Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 10.1912

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HENRY VAN DE VELDE, DAS AKBEDENKMAT, IN JENA

DAS ABBEDENKMAL IN JENA

VON

BOTHO GRAEF

Abem

nfc-

er Beschluss, die von Meunier für
ein Denkmal der Arbeit entworfe-
nen Reliefs als reinsten Ausdruck
von Ernst Abbes Wirksamkeit zu
einer Gedenkhalle für diesen zu
verwenden, stellte Henry van de
Velde vor die unendlich schwierige
Aufgabe, Werke so wesensver-
schiedener Künstler wie Meunier
und Klinger, der das Bildnis Abbe's schaffen sollte, zu
einheitlicher Wirkung zusammenzuzwingen. Für die
Aufnahme von vier Reliefs bot sich die bewahrte Form
des Oktogons, bei dem Thüren mit den die Reliefs tra-
genden Wänden wechselten. Aber nicht viel mehr als
eine Anregung für den Grundriss war durch diese

naheliegende Lösung gegeben. Für die Gestaltung des
Inneren und ihrer besonderen Aufgabe musste jede
Analogie versagen. Denn hier sollten einerseits die
Reliefs so gefasst und gerahmt erscheinen, dass sie als
selbständige Kunstwerke in ihrer Wirkung unterstützt
wurden, anderseits mussten sie, sollte anders der Raum
als solcher zu eigener Geltung kommen, sich der Wand
als Bauglieder einordnen. Die Lösung dieser Aufgabe
ist van de Velde vollkommen gelungen, indem er die
Baukunst in ihrem ursprünglichsten und eigensten
Sinne als eine raumbildende Thätigkeit ausübte. Die
kräftigen acht Pfeiler mit den dazwischen gespannten
Steinbalken bilden ein deutlich zu empfindendes Gerüst,
das in seiner tektonischen Leistung den Eindruck so
vollständig beherrscht, dass, was auch immer dazwischen

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