Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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MÜNCHENER GLASPALAST 1901 <ö^~

spektables bleibt. Zu bedauern ist, dass der
Kreis der jüngeren, vorwärts strebenden Künst-
ler, wie er sich um die russische Kunstzeit-
schrift „Mir Iskousstva" schart, von einer Be-
teiligung abgesehen hat. Von den, auch bei uns
berühmten Leuten ist nur Elias Repin ver-
treten, aber von seinem phänomenalen Können
giebt das ziemlich flaue Porträt des Grafen
Tolstoi, den er barfuss, in Bauerntracht,
lebensgross als ganze Figur darstellt, wenig
Begriff. Die drei besten Bilder der Russen
hängen nebeneinander: Boris Kustodief's
Bildnis eines jungen Mannes, der in outriert
moderner Tracht, als müder Dekadent po-
sierend dasitzt und ebenso wunderbar cha-
raktrisiert als flott, breit und flüssig gemalt
ist und die beiden Schneelandschaften von
Basil Purvit in Riga, die zu den herr-
lichsten Landschaften des ganzen Glaspalastes
überhaupt gehören. Er hat Märzstimmungen
aus dem Norden gemalt; Schnee deckt wohl

noch den Boden, aber schon hat die be-
ginnende Frühjahrswärme seine Formen rund
und weich gemacht. Gerade dies ist in den
Bildern Purvits ganz wunderbar zum Aus-
druck gekommen.

(Ein Schluss-Artikel folgt)

APHORISMEN

Ein halber Erfolg ist auch ein halber Misserfolg.

Ein Esel nennt den anderen nicht Langohr, wohl
aber Schafskopf.

J. Münz

*

Die Kunst ist das Positivum zum Negativuni der
Wirklichkeit.

Die Kunst ist nichts anderes als ein Aufbäumen
der Seele gegen den Tod.

W. v. Scholz

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ADOLF MAENNCHEN TODESSTUNDE

(Münchener Glaspalast 1901 - Das Original-Gemälde Eigentum des Preussischen Staates)

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