Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 10.1912

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NEUE BÜCHER

Formprobleme der Gotik von Wilhelm Wor-
ringer, Verlag R. Piper & Co., München 1911.

Worringers Arbeit stellt sich nur äusserlich dar als
eine Untersuchung der Gotik, im weitesten Umfange
dieser Stilbezeichnung; dem inneren Wesen nach isr
dieses Buch die Auseinandersetzung, die ein wertvoller
Denker mit sich selbst hat und die sich des historischen
Formproblems nur bedienr, um erwas recht Lebendiges
und Gegenwärtiges zu formulieren. Freilich kommt
diese heimliche Tendenz, kommt die „heimliche Gotik"
in der Geistes- und Temperamentsanlage des Verfassers
nicht so klar zum Ausdruck, dass der neutrale Leser sie
entdecken könnte. Es ist zu fürchten, dass man dem
Buch eine gewisse Zwitterhaftigkeit vorwerfen wird:
die Kunsthistoriker werden die Darstellung nicht metho-
disch genug finden, und die nach unmittelbarer Leben-
digkeit verlangenden Geister werden finden, dass Wor-
ringer sich mit dem Geschichtlichen zu tief eingelassen
hat. Seiner ganzen Narur nach gehört dieses Buch zu
jener Reihe, die Ruskin eröffnete, als er das Für und
Wider der Gotik und Renaissance abwog. Ruskin that
es mit einem entschiedenen programmatischen Willen
und mit dichterischem Temperament; Worringer sucht
es objektiver, gelehrtenhafter zu thun. Er möchre Rus-
kin und Taine vereinigen, kann man sagen. Was er
erzielt hat, ist äusserst respektabel. Er stellt sich mit
dieser zweiren grösseren Arbeit als einer der Gründ-
lichsten und Lebendigsten unter den jüngeren Kunsr-
denkern hin. Mir hat dieses Buch etwas entschieden
Neues nicht gebracht, weil ich zu verwandten Denk-

resultaten in einigen Hauptpunkten schon seit längerer
Zeir gekommen bin. Aber auch wohl darum, weil das
ungeheure Problem zu wenig erschöpft worden ist. Das
ist aber nicht zu verwundern. Das Wagnis mit so in-
brünstigem Ernst nur begonnen zu haben ist schon wert-
voll. Wir stehen ersr am Anfang der Srilpsychologie.

Gefährlich erscheint die Art von drei Typen aus zu
denken: vom primitiven, vom klassischen und vom orien-
talischen Menschen aus. Der Schriftsreller machr sich
solche Typen leicht zurecht wie er sie brauchr, ohne
es selbst zu wissen. Diese Methode überhaupt mit dem
zu beginnen, was man am wenigsten kennt, mit dem
Urzuständlichen, ist voller Gefahren. Vielleicht käme
man dem Mysterium der Gotik näher, wenn man von
der Gorhik des achtzehnten Jahrhunderts, vom Rokoko
ausginge, oder sogar von van de Velde und seiner
Geistesarr, wenn man also mit dem besser Bekannten
das Entferntere zu ergründen suchen würde. Ein Ver-
gleich allein der geisrigen Zustände zwischen 1750 und
1 780 mit dem Zeitgeist zwischen 1 200 und 1300 würde
zu selrsamen Parallelen führen und zeigen, wie grossen
Teil eine faustische und freche Geistesfreiheic an der
Kühnheir der Karhedralen hatte.

Aber dieser Einwand soll nur zeigen, wie Worringer
seine Leser anzuregen und produktiv zu machen ver-
steht, mit welch starkem Temperament er dazu auf-
regt die tiefsten Ideen der Geschichre zu denken. Es
giebt diese schöne Arbeit den Gedanken ein, dass sich in
ihrem Verfasser etwas wie ein neuer Wölfflin ankündigr.

Karl Scheffler.

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