Zeitschrift für christliche Kunst — 4.1891

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1891. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 8.

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Nachrichten.

f Valentin Thalhofer,

Päpstlicher Hausprälat, Dompropst zu Eichstätt, Pro-
fessor am dortigen bischöflichen Lyceum, ist in seinem
Geburtsorte Unterroih am 17. September 1891 im Alter
von 66 Jahren gestorben, betrauert von seinen überaus
zahlreichen Schülern, wie von Allen, die den ungemein
edlen Mann, den hervorragenden Gelehrten, den frucht-
baren theologischen Schriftsteller gekannt haben, be-
sonders betrauert auch von dem Vorstande dieser Zeit-
schrift, dem er zu hoher Zierde gereichte. Sein Haupt-
werk ist das »Handbuch der katholischen Lilurgik«,
welches in dieser Zeitschrift wiederholt rühmend hervor-
gehoben worden ist, weil in ihm auch die kirchliche
Kunst die ihrer Bedeutung in der Liturgie entsprechende,
sehr eingehende und instruktive Behandlung erfahren
hat. Dem durch langjährige Studien und Beobachtungen
mit dem Wesen und der Geschichte der christlichen
Kunst aufsergewöhnlich vertrauten Lehrer war es tief-
empfundenes Bedürfnifs, von seiner Begeisterung und
seinem Verständnifs für dieselbe mitzutheilen wie in
seinen Büchern und in seinen Vorlesungen, soweit es

deren Rahmen nur irgend gestattete, so noch vielmehr
im anregendsten persönlichen Verkehre mit den Kandi-
daten des Priesterthums und so oft die Gelegenheit es
gestattete, mit den Vertretern desselben, welche gegen
den alten Lehrer die innigste Verehrung bewahrten.
Die Saat, die er auf diesem Wege ausgestreut hat, wird
in ihrer Fruchtbarkeit und in ihrem Segen noch lange
fortdauern. Leider ist es ihm nicht vergönnt gewesen,
die Vollendung seines herrlichen Buches zu erleben,
die aber, zuverlässigen Nachrichten gemäfs, schon in
Bälde erfolgen wird, da die »Liturgie des kirchlichen
Stundengebetes« bereits druckfertig, die Schlufsabthei-
lung des ganzen Werkes, welche die Sakramente, Sakra-
mentalien und das Kirchenjahr behandeln wird, weit
genug gediehen ist, den harmonischen Abschlufs des
Ganzen zu sichern. Die Sorge für dieses Werk und
die zunehmende körperliche Schwäche haben es dem
so bereitwilligen Manne leider nicht ermöglicht, diese
Zeitschrift um die wichtige Abhandlung über das Ver-
hältnifs von Liturgie und Kunst zu bereichern, welche
er dem Herausgeber derselben vor Jahresfrist in Aus- .
sieht zu stellen die Güte halte. s.

Bücherschau.

Die Kunst in den Athos-Klöstern. Von Dr. phil.
Heinrich Brockhaus, Privatdocent der Kunst-
geschichte an der Universität in Leipzig. XI und
305 S. gr. 8». Mit 19 Text -Abbildungen, 1 Karte,
7 Lithographien und 23 Lichtdruck-Tafeln. Leipzig
1891, Brockhaus. Preis Mk. 20.
Seit Didron in seinen »Annalen« und durch Heraus-
gabe des «Malerbuches« (1845 ff.) den ,,hei). Berg"
Athos in die Kunstgeschichte eingeführt hat, .ist das
Interesse an seinen Kirchen und Malereien rege ge-
blieben. 6 bis 7000 Mönche wohnen auf jener bergigen
Halbinsel, die zwischen Saloniki und den Dardanellen
in das Aegäische Meer hineinragt. Ihr Gebiet enthält auf
einem Räume von etwa 40 km Länge bei über 10 km
Breite zwanzig in der Zeit von 963 bis 1542 gegrün-
dete Klöster, viele mönchische Ansiedelungen (Skiten)
und einzelnstehende Häuser (Kellien). Den Frauen ist
das Betreten des Landes untersagt, und so sieht man
dort aufser einigen in dem Hauptorte Karyäs wohnen-
den Kaufleuten nur Mönche. Brockhaus behandelt,
nachdem er die nöthigen Erörterungen gegeben, die
Klöster des Athos nur in ihrer Bedeutung für die
Kunstgeschichte. Er schildert zuerst den Bau und
die kunstgewerbliche Ausstattung der Klöster und der
im Innern ihres Quadrums liegenden Kirchen, dann
die bemalten Wände und Tafeln dieser Kirchen,
ihrer Brunnenhäuser und der Speisesäle, sowie das
»Malerbuch vom Berge Athos«, worin angegeben ist,
wie alle jene Malereien herzustellen und anzuordnen
seien. Sehr dankenswerth sind die Auseinandersetz-
ungen über Ausgaben und Inhalt dieses vielgenannten
Buches. Es ist nach 1500, aber vor 1630 entstanden,

enthält keinen altern Kern, hatte nie gesetzliche Geltung,
sondern ist nur eine auf eigene Verantwortlichkeit hin
unternommene „Anleitung und Lehre", ein „literarisches
Vermächtnifs eines im weiten Bereiche seiner Kunst
wohlunterrichteten Künstlers". Da die erwähnten Fres-
ken und Tafeln nicht über das XIV. Jahrh. hinauf-
reichen, zeigt der dritte Abschnitt, wie die Miniatur-
malerei sich seit dem X. Jahrh. in den Athosklöstern
entwickelte und die Wand- oder Tafelmalerei vorberei-
tete und begleitete. Der vierte Abschnitt ist der zwi-
schen morgenländischen und abendländischen Einflüssen
schwankenden Kunst der neuem Zeit gewidmet.
Ein Anhang bietet werthvolle chronologischeUeber-
sichtstabellen. Das treffliche Buch ist als werth-
voller Beitrag zur Geschichte der byzantinischen Kunst
mit Freude zu begrüfsen. Mit Recht betont der Verf.,
dafs jene Kunst sich in Freiheit entwickelte und dafs
die ihr angedichtete Verknöcherung und Starrheit in
der Wirklichkeit nicht zu finden ist. Sie schlofs sich
freilich aufs Engste an die Liturgie an und erhielt durch
deren festen Gehalt inhaltlich einen Krystallisationskern.
Da die Kunst der Athosklöster hauptsächlich für die
Kirche bestimmt war, ergab sich ein inniger Zusammen-
hang zwischen dem Bau, der Ausstattung und Aus-
schmückung der Gotteshäuser einerseits und dem in
ihnen sich vollziehenden Gottesdienst andererseits, somit
eine künstlerische Einheit, welche den Eingeweihten
fesselt und auf's höchste befriedigt. Für die Einzel-
heiten der ikonographischen Auseinandersetzungen mufs
auf das Buch verwiesen werden. Bei Ausmalung einer
romanischen Kirche wird es vortreffliche« Stoff und viele
nutzbringenden Vorbilder bieten. Beifsel.
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