Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 24.1926

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JAN SANDERS, GEN. HEMESSEN,
CHRISTUS UND DIE EHEBRECHERIN
88 : 79 cm. — 28000 frcs.

MEISTER VON FLEMALLE,
MADONNA MIT MUSIZIERENDEN ENGELN
55 : 43 cm. — 70000 frcs.

KAREL FABRITIUS (?),
SCHLAFENDER JÜNGLING
62 : 61 cm. — 25000 frcs.

■ UKTIONSNACHRICHTEN

KUNSTHANDEL IN LUZERN
Luzern ist nach Kriegs- und In-
flationsjahren, die dem Lande der
guten Franken allenthalben Nie-
derlassungen ausländischer Firmen zuführten, eine Art
Außenposten des internationalen Kunsthandels geblieben.
Man bekommt in manchen Zweiggeschäften deutscher Na-
tionalität hier mehr erstklassige Ware zu sehen als in den
Münchner Stammhäusern, und seit kurzem ist Luzern
wieder um eine Kunsthandlung reicher, die einer der
meistgenannten internationalen Sammler selbst begründet
hat. Der Schritt vom Sammler zum Händler war niemals
Weit, es gibt alle Schattierungen des Übergangs von einem zum
änderen. Daß aber auch diese neueste Geschäftsgründung
Slch in Luzern vollzog, beweist, daß die Absatzmöglichkeiten
arn Ufer des Vierwaldstäiter Sees in dieser flauen Zeit von
»Uten Kennern des Marktes noch vergleichsweise günstig
beurteilt werden. Über die Auktion Coray-Stoop, die
ln manchem dieses Urteil bestätigt, berichten wir im folgen-
den ausführlich. D. Red.

Versteigerung
Luzern, 29. Juli i<

der Sammlung Coray-Stoop,
925 (durch Theodor Fischer, Luzern
Und A. Mak^ Amsterdam).

In dieser, in letzter Zeit vielgenannten Sammlung, auf
eren Versteigerung durch einen reich mit Abbildungen
nstnerten Katalog vorbereitet war, dominierten die Meister
zweiten und dritten Ranges durchaus. Nur wenige Bilder
ervorragender Qualität waren heftig umstritten, trotzdem

der

internationale Kunsthandel zur Stelle war. Wenn Bilder

der Anmerkung der Redaktion: Die Abbildungen geben Werke
er Sammlung Coray-Stoop. Die Preise sind in Schweizer Franken

»"gegeben.

dem Berghem erst „zugeschrieben" werden müssen, ohne
daß man weiß von wem, wenn unter den primitiven Nieder-
ländern sehr viele alte Wiederholungen oder Repliken sich
befinden oder Gemälde „nach Memling", „nach Mabuse";
wenn bei einem mäßigen Damenbildnis Nicolas Largilliere
als Autor genannt wird, den man aus Meisterwerken in der
Bremer Kunsthalle und durch die Ausstellung aus Ham-
burger Privatbesitz kennt, und zwar ohne weitere Beglaubi-
gung; wenn ein Pieter Codde auch ein Duck sein kann
und ein Damenbildnis von Terborch, das wie Netscher aus-
sieht, zu diesem Namen kein Attest, etwa von Hofstede,
mit auf den Weg bekommen hat, dann haben es die Bil-
der bedeutenden Ranges nicht sehr schwer, sich aus der
Masse des Mittelgutes herauszuheben.

Dabei braucht man nicht einmal gleich an das teuerste
Bild der Auktion, an die „Madonna mit zwei musizierenden
Engeln" des Meisters von Flemalle zu denken, die 70000
Schweizer Franken brachte und als eine der vielen Repliken
des bis soweit nicht nachweisbaren, nach Friedlaender um
1428 entstandenen Originals auch wohl wert ist. Das Bild
war früher in der Sammlung Auersperg in Graz und darf
in dem von Friedlaender in seinem Buche „Rogier von der
Weyden und der Meister von Flemalle" (Paul Cassierer, Berlin,
S. 114—116) aufgeführten, den tatsächlichen Kopienbestand
aber durchaus noch nicht erschöpfenden Dutzend von Rep-
liken als eines der besseren Exemplare angesehen werden;
wenn es auch dem Urbilde in künstlerischer Hinsicht nicht
so nahekommt, wie das früher im Germanischen Museum
befindliche Stück, das im Tausch von dort abgegeben wurde
und dann auch im Luzerner Kunsthandel war. (Nicht ver-
wechseln I)

Das bedeutendste Gemälde der Sammlung war unzweifel-
haft das Herrenbildnis von Jan Scorel, das vor einigen
Jahren bei Julius Boehler in München hing, 55 cm hoch und

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