Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 10.1912

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PAUL DURAND-RUEL

(AUS DEM LEBEN EINES MODERNEN KUNSTHÄNDLERS)

VON

JULIUS ELIAS

in jeder nennt ihn „pure Durand-Ruel",
wie man ehedem nur vom „pure" Corot
sprach. Und er ist wie Corot, dessen erster
und edelster Herold er war, fast ein My-
thus geworden. Das „Vaterhafte" wurde
an ihm betont, nicht weil, in Greisenart und Greisen-
trotz, seine künstlerische Empfänglichkeit im Lauf der
Jahre zeitlos geworden wäre, — vielmehr, weil jeder
mit seinen Sorgen zu ihm kam und kommen durfte,
weil sein Herz war wie eine katholische Kirche: es stand
offen für alle, die, eines reinen Kunstgedankens voll,
Einlaß begehrten. Der rüstige, redliche Mann über-
schreitet am 31. Oktober die Schwelle der Achtziger:
und da der alte Stürmer und Dränger, den die Hüter
von Kunstmoral und -sitte so oft beschuldigten, er lege
das Torpedo unter die heilige Arche des Herkommens,
ein frommer, ja strenggläubiger Christenmensch ist, so
wird er an diesem Feiertag vor seinem Gotte knien
und ihm nicht für das lange Dasein nur, vor allem auch
für die Gnade danken, dass er den Sieg der Sache mit-
erleben durfte, der er so treu und aufrichtig gedient
hat. Im Lichte der Abendsonne mag ihm seine Wirk-
samkeit als eine freiwillig und bewusst übernommene
Prüfung erscheinen, und er darf sich mit einigem Rechte
sagen, dass er die Echtheitsprobe bestanden hat.

Er und sein Haus, dessen Seele und erster Diener
er noch heute ist, stellen ein gutes Stück moderner
Kunstgeschichte dar; von denen, die dieses Haus jetzt
in dem Glänze seines weitverzweigten Einflusses sehen,
ahnen wenige, wie kampfgedüngt der Boden ist, auf
dem der Bau errichtet wurde. Dieser Kampf war
wechselreich; in rascher Wellenbewegung gab es Nieder-
lage und Sieg, Angriff und Rückzug, Waffenstillstand
und neue Feindseligkeit, Gewinn und Verlust. Der
Grandseigneur von heute hat wie ein simpler Taglöhner
rast- und ruhelos seine Tage hingebracht, hat alle Launen
des Lebens kennen gelernt, hat am Schicksal vieler
grosser Künstler schmieden helfen, hat bestimmend ein-
gegriffen in die Kulturentwickelung dreier Genera-
tionen. Seine Stimme wurde oft überschrien, doch am
Ende immer gehört; er ist von denen, die Recht be-
hielten, weil sie Recht behalten mussten. Lächelnd stand
er manchmal am Markt und Hess sich steinigen; aber
dieses Lächeln war denen ein Sporn, für die er am
Markte stand. Von der Staatsgewalt befeindet, ge-
schweige denn von ihr gefördert, hat er der Kunst seiner
Epoche ein Zentrum des Selbstschutzes und dadurch
eine materielle wie moralische Unabhängigkeit von den

Mächten des offiziellen französischen Kunstbetriebes
geschaffen. Er organisierte eine Art Gegenstaat. Als
auf der Weltausstellung 1878 die Juroren zugunsten
des Handwerks und der landläufigen Mache gegen die
neuen und neuesten Schulen die äussersten „Schutz-
massregeln" ergriffen, die Besten nicht zuliessen (Dela-
croix, Millet, Rousseau, Troyon, Barye, Courbet!) und
das, was sie annahmen (Corot und Daubigny) entweder
schlecht wählten oder zu Tode hingen, da blies Durand-
Ruel Alarm und veranstaltete, um die Ehre des franzö-
sischen Namens dem Ausland gegenüber zu retten, der
Meisterschaft von 1830 und ihren Erben die erste retro-
spektive Ausstellung. 380 Bilder — Werke, erlesen und
von den seltensten Eigenschaften — wurden aufgehängt,
und die Matadore der Industriepalast-Kunst entgingen
nun doch nicht den gefährlichen Maassstäben der Ver-
gleichung, die ihre harte Handlungsweise hatte aus der
Welt schaffen wollen. Mit diesem „beau geste" hatte
sich das Haus Durand-Ruel, das gerade in jenen Jahren
seine verzweifeltste Zeit durchlebte, nicht geringe Opfer
auferlegt; trotz des grossen Erfolges hat die Protestaus-
stellung die Kosten nicht entfernt gedeckt. Aber mora-
lisch war der Bann gebrochen, und für eine grosse
Schule war der Weg ins Ausland freigemacht.

Unter den vorgeschrittenen Kunstverwandten (im
weitesten Sinne des Worts) giebt es allerorten nur sehr
wenige, die dieser lebhaften Propagandisten-Persönlich-
keit, ihrer tiefen Sachkenntnis, ihrem reformatorischen
Mute, ihrer Weltklugheit, ihrem unvergleichlichen Ge-
schmack, ihrem natürlichen Unterscheidungsvermögen
für Werte innerhalb eines geschlossenen Lebenswerks,
ihrer anregenden und befeuernden Kraft nicht irgend
etwas zu verdanken hätten: da sind Maler, denen er das
tägliche Dasein erleichtert und die Schaffensfreude zu-
rückgegeben hat; Museumsleiter, denen er frühzeitig
und zu ihrem Glück neue Ziele aufgestellt; ganze Gene-
rationen von Sammlern, die er beriet und zum Guten
lenkte (um nicht selten die Erfahrung zu machen, dass
er Spekulantentriebe freigemacht hatte); Nikodemusse
von Kritikern, die zu dem Born des Heils kamen, von den
Leiden der Tradition zu gesunden. Und: Paul Durand-
Ruel hat den Kunsthandel gelehrt, sich auf sich selbst
zu besinnen und nicht Schleppenträger, sondern Führer
des Publikums zu sein; er hat, mit den grossen „ventes"
seiner Epoche betraut, das Wesen der öffentlichen Ver-
steigerung auf ein höheres Niveau gehoben, indem aus
diesem wichtigen kunstkaufmännischen Werkzeug, das
ja dem Maler einen handgreiflichen Gewinn nicht mehr

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