Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 10.1912

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CHRONIK

Tu dem Aufsarz dieses Heftes „Der Aus-
bau der Narionalgalerie" isr noch zu be-
merken, dass es Ludwig Jusri, wie eben
bekannr wird,geglückt isr, noch eine wich-
rige Neuerung durchzusetzen, indem er
alles auf eine Karte serzte. Die Landeskunstkommission,
der schlimmsre Hemmschuh für einen konsequenr sach-
lichen Ausbau der Sammlung, isr, soweir die National-
galerie inBerrachr kommr, ausgeschalrer worden. Derge-
samre Landeskunstfonds beträgr für das Jahr 3 so 000 M.,
davon enrfallen 100 000 M. auf die Narionalgalerie und
ijoooo M. auf den künsrlerischen Schmuck von Kreis-
häusern, Regierungsgebäuden usw. Die Verwendung
dieser lerzren ijoooo M. unrersrehr nach wie vor der
alten Landeskunstkommission, die sich aus Professoren
undAkademiedirekroren aller AkademiesrädrePreussens
zusammenserzr, darum nur selren, oft nur einmal im
Jahr, zusammenrreren kann und in diesen kurzen Stun-
den auf Kompromisse angewiesen isr, da es zu wichtigen
und wertvollen Entschlüssen bei dieser Lage der Dinge
nichr kommen kann. Die 100 000 M. sind nun aber für
die Narionalgalerie auch insofern deurlich von der Ge-
samrsumme abgezweigt worden, als für die Verwendung
dieser Summe zum Zwecke der Neuerwerbung eine
neue Kommission gebilder worden ist. Ihr gehören,
ausser Ludwig Jusri, an: Louis Tuaillon, Arrhur Kämpf,
Kommerzienrar Arnhold, ein Verrrerer des Kulrusmini-
steriums, und der jeweilige Professor derKunsrgeschichte
an der Universitär, bis zum April also Heinrich Wölfflin.
Den Vorsitz führr der Prinz Augusr Wilhelm. Jusri har
mir dieser Reform einen grösseren Sieg errungen, als
es dem ferner Stehenden im ersten Augenblick scheinen
mag. Mit einer solchen Kommission kann ein modern
gesinnter Direktor, wenn er sich seines Wegs bewusst
isr, sehr wohl fruchtbar arbeiren. Um so mehr als stets
eine unmittelbare Verbindung mit den in Berlin Woh-
nenden herzustellen ist und gute Gelegenheiten
darum wahrgenommen werden können. Auch kann
der Prinz August Wilhelm, von dessen Kunstsinn man
allerhand Gutes hört, ein nützlicher Vermittler zwischen
der Galerie und dem Kaiser werden. Alles in allem:
organisatorisch ist in den beiden letzten Jahren unge-

wöhnlich glücklich operiert worden, so dass man jetzt
mit einer gewissen ruhigen Zuversicht der Entwickelung
der Galerie entgegensehen kann.

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Der Kunstschriftsteller Hans Rosenhagen hat in einer
Besprechung der Neuerwerbungen der Narionalgalerie
im „Tag" unrer anderen auch nichr üblen Bemerkungen
den Sarz geschrieben:

„Es kann dem Kaiser nicht verdacht werden, dass er sich
ablehnend gegen die Mitglieder einer Künstlergruppe (die Ber-
liner Sezession ist gemeint) verhält, aus deren Lager ihm be-
ständig Schmähungen entgegenschallen und deren Existenz
gegenwärtig eigentlich nur noch durch ihre Oppositionsstellung
künstlich aufrecht erhalten wird."

Daraufhin hat der Vorstand der Berliner Sezession
folgenden Proresr an die Zeitungen geschickt:

„Allen denen gegenüber, die mit künstlerischen Dingen
auch nur oberflächlich vertraut sind, bedarf es wohl keiner
Richtigstellung gegenüber diesen unerhörten Verdächtigungen;
der breiten Öffentlichkeit gegenüber aber müssen wir zum
Schutze der Künstlervereinigung, deren Interessen wir zu
wahren berufen sind, feststellen, dass die Berliner Sezession
jederzeit nur künstlerische Ziele verfolgt hat und solche auch
jetzt noch allein verfolgt. Herr Rosenhagen aber hat die oben
wiedergegebenen Unterstellungen wider besseres Wissen er-
hoben, da er durch jahrelange Beziehungen zu unserer Ver-
einigung über deren Verhältnisse genau unterrichtet ist. Herr
Rosenhagen, der für sich den Rang eines Kunstkritikers in
Anspruch nimmt, hat bei seinem Vorgehen ganz ausser acht
gelassen, dass ein Kritiker ein objektiver Richter, aber nicht
ein Verleumder sein soll."

Für unser Gefühl har die Sezession Rosenhagen zu
ernsr genommen — wie sie überhaupr alles Gedruckte
zu tragisch nimmt. In der Sache hat sie natürlich recht.
Rosenhagen ist seitJahren schon ein deroutierter Schrift-
steller. Was er Gutes wirken konnte, hat er gewirkt;
da er innerlich jerzt nichts mehr erlebr und darum nichts
Lebendiges mehr zu sagen hat, wird er ein Kunsrpoli-
tiker, im üblen Sinne des Wortes. Wenn er seinen
Ruf, einsr ein Vorkämpfer gewesen zu sein, bewahren
möchre, so würde er gur rhun, sich dem kaufmännischen
Beruf seiner Jugend wieder zuzuwenden — dem er sich
während seiner Kunsrrichrerthätigkeit ja niemals ganz
entfremdet hat.

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