Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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-r*Ö> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN <2fe£-

bernhard schröter

(Dresdener Kunstausstellung)

PERSONAL- UND

ATELIER-NACHRICHTEN

[V/t ÜNCHEN. Die Deutsche Gesellschaft für christ-
liehe Kunst hat sich schon manches Verdienst
erworben in ihren Bestrebungen, auch für die kirch-
liche Kunst die allen Formen der Tradition neu zu
beleben. Letzthin veranstaltete sie einen Wettbewerb
von Entwürfen zu einem Taufstein in einer Kirche
gotischen Stils. Es beteiligten sich daran zumeist
Bildhauer; in der richtigen Erkenntnis, dass hiereine
Aufgabe gestellt sei, deren Lösung gerade ihnen zu-
käme. So ward denn auch das Ergebnis ein erfreu-
liches. Den ersten Preis erhielt das Modell von
Steinicken & Lohr mit dem schneidigen Motto
Hurrah'. Diese Künstler fassten die Aufgabe als
eine räumlich dekorative auf. Die Ausführung ist
in verschiedenartigem Material wie Stein, Schmied-
eisen und Kupfer gedacht, damit ist zugleich Ge-
legenheit zur Handhabung reizvoller kunstgewerb-
licher Techniken gegeben. Mit dem zweiten Preis
wurde der Entwurf von H. Heidmann bedacht.
Dieser entwickelte das Motiv in knappen klaren
Formen sozusagen aus einer Masse heraus, als Ma-
terial denkt er sich nur Stein. Zugleich mit Heid-
mann errang J. A. Spöttl denselben Preis für einen
zeichnerischen Entwurf. Dieser erscheint uns, weil
er sich am wenigsten an mittelalterliche Formen
anlehnt, gleich etwas modernisiert. Der Künstler
hat die Rundung des Beckens, wie Flächen, durch
reliefartige Darstellungen geschmückt. Gleichfalls
vom .bildnerischen Standpunkte aus löste die Auf-
gabe Hans Gruber, er erhielt den dritten Preis.
Sein Modell zeigt einen Taufstein, wie er in einer
alten gotischen oder romanischen Kirche ganz am

Platze wäre. Ausserdem erscheinen die Arbeiten
von Gruber, Jos. Fasnacht und Joh. Schmautz
der ihnen zu teil gewordenen Belobigung vollkommen
würdig. W. H-r.

georg osk. erler aehrenleserin

(Dresdener Ausstellung) (Radierung)

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