Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 10.1912

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NEUE BÜCHER





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ie einheitliche Blockfront als
Raumelement im Stadtbau. Ein
Beitrag zur Stadtbaukunst der Gegen-
wart von Walter Curt Behrendt. Berlin
191 2. Bruno Cassirer Verlag.

Diese Schrift ist eine Doktorarbeit.
Es unterscheidet sie von unzähligen andern, dass der Ver-
fasser sich nicht ein trockenes wissenschaftliches Sujet
gewählt hat, um es mit Fleiss und Ausdauer gewissen-
haft gelehrt zu behandeln, sondern dass er einem sehr
lebendigen Bauproblem der Gegenwart als ein wollender
Mensch unserer Tage eine Lösung gesucht hat. Beh-
rendt hat in diesem Buch die Frage der uniformen Ge-
staltuno- vieler Mietshausfassaden und ihre Zusammen-
ziehung zu grösseren Blockeinheiten auf ihre Traditionen
hin untersucht und auf ihren Gegenwartswert; er hat
das Thema im ersten Teil seines Buches historisch be-
handelt und im zweiten Teil als ein Organisator des
erst Werdenden. Er hat im ersten Teil feine Tugenden
der Gründlichkeit und des Wissens entwickelt und im
zweiten Teil eine nicht eben häufige Kraft der Synthese.
Dabei hat er sich allen leeren Utopien fern gehalten, hat
jede Konstatierung und jede Forderung aus lebendigen
Realitäten abgeleitet und jede These so gut begründet,
dass die Arbeit als Ganzes etwas Unangreifbares be-
kommen hat. Arbeiten dieser Art sind es zumeist, die
unserer in einer Krisis lebenden Baukunst not thun. Eine
solche besonnen moderne Gesinnung thut not, solche
Konsequenz und Klarheit des Wollens. In dieser Bau-
gesinnung erst ist wieder wahrhaft Schinkelrradition;
denn allein aus ihr heraus kann das "Vergangene dem
Zukünftigen dienstbar gemacht werden. Nach dieser
Doktorarbeit haben wir nun das Recht entscheidende
architekturkritische Werke von Behrendt noch zu er-
warten. In solchen Individuen beginnt die moderne

Baukunst über sich selbst zu denken; es ist unverkenn-
bar, dass sie Organe des Zeitgeistes sind. Wir sehen in
dieser Schrift nicht nur ein klares, sehr gut geschrie-
benes und fruchtbares Buch, sondern auch ein Symptom,
dass die junge Architektengeneration sich anschickt auf
die Gestaltung der neuen Dinge Einfluss zu gewinnen.
Wir sehen darin eine Bestätigung, dass die bessere Ein-
sicht bei den Aufsteigenden ist und nicht bei den aka-
demischen Baubeamten, die vomÜberpersönlichen in der
Baukunst nichts wissen und darum nichts wissen wollen.

Ulenspiegel. Eine Mappe mit Originalholz-
schnitten von Walter Klemm. Dachau 1911. Verlag des
„Bücherwurm".

Walter Klemm hat sich längst als ein so vortreff-
licher Künstler eingeführt, dass ein Mappenwerk wie
das vorliegende durch den Namen schon gerechtfertigt
wird. Sein Talent weist ihn gewissermassen auf den
Holzschnitt. Denn es ist in diesem Talent die Lust am
lapidarDekorativen, dessen der Holzschnitt bedarf; es ist
aber auch die feine intellektuelle Differenziertheit darin,
ohne die der Holzschnitt leicht grob und hart erscheint.
In diesen Holzschnitten zu Costers Ulenspiegel erscheint
das Derbe artistisch raffiniert. Hier und da auch etwas
absichtlich eklektizistisch, etwas prononciert altertüm-
lich. Dazu hat der alte niederdeutsche Stoff verlockt.
Naturunmittelbatkeit und tendenzvolle Stilisierung sind
ineinander gearbeitet. Die Holzschnittechnik ist denk-
bar einfach, fast ganz auf Silhouettenwirkungen gear-
beitet. Neben dem künstlerischen Esprit wird ein schöner
Handwerksgeist sichtbar. Es ist immer erfreulich, wenn
unsern besten Graphikern Arbeitsgelegenheiten ge-
schaffen werden; darum ist auch das Unternehmen
dieser Ulenspiegelmappe durchaus zu begrüssen.

Karl Scheffler.

LISTE EINGEGANGENER BÜCHER

Kandinsky, Über das Geistigein der Kunst. München
191 2, R. Piper & Co.

Johannes Widmer, Der Maler Frank Buchser.
Zürich, Kommissionsverlag Beer & Co.

Friedrich Rintelen, Giotto und die Giotto-Apo-
kryphen. Münchenu. Leipzig 191 2, Georg Müller Verlag.

Hans Holbein d. J., Des Meisters Gemälde in
252 Abbildungen. 20. Band der Klassiker der Kunst in
Gesamtausgaben. Stuttgart u. Leipzig 1912, Deutsche
Verlagsanstalt.

Julius Baum, Die Pfullinger Hallen. München
1912, Martin Moerikes Verlag.

Rudolf Michel, Die Mosaiken von Santa Con-
stanza in Rom. Leipzig 1912, Dieterichsche Verlags-
buchhandlung.

Erich Köhler, Edmund und Jules de Goncourr,
die Begründer des Impressionismus. Leipzig 1911. Im
Xenien-Verlag.

Walter Geisel, Betrachtung von Kunstwerken in
Schule und Haus. Zweite Auflage. Glückstadt i. H.
191 2, W Geisel.

Louis Hourticq, Geschichte der Kunst in Frank-
reich. Stuttgart 191 2, Julius Hoffmann.

Skribtol, Anleitung zur Kunstschrift. 14 Tafeln
mit Schriftbeispielen von E. W. Baule. Hannover und
Wien, Günther Wagner.

Ernst Rump, Lexikon der bildenden Künstler Ham-
burgs, Altonas und der näheren Umgebung. Hamburg
1912, Otto Brückner & Co. Verlag.

ZEHNTER JAHRGANG. SECHSTES HEFT. REDAKTIONSSCHLUSS AM 20. FEBRUAR. AUSGABE AM I. MÄRZ NEUNZEHNHUNDERTZWÖLF

REDAKTION: KARL SCHEFFLER, BERLIN; VERANTWORTLICH IN ÖS TERREI CH-U N G A RN : HUGO HELLER, WIEN I.

VERLAG VON BRUNO CASSIRER IN BERLIN. GEDRUCKT IN DER OFFIZIN VON W. DRUGULIN ZU LEIPZIG.
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