Zeitschrift für christliche Kunst — 4.1891

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1891.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 7.

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Chiliandari (Madonna mit Kind), Laura (hl. Jo-
hannes in einer Einrahmung mit aus Emaillen
zusammengesetzten Medaillons, angeblich Ge-
schenk des Kaisers Nikephoros Phokas) aufge-
führt.3) Andere werden von Julien Durand4)
und C. Bayet verzeichnet.5) Unter den von
Letzteren genannten befinden sich aufser zwei
Tafeln der ehemaligen ßasilewski'schen Samm-
lung6) mit Samuel nnd dem hl. Theodorus und
einer Tafel des Museo cristiano im Vatikan,
ebenfalls mit S. Theodorus, zwei Tafeln mit der
Transfiguration und der Verkündigung, von wel-
chen erstere dem Louvre, letztere einer nicht
genannten Privatsammlung angehört. Diese bei-
den Darstellungen, von denen Bayet (Fig. 46
u. 44) eine 'Abbildung bringt, stimmen in Typen
und Details so völlig mit den betr. Szenen un-
serer Florentiner Platten überein, dafs unbedingt
an den gemeinsamen Ursprung beider gedacht
werden mufs. Bayet ist der Ansicht, die Her-
stellung so kleiner, der Miniaturmalerei offen-
bar nachgebildeter musivischer Gemälde sei
eigentlich ein Abfall von dem Prinzip der Mo-

3) Odobesco in Didron's »Annales archeol.«
1870, XXVII p. 262 f.

4) Julien Durand »Le Tresor de S.Marc« p.48.

5) C. Bayet »L'Art byzantin« p. 150.

6) Collection Basilewski, Katalog p. 25.

saikmalerei — c'etait ddroger aux principes
de la mosaique que de la plier ä ces menus
travaux oü eile perdait son veriiable caractere.
Gleichwohl mufs zugegeben werden, dafs auch
mit dieser Kunsttechnik ein hoher Erfolg er-
zielt wurde. Was insbesondere die beiden Bil-
der der Florentiner Opera del Duomo anlangt,
so dürfte die Behauptung kaum zu gewagt er-
scheinen, dafs sich in ihnen die Leistungs-
fähigkeit der byzantinischen Kunst auf ihrer
vollen Höhe zeigt, und dafs diese Leistung
eine ganz andere Vorstellung von dieser Kunst
bedingt, "als sie bisher, ich will sagen bis zu
Kondakoff's bahnbrechenden Forschungen,
bei unseren Kunsthistorikern vertreten war. Die
Florentiner Tafeln stellen eine höchst merk-
würdige Bestätigung der Kondakoff'schen Be-
hauptungen über den Werth und Charakter der
byzantinischen Malerei dar; das allein dürfte
ihre Publikation rechtfertigen. Sie chronolo-
gisch einzuordnen, dürfte in diesem Augenblick
noch kaum möglich sein. Ich glaube, dafs
man den Fortgang der Kondakoff'schen Publi-
kation abwarten mufs, ehe in dieser Hinsicht
ein abschliessendes Ergebnifs gewonnen und
ein völlig gesichertes Urtheil ausgesprochen
werden kann.

Freiburg i. Br. Dr. F. X. Kraus.

Die bildliche Darstellung der Verkündigung Maria.

(Schlufs.)

ährend der ersten Hälfte des Mittel-
alters hat man jenseits der Alpen
sowohl Maria als den Engel fast
Lü regelmäfsig stehend abgebildet. So
treten beide uns in fast allen altern Minia-
turen Deutschlands und Frankreichs, in zahlrei-
chen Bildwerken, Gemälden, getriebenen Platten
und Emails entgegen. Maria Verkündigung galt
in vielen Gegenden als Anfang des Jahres, ward
von den Theologen als Anfang der neuen Heils-
ordnung, als Zeitpunkt der Menschwerdung ge-
feiert. Weil die Verkündigung den Wendepunkt
zwischen dem Alten und dem Neuen Bunde,
den Eintritt der neuen Heilsordnung bezeich-
nete, deshalb ward sie an Portalen, Chorein-
gängen und Chorbogen so gerne angebracht. Sie
eröffnete den alten Cyklus der Jugendgeschichte
des Herrn. Wo Künstler die drei Cyklen der

Jugend, des Leidens und der Verherrlichung
Christi kurz zusammenfassen wollten, da galt die
Verkündigung für den ersten, wie Kreuzigung
und Auferstehung für die folgenden eintraten.
Ja in vielen Bischofsstäben, besonders solchen
des XIII. und XIV. Jahrb., auf Glocken, auf den
Aufsenseiten von Flügelbildern und Tabernakel-
thüren tritt das Bild der Verkündigung auf als
Zusammenfassung der Heilsbotschaft, als Kenn-
zeichen der Gnadenordnung, als Kern des Credo,
in dem kein Satz mehr hervorgehoben wird als
der auf die Verkündigung bezügliche: „Et in-
carnatus est de Spiritu sancto ex Maria Vir-
gine et homo factus est."

Auf jenen frühen Bildern drückt die Hand-
bewegung der dem Engel gegenüberstehenden
Jungfrau bald einfach die Rede, bald eine Frage
oder eine Zusage aus. Oft hält Maria in der


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