Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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-o-5g5> DENKMÄLER

VERMISCHTES <ÖS-*-

Die Stadt wird dem Fiskus den Bauplatz für 45000 M.
verkaufen und 20000 M. Zuschuss geben. Der Staat
errichtet das Museumsgebäude und gewährt einen
reichen Etat für das Hochschulmuseum.

DENKMÄLER

DOSEN. Im Wettbewerb um das hier zu errichtende
* Kaiser Friedrich - Denkmal erhielt Johannes
Boese (Berlin) den ersten Preis (2500 M.); der
zweite (1500 M.l fiel an Emil Cauer (Berlin), der
dritte (1000 M.l an Rudolf KCchler (Berlin). Der
mit dem ersten Preise gekrönte Boesesche Entwurf
zeigt ein doppeltes Plateau; das höher liegende wird
flankiert durch zwei Postamente mit Kronen und an
der Rückseite durch eine Balustrade abgeschlossen.
Den Mittelpunkt bildet das Denkmal, dem ein halb-
rundes Bassin vorgelagert ist; eine Robbe sprudelt
hier Wasser in das Becken. Das Postament zieren
an den Kanten Lorbeerbäume, die mit ihren Blatt-
kronen das Gesims tragen; vorn sitzt ein Landmann
mit Pflug und Sense, huldigend zum Kaiser auf-
blickend, der stehend mit Helm und offenem Mantel
erscheint. Der Säbel hängt schleppend herunter.
Die Hände ruhen übereinander, die rechte hält den
Marschallstab, die linke fasst den Saum des Mantels.

EJRESLAU. Das von Professor Adolf Brütt
(Berlin) modellierte Kaiser Friedrich-Denkmal
dürfte im Juni d. J. enthüllt werden können. Die
Bronzestatue, den Kaiser auf scharrend dastehen-
dem Pferde sitzend darstellend, erhält eine Höhe
von nahezu fünf Meter und wird von einem etwa
gleich hohen, einfach gestalteten Granit-Sockel ge-
tragen werden.

DERLIN. Die Vollendung der Denkmäler-Reihe
in der Siegesallee dürfte sich bis in den Spät-
sommer hinausziehen. Zur Enthüllung fertig sind
jetzt die Gruppen des Grossen Kurfürsten von Prof.
Fritz Schaper, König Friedrich Wilhelms III. von
Professor Gust. Eberlein und Kaiser Wilhelm I.
von Professor Reinhold Begas. Es folgen dann
noch Kurfürst Johann Sigismund von Professor
Peter Breuer und Kurfürst Johann Georg von
Martin Wolff. — Der Bildhauer Johannes Götz
hat das Thonmodell eines Standbildes des Antoninus
Pius vollendet, das, in Bronze gegossen, auf der
Saalburg zur Aufstellung kommen soll. Ebenso ein
in Hermenform gehaltenes Gutenberg-Denkmal, in
Granit und Bronze zur Ausführung kommend und
ein in Marmor auszuführendes Denkmal der Königin
Luise. Beide Werke sind für Magdeburg bestimmt.

LJALLE a. S. Das vom Architekten Professor
*^ Bruno Schmitz im Verein mit dem Bild-
hauer Professor Peter Breuer ausgeführte Kaiser
Wilhelm-Denkmal geht seiner Vollendung entgegen.
Den Mittelpunkt der Anlage bilden auf hohen Sand-
steinpostamenten die Reiterstatue Kaiser Wilhelms I.
und die Standbilder Bismarcks und Moltkes. Den
architektonischen Hintergrund bildet eine Säulen-
halle mit hohem mittleren Rundbogen und seitwärts
abschliessenden Pylonen. Vor der Kaiserstatue ragt
auf dem Plateau, zu dem Treppenanlagen hinauf-
führen, die Gruppe eines Siegfrieds empor, dem die
Rheintöchter Schwert und Schild reichen.

