Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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~^532> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN <3^-

hardtschen Case'infarben gemalten riesigen Gemälde in dem Metropolitanmuseum zu New York (Colum-

wirken vorzüglich. — Am 2. April starb hierselbst bus vor Isabella von Spanien) und in der Bilder-

im siebzigsten Lebensjahre der Genremaler Her- galerie zu Melbourne (Der Prager Fenstersturz).

mann Sondermann. Der Verewigte war 1832 in Brozik war hors concours im Pariser Salon, Mitglied

Berlin geboren und nach seiner Vorbildung dort- des Instituts de France. Offizier der Ehrenlegion,

selbst und zweijährigem sowie Inhaber österreichischer, belgischer Orden,

— Studium in Antwerpen, in unter anderen auch der höchsten Auszeichnung für

Düsseldorf Privatschüler Künstler in Oesterreich, des Ehrenabzeichens für

Rudolf Jordans. Seit 1861 Kunst und Wissenschaft. Eine ganze Reihe von

8>\ lebte Sondermann in Akademien hatten ihn zum Ehrenmitgliede ernannt,

Düsseldorf. Er widmete auch gehörte er der jungen Prager Kaiser Franz

sich dem ländlichenGenre Joseph-Akademie als eines der ersten Mitglieder an.

und malte gemütliche Als Künstler war Brozik gewiss eine hochangelegte

Scenen aus dem Leben Natur; ein Schüler Pilotys und Lauffers, glühender

der westfälischen und Verehrer von Velasquez, verfügte er über die Fonds

Schwarzwälder Bauern eines reichen Geistes und eines goldenen Talents

von guter Erfindung, viel- und es kann füglich behauptet werden, dass er

fach auch erfüllt von glück- einer der grössten Koloristen der Neuzeit war. Er

lichem Humor. — Am malte beinahe ausschliesslich areale Bilder von

30. März ist der hiesige riesigen Dimensionen, immer eine Flut von

Historienmaler Victor leuchtenden Farben, jedesmal eine beinahe hundert-

hermann sondermann Johann von der Forst köpfige Menge, deren Kompositionsfeld regelmässig

(7 2. Apnl) infolge eines Unglücks- gekrönte Häupter und eine illustre Hofgesellschaft

falles in Herten in West- einnahmen, alles flimmernd von schweren Seiden-

falen gestorben. Der Verstorbene ist 1864 in Stoffen, Brokaten und Damasten in grossartigen

Münster in Westfalen geboren, studierte auf der Interieurs und Kirchenschiffen (jHuss vor dem

Kunstakademie in Düsseldorf und München, liess Konstanzer Konzil-, sein allerbestes Werk, -Die

sich zuerst in seiner Vaterstadt Münster, dann Doppelhochzeit im Hause Habsburg-). Die berühm-

dauernd in Düsseldorf nieder. Er war ausschliess- testen Bilder Broziks sind »Die heilige Ina« (1879 ge-

lich in monumentalen Kirchenmalereien thätig und malt unter dem Einflüsse Max') fernerdie engere Rich-

war seit einem Jahre mit einer grösseren derartigen tung einschlagend > Die Hochzeit der Premyssliden-

Arbeit in Herten beschäftigt, wo er, auf eine unauf- tochter Dagma, mit KönigWaldemar IX. (1875); weiters

geklärte Weise von einem Gerüst herabstürzend, die obengenannten Bilder,

seinen allzu frühen Tod fand. tz. von welchen ihm die »Ge-

sandtschaftc die kleine

DERN. Im Böcklin-Heft- des laufend. Jahrg. der goldene Medaille in Paris

»K. f. A.< ist a. S. 272 der zeichnerische Entwurf und die grosse in Berlin

einer Medaille abgebildet worden, der, nicht ausge- eintrug, »Kaiser Karl IV.

führt, späterhin in seinem Motiv vom Meister in mit Petrarca und Laura in

einem bekannten Rundbilde verwertet worden ist, Avignon«, »Ein Fest bei

das den Titel >Freiheit<: führt. Es war nicht das Rubens-, mit Porträts

erste Mal, dass Böcklins Genius sich mit dieser seiner Meister und Gön-

Arbeit in den Dienst der Medaillenkunst stellen ner, »Kaiser Rudolf II.

wollte. Die von ihm zum siebzigsten Geburtstag beim Alchymisten- (1882)

Gottfried Kellers (1889) modellierte Erinnerungs- und eine Menge von Por-

Medaille hatte nach allgemeinem Urteil derart ge- träts, die in Paris wie in

fallen, dass der schweizerische Bundesrat dafür Prag sehr gesucht waren,

hielt, keinen anderen Künstler als Böcklin mit der Sein letztes grosses Histo-

Schaffung einer Festmedaille für die sechshundert- rienbild ist »Die Wahl

jährige Erinnerungsfeier an die Gründung der Georg Podiebrands zum vacslav von brozik

schweizerischen Eidgenossenschaft zu betrauen. Der König von Böhmen« und (f 16. April)

damals in Zürich wohnende Meister übernahm den zwei Lünetten für das

Auftrag; wider alles Erwarten aber lehnte der Landesmuseum. Aus den ärmlichsten Verhältnissen
Bundesrat den Entwurf ab, woran sich sodann eine stammend — er wurde 1851 als Sohn eines Dorf-
heftige Zeitungsfehde mit Artikeln für und wider schmiedes bei Pilsen geboren — hatte er die miss-
Böcklin entspann. Thatsächlich blieb sodann auch lichsten Hindernisse durch die eiserne Kraft seines
dessen Entwurf unausgeführt, den Auftrag erhielt Willens und den unverbrüchlichen Glauben der
der Pariser Medailleur Dubois. Freunde an sein Talent überwunden und der böh-
mischen Kunst zu glänzenden Siegen verholfen. Er
RAG. Die Künstlerschaft Böhmens und Oester- starb am 16. April in Paris bei seiner Familie, die
reichs hat einen schweren Verlust erlitten, einer dort ständig wohnte und in deren Kreise er auch seine
der Mitbegründer der neuen Prager Schule und neben Ferien immer verbracht hatte. Nach Weihnachten 1900
Hynais, Pirner und Myslbek einer der besten Führer kehrte er in seine zweite Heimat, an Leib und Seele
des künstlerischen Nachwuchses der blühenden Prager gebrochen, zurück, um dort zu sterben. Ein Nieren-
Akademie, Prof. Vacslav von Brozik, wurde dem krebs war die Ursache seines vorzeitigen Todes.
künstlerischen Schaffen und seinem Lehrerberufe

jäh entrissen. Die Bedeutung des Verblichenen in /^ESTORBEN: In Stuttgart am 27. März, einund-
der Welt der Kunst hat eine internationale Geltung, siebzig Jahre alt, der Historienmaler Professor

ja es kann gesagt werden, dass Brozik ein Maler Fidelis Bentele; in Kiedrich (Rheingau) am

von Weltruf ist. denn seine riesigen Bilder hängen 26. März, fünfundsechzig Jahre alt, der Historien-

so gut wie in der Ratstube des Prager Rathauses maier August Martin ; in New-York, fünfzig Jahre

auch in der Nationalgalerie in Berlin (Die Gesandt- alt, der in Rom geborene Maler Virgilio Tojetti,

schaft des Königs Ladislaus am Hofe Königs Karl VII.), ein Lieblingskünstler der vornehmen Welt Amerikas.

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