Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 10.1912

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Kmaaacaaaoa:

■ UNSTAUSSTEL LUNGEN

BERLIN
Alt-China.
Die Invasion chinesischer Kunst,
vornehmlich chinesischen Porzellans,
hat schon früh bei uns eingesetzt;
ihre Spuren lassen sich deutlich zurückverfolgen; ihr
Einfiuss hat Stil und Geschmack auch der hohen Kunst
Europas vom siebzehnten Jahrhundert an zeitweilig be-
herrscht und gewandelt.

Wer vermöchte sich auch dem Zauber zu entziehen,
der etwa von der Schönheit einer mit allen Finessen
raffinierten Kulturempfindens und durch lange Tradition
geübter Technik hergestellten Vase ausgeht! Zumal
welcher Künstler — und diese diktieren die Wandlungen
des Geschmacks — giebt sich nicht willig diesen ganz
unvergleichlichen Schöpfungen hin! Hier ersc begreift
man, dass solche Stücke, denen wir gern die Stellung
ausserhalb der hohen, reinen Kunst anweisen möchten,
einem Gemälde, einer Plastik völlig gleichwertig sind.
Sie sind rätselhaft in ihrer Schönheit, sie existieren in
ihrer eigenen Welt und nie-
mand wird wagen, ihnen
mit profanen Gefühlen zu
nahen.

Am geheimnisvollsten
und reinsten prägen diese
Note jene unbemalten Ge-
fässe aus, deren Glasur so
gleichmässig über den Kör-
per geflossen ist, dass sie
ihn ganz einhüllt und kein
Fleckchen sichtbar bleibt,
das irgendwie von Unge-
nauigkeit oder Fehlerhaftig-
keit der Arbeit zeugt. Ein
unnachahmlicher Glanz
schmeichelt den Sinnen.
Ein mattes Grün, sanft und
fast ein wenig dekadent,
ein bräunliches, tiefleuch- ,
tendes Rot, Rubin, weich
und schimmernd, einfeines,
vornehmes Grau. Dazwi-
schen — diese Farben
stecken nur die äussersten
Grenzen ab — die ver-
schiedensten, ineinander
übergehenden Nuancen, die
sich mit Worten kaum wie-
dergeben, nur andeuten
lassen und schliesslich in
feinstem, raffiniertestem

FRAGMENT EINES BUDDHAHAUPTES.
JAPAN 8. JAHEH.

Verständnis der noch möglichen Wirkungen,einSchmuck
durch ein rissiges Netzwerk, das die Flächen leicht auf-
reibst, so dass die Glätte um so markanter hervor-
gehoben wird, die nun, wie eine Haut des Gelasses, be-
lebt erscheint. Goldstaub ist zuweilen darüber hinge-
streut. Und schliesslich fliessen verschiedene Glasuren
— nun in entschiedenster, dekorativer Absicht — über-
einander.

Es tritt neben die rein sachlich-technische Kunst
ein Geschmack, der in Ornamenten und Figuren
schmücken will, der Szenen darstellt. Motive aus dem
Tierleben, der Pflanzenwelt, der Geschichte, dem Fa-
milienleben sind beliebt; demgemäss vergrössern sich
die Dimensionen, Riesengefässe von erstaunlichem Um-
fang verblüffen das Auge, das wohl die Fülle des Kön-
nens bewundert. Aber schon beginnen hier Verfalls-
momente sich bemerkbar zu machen und Virtuosen-
kunststückchen künden sich an.

Es war eine kleine Ausstellung, die im Kunstgewerbe-
baus (Friedmann fö Weber) den Kennern und Liebhabern

gezeigt wurde und die Aus-
wahl war zufällig. Aber es
waren einige schöne Stücke
darunter, Stücke, die, bei
längerer Betrachtung, jenen
faszinierenden Reiz aus-
üben, die den Betrachter
nicht mehr loslassen, vor
deren Schönheit man träu-
men kann.

Ernst Schur.

Das Kunstgewerbe-
museum stellte, zum zwei-
tenmal seit der Direktion
unter Otto v. Falke, die
Neuerwerbungen der letz-
ten zwei Jahre zur Schau.
Eine Vorführung so hetero-
gener Dinge aus den ver-
schiedensten Ländern und
Kulturepochen erscheint
von Zeit zu Zeit notwen-
dig, um die Öffentlichkeit
über den Ausbau der ein-
zelnen, weitverzweigten
Abteilungen zu infor-
mieren.

Die kostbarste Erwer-
bung ist ein Schreibsekretär

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