Zeitschrift für christliche Kunst — 4.1891

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1891.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 12.

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könnte. Aber ich erinnere mich
einer Handzeichnung des Lud-
wig Krug im Münchener Ka-
binet, welche meiner Annahme
wenigstens nicht widerspricht.
Ist aber Ludwig Krug der
Zeichner des Aschaffenburger
Buches, so ist er meiner An-
sicht nach auch der Verfertiger
des becherförmigen Reliquiars
(Fig. 2), welches seine Initialen
trägt. Die graphische Wieder-
gabe der von ihm selbst gefer-
tigten Goldschmiedearbeit mag
der verführerische, doppelte,
Anlafs gewesen sein, seine Mei-
sterbezeichnung hinzuzufügen.
Bei dem empfindlichen Man-
gel an authentischen Nachrich-
ten über die Arbeiten der Nürn-
berger Goldschmiede im Be-
ginne des XVI. Jahrh. ergreife
ich mit Vergnügen das schwache
Rohr dieser Hypothese, um aus
dem urkundlichenGoldschmied
Ludwig Krug bis zu besserer
Belehrung einen Meister mit be-
kannten künstlerischen Quali-
täten zu machen. Aufser dem
besprochenen Stücke möchte
ich ihm jetzt noch zwei andere
zuschreiben, von welchen sich
das eine in Fürstlich Lobko-

Fig. 4. Pokal-im Nationalmuseum
Budapest (Ludwig Krug?).

witz'schem Besitze (Ausstellung
Wien 1889, Nr. 465), das andere
im Nationalmuseum zu Buda-
pest befindet. Von dem erste-
ren vermag ich leider keine Ab-
bildung beizubringen, obgleich
es eine ganz köstliche Arbeit
ist, namentlich in der weib-
lichen Figur, welche, wie an
dem Stücke im Aschaffenburger
Kodex, Fufs und Griff mit-
einander verbindet, uns den
eigenthümlichen geschlossenen
Charakter der damaligen Nürn-
berger Plastik offenbart. Das
andere reproduzieren wir in
Fig. 4 nach der Heliogravüre
der Publikation über die Buda-
pester Ausstellung von 1884.
Obgleich hier die vermittelnde
Figur fehlt, ist doch die Ver-
wandtschaft mit dem Aschaffen-
burger Blatt unverkennbar. Das
Laubwerk am Fufse, der urn-
gebogene Baumstamm, welcher
hier statt der Initialen die
Trockensprünge zeigt, ferner
die Buckelreihe, die einge-
fafsten Reliefs, alles das verräth
eine Uebereinstimmung, welche
mehr als ein gemeinschaftlicher
Schulcharakter zu sein scheint.

Karlsruhe. Marc Rosenberg.

Aachener Goldschmiede.

jiesseits der Alpen ist kein Kirchen-
schatz reicher an kostbaren Metall-
arbeiten als derjenige der Aachener
Marienkirche, der alten von Karl
dem Grofsen begründeten Pfalzkapelle. Welchen
Meistern jene Kunstwerke ihre Entstehung ver-
danken, ist fast in allen Fällen unbekannt. Ein-
zelne Kunstforscher haben zwar das eine oder
das andere Werk bestimmten Meistern zuge-
schrieben, ihre Aufstellungen sind dann aber
von andern wiederum bestritten worden.

Es läfst sich nun aber nachweisen, dafs Me-
tallarbeiter und Goldschmiede durch das ganze
Mittelalter in Aachen gearbeitet haben. Ver-
suchen wir die Beweisstellen zu vereinen und

mittelst derselben zu zeigen, dafs es sehr wahr-
scheinlich ist, manches Werthstück der Münster-
kirche sei in der Stadt Aachen selbst entstanden.
Unter den jüngst von Marc Rosenberg
bei Keller zu Frankfurt a. M. veröffentlichten
»Goldschmiede-Merkzeichen« finden sich S. 3 f.
„Beschauzeichen der Stadt Aachen". Sie gehören
dem XV und XVI. Jahrh. an und enthalten
einen Adler in einem länglichen, unten abge-
rundeten oder einem kreisförmigen Schilde. Prof.
Loersch hat nun aber jüngst in der »Zeitschr.
des Aachener Geschichtsvereins« XII., S. 243
nachgewiesen, dafs jenes zweite Zeichen mit kreis-
förmigem Schilde und der Jahreszahl 1581 kein
Aachener sein könne. In der erstem Schildes-
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