Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 10.1912

Seite: 602
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PIETER DE HOOGH, INTERIEUR

DIE SAMMLUNG DE RIDDER

BEMERKUNGEN ZUR KUNST DER HOLLÄNDER DES 17. JAHRHUNDERTS

VON

ERNST A. BENKARD

istanz und Abgeschlossenheit
umgaben bisher die de Rid-
dersche Sammlung; in den
Räumen der Villa ihres ver-
storbenen Besitzers zu Schön-
berg-Cronberg führte sie ein
verschlossenes, aber gelieb-
tes Dasein, das verhältnis-
mässig wenige gestört hatten. Ihr Ruf aber als Quali-
tätssammlung war unbestritten und hatte durch einen
in einer Auflage von nur hundert Exemplaren er-
schienenen Katalog aus der Feder Wilhelm Bodes jene
Untadelhaftigkeit erhalten, nach der der Sinn fast
jeder jungdeutschen Privatsammlung zu stehen
scheint. Plötzlich stirbt der Besitzer und die Bilder
sind vaterlos; es gelingt der Direktion des Städelschen
Institus, den für Frankfurt neuen Fall zu schaffen,

dass ihr diese Privatsammlung zur leihweisen Aus-
stellung in den Räumen der Galerie überlassen wird.
Bereits mit eignem Bilderbesitz besetzte Kabinete,
ja sogar ein ganzer Saal der Galerie werden aus-
geräumt, eine immerhin beträchtliche Anzahl eigner
Bilder wird deponiert, teils in anderen Sälen unter-
gebracht, und der bis dahin strenggehütete Schatz
eines Privaten wird Ende November 10 11 Augen-
Eigentum der breitesten Allgemeinheit. Die Gründe,
die eine Galerie zu solchem Entgegenkommen gegen
einen Privaten veranlassten, liegen in der Natur des
de Ridderschen Bilderbestandes.

Nach zwei Richtungen ist diese Sammlung be-
merkenswert: sie brilliert durch historische Ge-
schlossenheit und durch Vertretungen einzelner
Meister, die man nach der Seite der Qualität als
vorzüglich bezeichnen muss. Die historische Ge-

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