Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 10.1912

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AUGUST GAUL, ENTENBRUNNEN IN CHARLOTTENBURG

angeordnet; das leise quellenartige Sprudeln auf der
Höhe des Mittelaufsatzes und das muntere Herabfließen
des Wassers beleben die architektonische Anlage, ohne
doch eine einzige Form zu zerstören. Im Gegenteil,
die Linien des Wasserlaufs gehören auch zur Idee der
architektonischen Anlage. Man muß schon bis in die
Zeiten des Barock zurückgehen, um auf Straßenbrunnen
zu stossen, von denen man ein Gleiches sagen kann.

Die sechs Enten, die in zwei Gruppen zu dreien auf
dem unteren Brunnenrand angebracht sind, beleben die
architektonische Gesamtform in einer reizenden Weise.
Am schönsten sind sie, wenn man sie einzeln betrachtet.
Dieser Vorbehalt ist zu machen; in der Komposition
gehen sie nicht vollkommen zusammen. Sie sind nicht
als Gruppen von vornherein gesehen, sondern es sind
ausgezeichnete Einzelbildungen mit bestem Geschmack
nebeneinander gestellt worden. Die einzelne Enten,
für sich betrachtet, zeigen Gauls Meisterschaft, das un-
mittelbar aus der Natur Gewonnene, der Technik, dem
Material, einem klassich strengen Formsinn und einem

lebendigen Stilgefühl gemäß künstlerisch umzudenken,
im hellsten Licht. Wir haben zurzeit keinen anderen
Bildhauer der die anspruchslose Naturform so meister-
haft klar und frisch, so deutlich und doch weich, so
sinnlich innerhalb einer strengen Srilempfindung, so naiv
bei einer japanisch scharfen Kunstintelligenz zu gestalten
weiß. Gauls Formen in einem Entenkopf, einem Enten-
gefieder rufen ästhetische Empfindungen hervor, die
etwas Reinigendes haben. Die ruhige Klarheit der Form
macht auch den Betrachter ruhig und klar. Etwas an-
deres dagegen befriedigt nicht ganz: die Art wie die
Bronzeenten auf ihrer Bronzeplatte dem steinernen
Brunnenrand eingefügt sind. Man hat das Gefühl, als
seien die beiden Materialien nicht genügend ineinander
gewachsen.

Alles in allem : ein Werk wie wir es in Groß-Berlin
noch nicht hatten. Wird es Schule machen? An
Künstlern, die innerhalb dieser Kunstgesinnung schaffen
könnten, fehlt es nicht.

K. S.

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