Zeitschrift für christliche Kunst — 4.1891

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1891. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 5.

Hiß

lieh wie im Kölner Dom) genügend stark her-
stellt und am Lichtgaden den Wänden, wenn
eben möglich, nicht etwa nur je einen einfachen
Dienst vorlegt. Denn letzteres würde, namentlich
wenn bei sehr grofsen Fenstern nur geringe
Theile der Wände übrig geblieben wären, den
Eindruck zu grofser Schwäche hervorrufen und
unser ästhetisches Gefühl nicht befriedigen.

In der Gothik tritt uns zwar das Bestreben
entgegen, möglichst leicht und zierlich zu kon-
struiren und an Stelle der in der romanischen
Kunst herrschenden Ruhe die lebendig wirkende
Kraft zu setzen, ein Bestreben, welches in der
Spätgothik in vieler Hinsicht übertrieben wor-
den ist. Doch hat man in angedeuteter und

auch in anderer Weise, wo dies aus Schönheits-
gründen erforderlich war, mannigfache Aus-
nahmen sich gestattet. Es sei nur an die Quer-
rippen erinnert, welche, obwohl sie in konstruk-
tiver Hinsicht eine geringere Stärke erlauben als
die Diagonalrippen, doch der äufsern Wirkung
wegen vielfach in kräftigeren Verhältnissen aus-
geführt worden sind als die letzteren. Die Spät-
gothik ist zwar in dieser Hinsicht folgerichtiger,
aber trotzdem aus vielen (vielleicht bei späterer
Gelegenheit zu erläuternden) Gründen nicht nach-
ahmenswerther als die Gothik des XIII. und XIV.
Jahrh, einer Zeit, welche uns wohl die schönsten
Vorbilder für neuzeitliche, sowohl reiche als ein-
fache Kirchen geliefert hat. G. Humann.

Nachrichten und Bücherschau.

f Hermann Kotthoff,

Professor an der philosophisch - theologischen Lehr-
anstalt zu Paderborn, ist daselbst am 9. Juli 1891 im
Alter von 50 Jahren gestorben. — Mit ausgedehntem
Wissen verband er grofse Liebenswürdigkeit und wirkte
durch beide höchst anregend, sowohl in dem engeren
Kreise seiner eigentlichen Berufsthäligkeit, als in dem
weiteren Bereiche seiner zahlreichen Beziehungen. —
Im letzten Jahrzehnt widmete er sich mit besonderer
Vorliebe kunstarchäologischen Studien, welche manchen
Beitrag zur Kunstgeschichte seiner Diöcese erwarten
liefsen. Von Anfang an hat die „Vereinigung zur För-
derung der Zeitschrift für christliche Kunst" ihn zu
ihren eifrigsten Mitgliedern gezählt, und der Vorstand
derselben verliert in ihm einen Genossen, auf dessen
verständigen Rath und thatkräfligen Beistand grofser
Werth gelegt wurde. S.

Die Geschichte der Renaissance in Italien,
von Jacob Burckhardt, liegt in der dritten, vor-
nehmlich von Holtzingef besorgten Auflage (auf welche
hier — Bd. III Sp. 232 — bereits hingewiesen wurde)
nunmehr vollendet vor. Das klassische Buch, welches
zur Verbreitung und Vertiefung der Bekanntschaft mit
den italienischen Renaissance-Denkmälern wohl mehr
als irgend ein anderes beigetragen, hat in Bezug auf
die Form an Handlichkeit und Schönheit, in Bezug
auf den Text und die Illustrationen an Reichhaltigkeit
und Zuverlässigkeit noch erheblich gewonnen. Dem
Kapitel über „Die Formenbehandlung des XVI. Jahrh."
ist der wichtige Paragraph über „Die Verhältnisse"
durch den Abdruck der vortrefflichen Darlegung von
Thiersch in dem »Handbuch der Architektur« von
Durm beigefügt worden. Ohne Zweifel wird die neue
Auflage das neue Vademecum werden für Alle, welche
in Italien die Renaissance gründlich kennen lernen
wollen.

Die heilige Schrift des alten und neuen Testa-
mentes. Aus der Vulgata übersetzt von Dr. J. F.
v. Allioli. Illustrirte Volksausgabe. Berlin,
Verlag von Friedrich Pfeilstücker.
Diese neue illustrirte Ausgabe der hei-
ligen Schrift, welche die Approbation des hochw.
Herrn Fürstbischofs von Breslau für sich hat, soll in
45 Heften a 50 Pf. erscheinen und in längstens zwei
Jahren vollendet sein. Jedem Hefte soll ein Vollbild
in Farbendruck beigegeben werden und aufserdem das
Ganze über 1000 Textillustrationen enthalten. Bis
jetzt liegen 6 Hefte vor, deren Format (ICleinfolio) ein
recht gefälliges, deren Druck ein sehr klarer, deren Aus-
stattung eine würdige ist. Von den Lichtdruck- (nicht
Farbendruck-) Tafeln, die zumeist Gemälden berühmter
Meister (leider nicht den Originalen) nachgebildet sind,
lassen einige in Bezug auf die Ausführung zu wünschen
übrig. Die Textillustrationen sind von ungleicher Güte,
aber im Ganzen gelungen. Sie bestehen in Abbildungen
von Gegenständen, Orten, Pflanzen, Thieren, Denkmä-
lern u. s. w., welche eine gewisse, stellenweise etwas
entfernte Beziehung zum biblischen Berichte haben
und zu dessen Erklärung durch Herbeischaffung von
allerlei kulturhistorischem Material mannigfache lehr-
reiche und interessante Beiträge liefern. Da in deren
Auswahl sich Verständnifs und Takt zeigt, so darf den
Abbildungen der weiteren Hefte mit Vertrauen ent-
gegengesehen werden. G.

Die Katakomben - Gemälde und ihre alten

Kopien. Eine ikonographische Studie von Joseph

Wilpert. Mit 28 Tafeln in Lichtdruck. Freiburg

1891, Herder's Verlag.

Diese vortreffliche Studie beschäftigt sich mit den

von 1578 an zuerst durch den Dominikaner Fra Alfonso

Ciacconio, dann durch denFlamänder Philipp de Winghe

veranstalteten Abbildungen von Katakomben-Gemälden.

Beide benutzte trotz ihrer Unzuverläfsigkeit Bosio in

seinem berühmten, bis heute in Geltung gebliebenen
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