die
ganz in japanischer Lebendigkeit ge-
haltenen Tierbilder F. Jourdains,
wissen in meisterhafter Weise den
Aphorismus der Linie zu handhaben.
Als Tierbildner von grosser Bedeu-
tung ist auch der englische Aquarellist
Moore-Park zu nennen, der den
Japanern das Geheimnis der Bewe-
gung abgelauscht hat, und von Dürer
Im Besitz von M. v. FLÖTENDE NYMPHE (1881) die Innigkeit der Naturvorgänge.

Hey! in Darmstadt b. Zuckerkandi.

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