Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 10.1912

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LUDWIG HOFFMANN, DAS BERLINER STADTHAUS
ANSICHT VON DER JUDENSTRASSE

DAS BERLINER STADTHAUS

VON

WALTER CURT BEHRENDT

n der nicht eben sehr charaktervollen
Silhouette des Berliner Stadtbilds
ist der schlichte, schlanke Turm des
Roten Hauses fast zu beherrschen-
der Monumentalität gelangt. Sein
einfacher Umriss behauptet sich mit
der Kraft einer energischen Dominante neben den
zahllosen Kuppeln und Kirchturmspitzen der Stadt
und repräsentiert mit ernster Würde den Geist

bürgerlicher Selbstbestimmung. Erbaut zu einer Zeit,
da die Einwohnerzahl Berlins kaum dreiviertel Mil-
lionen erreicht hatte und die kommende Grossstadt-
entwickelung in keinem Punkte schon mit Sicherheit
vorauszusehen war, gilt dieser Bau den Heutigen als
ein letztes Werk jener Architekturschule, die in dem
Berlin der sechziger Jahre unter dem nachwirkenden
Einfluss Schinkels ihre erfolgreiche Thätigkeit ent-
faltete und in deren puritanisch einfachen, schmuck-

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