Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 10.1912

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NEU-CLADOVV, VERWALTERHAUS

NEU-CLADOW

VON

JOHANNES SIEVERS

m Potsdamer Havelgebiet liegt
an der landschaftlich schön-
sten Stelle des Flusses Neu-
Cladow, dort wo sich nach
Süden der Wannsee öffnet
und die Pfaueninsel strom-
abwärts den Blick begrenzt.
Bis zur Reformation
wahrscheinlich Eigentum des Benediktinerinnen
Klosters St. Marien zu Spandau, kam das Gut später
in den Besitz der Krone, und wurde von der Kriegs-
und Domänenkammer verwaltet. Um das Jahr
179p gab es König Friedrich Wilhelm III. seinem
Kabinettsrat Anastasius Ludwig Mencken in Erb-
pacht, sorgte für die mildesten Bedingungen und
gewährte ihm bei den Neubauten jedwede Unter-
stützung. Nur kurze Zeit freilich konnte sich
Mencken seines Landgutes erfreuen, da er schon
im Jahre 1801 starb. Aber die wenigen Jahre, die
ihm in Neu-Cladow vergönnt waren, gestalteten

sich besonders glücklich. Mit der Königlichen
Familie, die nahebei auf der Pfaueninsel die Som-
mertage verbrachte, entwickelte sich ein unge-
zwungener Verkehr, vor allem bot aber der Besitz
mit seinem grossen Park einen unvergleichlichen
Tummelplatz für die Kinder des Hauses. Es waren
ihrer vier, zwei Töchter aus der ersten Ehe der
Frau, sowie die beiden Kinder Menckens, ein Knabe
und ein Mädchen. Der Tochter Luise Wilhelmine
war eine ganz besondere Zukunft vorbehalten: sie
heiratete Ferdinand von Bismarck und wurde Otto
von Bismarcks Mutter. Mit dem stillen Herrenhaus
von Neu-Cladow verbindet sich vor allem die Er-
innerung an sie, die hier die schönsten Tage ihrer
Jugendzeit verlebte.

Nach ihres Vaters frühen Tode war die kurze
Blüte dieses märkischen Idylls vorüber, das Gut
kam bald in andere Hände, um im Laufe des
Jahrhunderts den Eigentümer immer aufs neue zu
wechseln, bis es schliesslich, fast ganz verwahrlost,

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