VERMISCHTES

[VflÜNCHEN. Die am 10. März vom hiesigen
V* Künstlerinnen-Verein im eigenen Vereinshause
veranstaltete zweite Münchener Böcklin-Gedenkfeier

gestaltete sich zu einem malerischen und poetischen
Genuss von seltener Vollendung. Der grosse Fest-
saal mit seinen tiefroten Wänden und dem reichen
Schmuck von Lorbeerbüschen in mildem Licht
stimmte schon feierlich. Unter den Klängen des
Trauermarsches aus der Götterdämmerung teilte sich
der Vorhang zwischen den hohen Säulen des Po-
diums, und man blickte in eine ernste Landschaft
mit tiefblauem Nachthimmel, von dem sich Hilde-
brands Böcklinbüste in ihrer ruhigen Grösse abhob.
Weitere musikalische Vorträge, an denen sich Frau
von Kaulbach-Scotta, Frl. M. Henke und Frl. E. Glas,
sowie Herr Loritz beteiligten, folgten und bereiteten
unter den Zuhörern in schönster Weise die Stimmung
vor für das sich daran schliessende Festspiel. Klio und
das Drama, wie Böcklin sie dargestellt, hielten in ihm
Zwiesprach zu des Meisters Ruhm, und zur schönsten
Huldigung beschwor das Drama seine ; Kinder
herauf: ein langer Zug Böcklinscher Gestalten nahte
heran und schritt ruhig und wieder lebhafter, zögernd
und vor dem Bilde des Meisters verweilend, durch
den dämmerigen Garten. Zuletzt folgte eine Gruppe
von zwölf weissgekleideten Priestern mit Fackeln, die
sich in feierlichem Halbkreis ordneten und Flammen
auf den Dreifüssen im Vordergrunde entzündeten,
während die =Flora« mit vollen Händen Blumen
über die Stufen der Säule streute. Es war ein
überaus glücklicher Gedanke, die wohlbekannten
Gestalten nicht in bestimmten bebenden Bildern-
zu zeigen. Es genügte die Andeutung durch die
einzelnen, allerdings vorzüglich gewählten und mit
feinstem Verständnis gekleideten Erscheinungen,
um die Phantasie und Erinnerung aufs lebhafteste
zu wecken, die Stimmung der ganzen Werke mit-
zuteilen. Was erst als Wagnis erschienen war —
die einzelnen Figuren aus ihrer Umgebung heraus-
lösen zu wollen, gelang vollkommen durch die tiefe
Harmonie der umgebenden Landschaft, in die sich
alles wie von selbst einfügte. Idee und Inscenierung der
Feier stammte von der Malerin Ida Ströv er, deren In-
tentionen die Verfasserin des Festspiels, L. Hildeck,
geschickt gefolgt war. Frl. Ströver selbst hatte mit
feinstem Geschmack und mit unendlicher Mühe den
Aufbau der Bühne angeordnet, die zahlreichen Teil-
nehmer für den Zug gesucht und gewonnen, für
Kostüme gesorgt, auch die Mitwirkung der musika-
lischen und deklamatorischen Kräfte erbeten und
als Regisseur das Ganze geleitet. So darf der
Alünchener Künstlerinnen-Verein mit Befriedigung
auf diesen wohlgelungenen Abend zurückblicken;
seit er ein eigenes Heim besitzt konsolidiert er sich
immer mehr unter der bewährten Leitung von
Frl. Johanna Tecklenborg, deren unermüdlichem
Eifer auch in erster Linie die Erlangung des eigenen
Vereinshauses zu danken ist. I. B.

P\RESDEN. Drei Böcklin-Feiern haben hier nach
des Meisters Tode stattgefunden. Die eine
veranstaltete die Dresdener Kunstgenossenschaft;
sie trug ein überwiegend heiteres Gepräge. —
Weiter veranstaltete der Verein für Volksbildung
eine Böcklin-Feier, die von etwa sechzehnhundert
Arbeitern besucht war. Stimmungsvolles Harmonium-
spiel leitete sie ein. Dann hielt Dr. Koppen aus
Berlin den Vortrag, der durch zahlreiche Lichtbilder
illustriert wurde, vor der gespannt aufhorchenden
dankbaren Hörerschaft. — Die dritte Böcklin-Feier
veranstaltete am gleichen Tage der Dresdener
Goethe-Bund. Orgelspiel umrahmte die, ebenfalls
von Lichtbildern begleitete, begeisternde und geist-
volle Rede von Ferdinand Avenarius, der etwa
tausend Zuhörer anderthalb Stunden lang in an-
dächtiger Aufmerksamkeit zuhörten. \

Redakiionsschluss: 23. März 1901. Ausgabe: 4. April 1901.

Herausgeber: Friedrich Pecht. — Verantwortlicher Redakteur: Fritz Schwartz.
Vcrl.igsanstalt F. Bruckmann a.-g. in München, Nymphenburgerstr. 86. — Druck von A. Bruckmann, München.
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