Zeitschrift für christliche Kunst — 4.1891

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1891.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST.

Nr. 3.

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Stimmung mit den beiden vorgenannten Arbeiten,
bis in die eigenthümliche Bildung der Augen,
der Falten, Haare u. s. w., ist auch für diesen
Elfenbeinkasten die fast gleichzeitige Entstehung
in derselben Schule und womöglich in der
gleichen Werkstatt kaum zu bezweifeln.

Bildwerke, welche diesen — wenn auch
nicht so nahe —• verwandt sind, liefsen sich
noch verschiedene aufführen; ich nenne die
grofse Tafel eines Diptychons mit Darstellungen
aus der Jugend Christi im British Museum, so-
wie die einzelne Tafel mit einem Engel im
Museum zu Darmstadt; letztere von besonderem
Interesse, weil das byzantinische Original dafür
in einer der Tafeln des Triptychons aus Kloster
Lorch (jetzt in der Bibliothek des Vatikans)

noch erhalten ist. Alle diese Elfenbein-Bild-
werke stammen, soweit ihre Herkunft sicher
ist,2) vom Mittelrhein oder von der Mosel. Ob
die Bildnerschule, welche hier um die Wende
des ersten Jahrtausends in unmittelbarem An-
schlufs an byzantinische Vorbilder arbeitete, der
„Kunst des Moselgebietes" angehört, wie Ch.
de Linas behauptet, der diese besondere Schule
aufgestellt hat: dies läfst sich erst entscheiden,
wenn ein gröfseres Material und bessere Nach-
richten über die Herkunft der einzelnen Bild-
werke vorliegen werden. - w. Bode.

2) Die Beziehungen der Königin Elisabelh machen
auch die Herkunft des Berliner Kästchens vom Rhein
wahrscheinlich.

Miscellen zur mittelalterlichen Kunstarchäologie.

(Fortsetzung von

IV.

Verona. Maffei hat in seiner »Verona
illustrata« (Ver. 1732, III 58, al. IV 93) von
einer Höhlenkirche Mittheilung gemacht, welche
bei S. Nazaro e Celso gelegen, ebenfalls diesen
Titel trägt »incavata tutta nella gialliccia«. In-
dem ich für die Details auf seine Beschreibung
verweise, ergänze ich dieselbe durch nach-
stehende Notizen, welche bei einem Besuche
der Lokalität — ich glaube 1877 — entstanden.
Die Kirche, oder vielmehr die Kapelle, besteht
aus zwei Räumen, welche mit Estrich bezw.
einer Art Mosaik belegt sind; die eine der Kam-
mern ist sehr ruinirt und ihre Malereien gänzlich
zerstört. Die kleine Vorkammer zur Rechten
ist mit Medaillons bemalt, welche Heilige und
Engel vorstellen, die Hauptkammer hat ein
Arcosolium, in dessen Wölbung oben die Hand
Gottes erkennbar ist. An der Hauptwand sieht
man die Taufe Christi, rechts und links je zwei
fast ganz zerstörte Heiligenbilder. An der Decke
der Kapelle grofse Maiestas Domini mit der
der Beischrift EGO SVM LVX MVNDI etc.
auf dem Buche. An der einen Wand kleine
Nische mit dem Erzengel Michael (Inschrift:
SCS MIÜCHAHEL), rechts der hl. Nazarius
(Inschrift: SCS NA 1| ZA ÜRIUS), links Celsus
(Inschrift: SCS CELSVS), oben eine Madonna
mit Heiligen rechts und links. An einer dritten
Wand bezw. Wölbung zwei sitzende Heilige und

Bd. I, Sp. 77/78.)

ein Deckenbild mit SCA IVLIA. Zu dem Vor-
raum führt eine grofse in den Felsen gehauene
Treppe und eine doppelte Thüre. Der Raum
ist jetzt profanirt und gehört einer Gesellschaft.
Die Malereien haben den düstern Charakter der
byzantinischen Kunst, sie könnten an und für
sich betrachtet dem VI. bis VII. Jahrh. ange-
hören, doch lassen mich die Inschriften auf
eine etwas spätere Zeit, vielleicht VIII. bis X.
Jahrh., schliefsen. Der Höhlenraum aber mag
einer viel altern Epoche seine Entstehung ver-
danken, das Vorhandensein eines Arcosoliums
ist jedenfalls ein Argument zu Gunsten der
ersten Jahrhunderte, und ich halte es hier so
wenig wie in dem merkwürdigen s. Z. sowohl
von de Rossi wie von mir besprochenen Salz-
burger Oratorium für möglich, dafs die Anlage
in das Zeitalter der Verfolgungen hinaufreicht.

V.
Mailand. Im Chorumgang des Domes
befindet sich das sogen. Chrisma des hl. Am-
brosius:

CIRCVLVS HIC SVMMVSCONTINET NO-
MINA REGIS || QVEM SINE PRINCIPIO ET
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