Zeitschrift für christliche Kunst — 4.1891

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Abhandlungen.

Die neue katholische Pfarrkirche zu
Homburg vor der Höhe.

Mit 5 Abbildungen.

ls vor mehr denn zwanzig Jahren
Herr Pfarrer Menzel nach Homburg
kam, fand derselbe schon Pläne für
eine neu zu erbauende Pfarrkirche
vor und übernahm mit Eifer, unterstützt vom
Kirchenbau -Verein, die Beschaffung der zum
Bau nöthigen Mittel.

Die vorgefundenen sowie mehrere im Laufe
der Zeit bestellten Pläne und Skizzen gefielen
theils dem Kirchenbau -Verein nicht, theils wur-
den dieselben von dem Ordinariate zu Limburg
oder von der König]. Regierung zu Wiesbaden
nicht genehmigt und somit die Ausführung der
dringend nothwendigen Kirche hinausgeschoben.
Gegen Ende des Jahres 1888 fand eine
engere Konkurrenz unter vier auf dem Gebiete
des Kirchenbaues thätigen Architekten statt, bei
welcher der hier dargestellte Entwurf ausgewählt
wurde. Die Ausführung desselben wird in die-
sem Jahre beginnen und hoffe ich, den fertigen
Bau im Frühjahr 1893 der Gemeinde übergeben
zu können.

Die Anforderungen des Kirchenvorstandes
beim Ausschreiben der Konkurrenz betrafen die
Bausumme und den Fassungsraum der Kirche,
im Uebrigen waren die Wünsche der einzelnen
Mitglieder des Kirchenvorstandes betreffs Stel-
lung des Thurmes und anderer Einzelheiten ver-
schieden, und wurde deshalb den konkurriren-
den Architekten die Wahl des Baustils, Stellung
des Thurmes, Wahl der Baumaterialien etc. an-
heimgegeben.

Es wäre sehr zu wünschen, dafs bei Kon-
kurrenz-Ausschreibungen, welche jetzt häufiger
zur Beschaffung von Kirchenbau-Plänen einge-
leitet werden, streng die Anforderungen, welche
an den Bau gestellt werden, von den Wünschen
behufs Gestaltung des Entwurfes oder einzelner
Theile desselben geschieden würden.

Die in einem Bauprogramm ausgesproche-
nen Wünsche wird der Architekt stets befolgen
können, wenn nicht Gründe besonderer Art ihn
zwingen, von der Erfüllung dieser Wünsche im

Interesse einer besseren Gestaltung des Bau-
werkes Abstand zu nehmen.

Finden jedoch die Wünsche der Herren
Pfarrer oder sonst einflufsreicher Personen ihren
Platz unter den Anforderungen des Baupro-
gramms, ein Umstand, dem man leider in fast
allen Konkurrenzprogrammen begegnet, so hin-
dern diese Programmforderungen den Archi-
tekten häufig, das seiner Ansicht nach' Richtige
zu wählen und in seinem Entwurf zum Ausdruck
zu bringen. Bestimmungen dieser Art zwingen
den Architekten mitunter sogar gegen seine
bessere Ueberzeugung zu arbeiten. Dafs unter
dem Drucke solcher Programmbedingungen
alsdann ein erspriefsliches Schaffen nicht statt-
finden kann, ist selbstverständlich, und werden
die Entwürfe, welche unter solchem Zwang ent-
stehen, stets an Eigenart der Konzeption Ein-
bufse erleiden.

.Kann der Architekt jedoch bei Feststellung
seines Entwurfes -frei von beschränkenden Pro-
grammbestimmungen arbeiten, so darf er weder
seiner Phantasie noch seiner Neigung freien Lauf
lassen, vielmehr tritt alsdann die schwierige Auf-
gabe an ihn heran, alle die Punkte ausfindig zu
machen, welche für die Gestaltung des Entwurfes
von Einflufs sind oder werden können.

Der Architekt mufs sich somit sein Pro-
gramm selbst vorschreiben und sich selbst die
Bedingungen aufstellen, welche er zu erfüllen
hat, um einen allseitig befriedigenden Entwurf
zu fertigen. Wenngleich ihm hierdurch gröfsere
Schwierigkeiten erwachsen, als wenn —■ wie
dies leider gar häufig geschieht — schablonen-
mäfsig gearbeitet wird und die in X ausgeführte
Kirche mit kleinen Aenderungen in Länge oder
Breite etc. für Y zur wiederholten Ausführung
empfohlen wird, so entschädigt ihn die Freude
an dem Gelingen selbst vorgezeichneter Ziele
reichlich für die gröfsere Mühe bei Konzeption
des Entwurfes; auch wird er dann in der Lage
sein, die Einzeldispositionen seines Entwurfes den
Auftraggebern gegenüber begründen zu können.
Die oft einander entgegengesetzten Meinungen
unter den Mitgliedern des Auftrag ertheilenden
Vereins wird er dadurch vereinigen können, dafs
er darzustellen vermag, wie diese und jene Rück-
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