Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 10.1912

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MAX LIEBERMANN, BADENDE KNABEN. I902



ZWEI ALTNIEDERLANDISCHE VARIANTEN
DES FEIGENBLATTES

VON

KARL VOLL

Im Kreise des Meisters vom Marientode giebt es
eine Komposition, die sehr grossen Erfolg ge-
habt hat und in vielen Wiederholungen vorkommt.
Die Madonna, deren eine Brust auffallend entblüsst
ist, hält das auf einer Brüstung stehende nackte
Kind. Neben ihr steht der heilige Josef. Die besten
Exemplare sind im Wiener Hofmuseum und in der
Eremitage von St. Petersburg. Ein anderes, recht
gut ausgeführtes, aber doch nicht sehr qualitäts-
volles, jedenfalls nicht vom Meister selbst herrüh-
rendes besitzt die Londoner Nationalgalerie.

Die Komposition steht unter dem Einfluss der
Schönheit, wie sie sich die Renaissance dachte:
üppig und sinnlich. Der grosse Erfolg ist wohl
damit zu erklären, dass sich diese aus der Berührung
mit italienischer Kunst kommende Tendenz mit der

nationalen Feinheit und Sicherheit der Technik ver-
band. Je eleganter der Künstler zeichnete und malte,
desto mehr kam die lockende, auch bei Madonnen-
bildern damals gar nicht selten zu beachtende sinn-
liche Wirkung heraus. Das scheint nun der Maler
der Londoner Variante gespürt zu haben; denn er
verhüllt die etwas gar zu reizvolle Nacktheit des
Christuskindes durch — nicht etwa ein Feigenblatt,
sondern durch das Kreuz einesRosenkranzes, das dem
göttlichen Knaben um die Lenden geschlungen ist.
Das Kaiser Friedrich-Museum besitzt eine aus
dem Jahre i 5 1 6 stammende grosse Tafel von Ma-
buse: Poseidon und Amphitrite. Die sehr opulenten
Gestalten des Paares, das über die Meere herrscht,
stehen in einer nach Art des Mabuse reich entwickel-
ten antiken Architektur. Vielerlei Ornamente zeigen

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