Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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-a-4ö> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN

Müller, Leo Müsch, C. Steffens und Josef dem mit der Bemalung der Basler Rathausfassade,

Tüshaus sind durchguteArbeiten vertreten. Gustav einem umfassenden Figurenwerk, beschäftigt. Gute

Eiler's Stich nach Rubens' heiliger Cäcilie verteilt Porträts haben auch der talentvolle junge H.

der Kunstverein als diesjähriges Prämienblatt. Altherr, der Impressionist K. Amiet und der

in München gebildete Freund Leibis, Dr. F.

DASEL. In Basel bestehen zur Zeit drei Aus- Schider, ausgestellt; ein jüngerer Mann, Her-

" Stellungen von grösserer Bedeutung. Die eine mann Meyer, ringt noch mit Form und Farbe,

setzt sich zusam- verspricht aber in

men aus Werken _ einem Damen-

Ernst Stückel- ^^Rk^ .^^MMfe^k. bilde Tüchtiges. In

berg's, des be- j^SO^^^^a^. Landschaften ist

kanntenMalersder " Ä\ .~v-: \ von F. Völlmy

Fresken in der eBSL und C. Th. Meyer

Tellskapelle. (Vgl. yfl -\ Gutes da. Hans

über ihn >K. f. ifi&| v\ WKm!j Garnjobst er-

A.< X. S. 149 ff.i & v< \Jf OiiJBfM weist sich im sel-

~g^K^^^m ben Fache alsein
am 22. Februar .i::v< !!_:

diesesjahres sie':-- ^ N ^Munuk wie edler Farben-

zig Jahre alt ge- ^^^B£&*^wJ> / unci Linienempfln-

worden, und zu der, W. De Gou-

Ehren dieses F.r- '^^HflQ^^' <i~_ mois zeigt ein

eignisses hat der ^^^^^^^ vorzügliches See-
Basler Kunstver- hans Frey. stückelberg-medaille stück, Jak. Wag-
ein eine Ausstel- ner einige frische
lung der Werke Ausschnitte aus
des Jubilars veranstaltet. Sie begann im April und dem Tessin. Ein Schilderer seiner heimatlichen
wird bis zu Ende des Sommers dauern. Eröffnet Umgebung ist Emil Schill, dessen Landschaft
wurde sie durch ein gediegenes Fest, an welchem dem »Bilstein«, ein enorm gut studiertes, farbentiefes
Künstler eine von dem Ciseleur Hans Frey ge- Bild, bereits für das Basler Museum angekauft
schaffene goldene Medaille (s. oben) übergeben und worden ist. Ihre Basler Landschaft schildern auch
ein von Dr. Albert Gessler gedichtetes Festspiel Emanuel BOrgy in originellen grosszügigen,
vorgeführt wurden. Die Ausstellung enthält etwa J. Billeter in kleinen, feinen Zeichnungen. Hans
zweihundert Werke, bei deren Auswahl der Künstler Lendorff hat ein Stück bretonisches Land und
selbst das erste Wort zu sprechen gehabt hat. Haupt- Meer mit schlichter Staffage in eine feine, fast
stücke sind: Aus der frühesten, der sog. Sabiner- lyrisch anmutende Beleuchtung gesetzt und er-
zeit 1857—1863 der farbensatte, prächtig lebendige zielt damit einen nachhaltigen, rein poetischen
= Marientag im Sabinergebirge«; aus den Jahren Eindruck. Auch der Altmeister Dr. Ernst Stückel-
1863—1866 Kinderporträts, die zum besten gehören, berg excelliert als Landschafter; sein Stück-
was dieses Genre zu zeigen hat; es ragt da hervor chen »Uri« ist von wundersamer Natürlichkeit und
durch lichte Farbe und edle Zeichnung der > Kinder- Frische. Dasselbe Lob verdienen zwei tieftonige
gottesdienst-. Auch Damenbildnisse aus dieser Zeit und dabei doch ungemein klare Landschaften mit
sind Meisterwerke im »Oeuvre« des Malers. Die fischenden Knaben von Theophil Preiswerk.
folgende Periode ist die der Hellmalerei; aus ihr Im Genrebild ragt eine äusserst glückliche, ideen-
stammen die »Marionetten«, die 1869 in München reiche Komposition von H. B. Wieland »Teufels-
die goldene Medaille erhielten und heute noch, in predigt- hervor; der talent- und phantasievolle
unvergänglicher Frische strahlend, zu den Juwelen Burkhart Mangold, ein jüngerer Künstler, ent-
des Basler Museums gehören. Sogar die Nähe zückt mit einem Bilde »Der Nachtwächter« Loset,
Böcklins hatte dieses jugendschöne Bild ruhig aus- was i euch will sage«) ausnahmslos alle Besucher,
halten können. Von 1875 an malte Stückelberg wieder Künstler und Laien, während der nicht unbegabte,
in satterer Farbigkeit; gute Porträts, meist geschickt aber etwas prätenziöse R. Löw mit seinem teil-
gruppierte und famos beleuchtete Familienbilder, weise guten Bilde Der kranke Knabe; Künstlern
sind damals entstanden. Namentlich aber ist diese und Laien im ganzen unverständlich bleibt; im
Periode charakterisiert durch die Studien zu den Porträt ist Löw reifer und glücklicher. Emil Beur-
Tellskapellen-Fresken, sie geben der ganzen Aus- mann hat ein reizendes Bauernmädchen ( Die
Stellung ein helles, freudiges Leben und werden schwere Aufgabe«) ausgestellt. Auch Skulpturen
von vielen für Stückelbergs Bestes gehalten. Aus sind da: eine sehr schöne, ernste, von Sentimen-
des Malers neuester Zeit sind Historienbilder (ein talität völlig freie ^Grabfigur« von August Heer
grandioser - Parricida«), Landschaften, Marinen, eine und ein flotter Entwurf zum Bacchanten-Fries am
'Sappho, die »Sirenen- u. s. w. da, die sämtlich Henneberg-Haus in Zürich von Adolf Meyer.
beweisen, dass der alte Meister noch immer rüstig Beide haben auch Porträtköpfe ausgestellt. An
an der Arbeit ist. — Die zweite Ausstellung ist mitder bildhauerischer Kleinkunst sind zwei süperbe
Baslerischen GeWerbeausstellung (Mai — Oktober) ver- Sachen (Kinderprofil und Weihbrunnkessel —
bunden und in einem besonderen Bau, einer ebenso Bronzen —) von Frau S. Burger-Hartmann zu
geschickten und praktischen, wie künstlerisch vor- sehen. Der Medailleur Hans Frey ist mit einer
nehmen Schöpfung des Architekten Adolf Visscher Vergrösserung seiner gelungenen Bronze-Plakette
van Gaasbeck, untergebracht. Sämtliche Basler zum Jubiläum von Basels Eintritt in den Schweizer-
Künstler haben in dem stimmungsvollen, schlicht bund (1501 — 1901) vertreten. Hans Sandreuter,
dekorierten Räume von ihren besten Werken aus- der eben Verstorbene, fehlt leider; seine Bilder
gestellt. Wir nennen einiges besonders Hervor- sind in auswärtigen Ausstellungen engagiert. —
ragende. Zunächst Porträts von W. Balmer und Eine dritte Ausstellung (in der Kunsthalle) um-
F. Burger, die beide auch in München vorteilhaft fasst einige Werke von Künstlern der Münchner
bekannt sind. W. Balmer ist gegenwärtig ausser- Luitpoldgruppe. - r.

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