Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

Seite: 171
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-*-S£> DER AESTHETISCHE GENUSS AM BAUWERK

innere Gliederung weit mehr verhüllt als PERSONAL- UND

kenntlich macht. Schliesslich läuft die Epoche ATELIER-NACHRICHTEN

in eine Rekapitulationsperiode aus, in der

man, und zwar mit vollem Bewusstsein, der = LE-IPZ'G- In H. 4 d. 1. j. wurde von der Voll-
_ .,' , „ .. ... „ . 7 , endune des jModells für das auf dem Marktplatz in
Reihe nach fast alle alteren Bauweisen wieder- Zwidtau zu errichtende Robert Schumann-Denkmal
holt. In dieser aber bahnt sich auch das berichtet. Wir lassen untenstehend eine Abbildung
Neue an. Denn dieses mit wachsendem Ver- des in doppelter Lebensgrösse ausgeführten Bild-
ständnis betriebene Studium aller früheren ™erks fo>Ben. mit welchem dessen Schöpfer, der
_ , t-, i ■• , j /-> hiesige Bildhauer ohannes Hartmans, wie wir
Stilarten hat unseren Baukunstlern der Gegen- überzeugt sind, einen vollen Erfolg in der grösseren
wart eine technische Fertigkeit eingebracht, Öffentlichkeit erringen wird. Das Denkmal wird
die sie jeder Schwierigkeit gewachsen er- jetzt bei Pirner & Franz in Dresden in Bronze ge-
schehen lässt, wofern sie nur in der Erkennt- gössen, der Sockel [ wird in grauem italienischem
, , .,„.„..., „ . Granit ausgeführt. Ueber den Schöpfer des Denk-
nis verharren, dass ihre freie, freilich zur Zeit mals sei bei dieser Gelegenheit mitgeteilt, dass er

durch überlieferte Raumvorstellungen noch am 6. Dezember 1869 in Leipzig geboren wurde,
gedrückte Phantasie es ist, die sie in Einver- von 1885—1888 die Dresdner Akademie und so-

nehmen zu setzen haben mit den modernen dann "vei J»hre d.a?.Atelier_|J- ■Hähneis daselbst
_ , ,v, .. , , „ „ besuchte. Von früheren, öffentlich ausgeführten

Zwecken. Weil solche eigene Raumempfin- Arbeiten des seit dem Jahre 1891 hier ansässigen
dung die Gabe des Künstlers ist, deshalb Künstlers sind zu nennen zwei Karyatiden am
kann ihm darin auch kein Laie raten oder Portal der Universität, ein Brunnen »Nixe mit See-
Anregung geben wollen. Um SO wertvoller hund« in Geislingen ein grosses Bronzerelief .König
, ■ Johann« im Hofe des Paulinum zu Leipzig und

aber können die Anregungen eines selbst schiiessiich ein Kreuzigungs-Relief an der Friedhofs-
schaffenden Architekten sein, wie sie z. B. kapelle in Loschwitz bei Dresden. 18421
Fritz Schumacher (Der Kampf
um die Kunst, Strassburg 1899)
neuerdings gegeben hat.

Dieser Versuch, auf dem hier
gegebenen Wege weiteren Kreisen
den Genuss am Bauwerk zu er-
schliessen, bedarf notwendig der
Anschauung als Ergänzung. Für
das deutsche Mittelalter hat der
Verfasser diese in gemeinver-
ständlicher, allen zugänglicher
Form im achten Bändchen der
Teubnerschen Sammlung „Aus
Natur und Geisteswelt"*) zu
bieten gesucht. Aus diesem
Schriftchen sind auch die leiten-
den Gedanken dieses Aufsatzes
entnommen.

*) Deutsche Baukunst im Mittelalter
von Prof. Dr. Adelbert Matthaei. Wir benutzen
diesen Hinweis auf eine Einzelschrift gern zu
einer Empfehlung des ganzen Unternehmens. In
seiner Tendenz rangiert es, um nicht den nächst-
liegenden Vergleich mit der „Sammlung Göschen*'
zu ziehen, mit der Trübnerschen Sammlung
„Naturwissenschaftliche Elementarbücher**, nur
dass eben diese sich lediglich auf die Natur-
wissenschaften und die ihr anzugliedernden Ge-
biete beschränkte, während hier der Stoff- resp.
Interessenkreis ein wesentlich weiter gefasster
ist. In den bisher erschienenen dreiundzwanzig
Bändchen (ä M. 1.15 gebd.) kann man, um nur
einige Beispiele zu nennen, in Darstellungen
aus der Feder jeweils angesehener und im all-
gemeinen einwandfreier Fachmänner sowohl Be-
lehrung über den „Bau und das Leben des
Tieres"*, über „Luft, Wasser, Licht und Wärme"*
schöpfen, wie man sich auch über die wichtig-
sten Fragen der „Gesundheitslehre", über das
„Eisenhüttenwesen"*, über „Soziale Bewegungen
und Theorien"* und über „Die Verkehrsentwicke-
lung in Deutschland"* unterrichten kann.

D. Red. d. „K. f. A."

JOH. HART MANN DAS ROBERT SCHUMANN-

DENKMAL FÜR ZWICKAU

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