Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 10.1912

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UKTIONSNACHRICHTEN

BERLIN
Die erste Versteigerung, die in
dem neuen Auktionshaus der Ge-
hrüder Heilbronn stattfand, war die
des Nachlasses von Reinhold Begas. Ein Ereignis in
höherem Sinne konnte die Versteigerung nicht werden,
weil ein eigentlich starkes künstlerisches Interesse für
die Plastik von Begas kaum noch vorhanden ist. Der
ernsthafte Kunstfreund blickt in dieser Beziehung ganz
anders auf Begas' Werk als Walter Schott, der dem kürz-
lich Verstorbenen im Vorwort des im übrigen gut ausge-
statteten Katalogs Hymnen gesungen hatte, aus denen
wir uns nicht versagen wollen einige der komisch
geschwollenen Sätze abzudrucken:

,Mit tiefster Wehmut durchschreite ich heute die weiten Räume,
wo der Geist Reinhold Begas gewaltet!

Das Heiligtum des grossen Meisters, der von uns gegangen!
Da, wo seine leuchtenden Augen, sein grosser Geist, sein sprühender
Witz all die Menschen, die ihm nahen durften, begeistert, nun stehen
sie verlassen all die herrlichen Schöpfungen, die selber Zeugnis
geben von dem Riesen, der das Höchste und Schönste erstrebte,
was Gott dem Künstler als einzigstes Ziel gesteckt.

Was Reinhold Begas für uns Deutsche, für die ganze kunst-
sinnige Welt bedeutet, was er speziell uns gewesen, werden
erst diejenigen, die nach uns kommen werden, erfassen und
begreifen.

Moderne Kunst! Moderne Richtung!

Wie oft hat der Meister nicht darüber gelacht! War er nicht
selbst der Modernsten einer, war er nicht selbst der grösste
Revolutionär? Hat er nicht Grösseres geschaffen, als all die
sogenannten Modernen? Und in welcher Zeit! In der Zeir,
als aller Kunstsinn daniederlag! Wären denn all die „Modernen"
möglich ohne Reinhold Begas? Alle sind sie Kinder seines
Geistes, seines Könnens; alle haben sich erst an ihm gebildet
und sind gross geworden durch ihn! So lange die Kunst gepflegt,
war ein ewiges Steigen und Fallen in den Kunstrichtungen zu
beobachten. Aus der tiefsten Tiefe erstieg, wie ein feuerspeiender
Berg, Reinhold Begas und schuf uns all die herrlichen Werke,
die nun zur Versteigerung kommen sollen."

Wir notieren folgende Preise: Nr. i Adam und Eva,
1300 Mark; Nr. 2. Kindergruppe, Marmor 8000 Mark;
Nr. 7 Der kleine Elektrische Funke, Marmor 21000
Mark; Nr. 17 Ringergruppe, Marmor 1800 Mark; Nr. 21
Pan und Psyche, Marmor 37000 Mark; Nr. 24 Der
grosse Elektrische Funke, Marmor 67000 Mark; Nr. 15
Amor und Psyche, Bronze 7500 Mark; Nr. 23. Frau
und Kind 9550 Mark; eine Bismarckbüste 3500 Mark;
eine Moltkeküste in Marmor 3 200 Mark. Von den in der-
selben Auktion versteigerten Bildern erzielte ein Leibl
1900 Mark, ein Lenbach 3000 Mark, ein Stuck 2400 Mark
und ein Trübner 2 100 Mark.

Bei Avisier ir Rutbar dt kommt vom 5. bis 7. Juni
die Sammlung Oskar von zur Mühlen, St. Petersburg,

zur Versteigerung. Die Sammlung enthält Handzeich-
nungen und Aquarelle von Meistern nahezu aller Schulen
vom fünfzehnten bis zum zwanzigsten Jahrhundert.
Bemerkenswerte neuere Arbeiten sind vor allem darin
von Berliner Künstlern - von Chodowiecki bis Lieber-
mann _) von Schwind und Richter, Klinger, Genelli,
Koch und Rowlandson.

Auf der Antiquitätenauktion bei Rud. Lepke am
23. und 24. April wurden unter anderen folgende
Preise erzielt: eine Kommode Louis XV., 700 Mark;
Nussholzschrank, französisch, siebzehntes Jahrhundert
710 Mark, Nussholztisch, italienisch, siebzehntes Jahr-
hundert 820 Mark; friesischer Schrank, Eichenholz, 900
Mark; Danziger Schrank, Nussholz, 810 Mark; Kabinet-
schränkchen, Mahagoni, englisch, Ende achtzehntes
Jahrhundert 1160 Mark; Nussholzschreibschrank, Mitte
des achtzehnten Jahrhunderts 1480 Mark; Salongarnitur
Louis XV. 2805: Mark; alte Meissener Porzellanplateau,
um 1730, 1610 Mark; Kaminuhr aus Porzellan, Paris
um 1800, 940 Mark; Kreussener Apostelkrug 830 Mark;
vier Frankenthaler Statuetten, Modelle von K. Linck,
altbayrisches Porzellan 4000 Mark; grosses Stangenglas
15-85-, 1350 Mark; Deckelpokal, silbervergoldet, Deutsch-
land, sechzehntes Jahrhundert 1610 Mark.

Von der Versteigerung der Sammlungen Freiherr
von Horoch und Professor Zimmermann bei Keller u.
Reiner sind folgende Preise zu notieren: Gilbert von
Canal, Landschaft, 1300 Mark; Heinrich Zügel, Tier-
stücke, 2450, 3900, 2800, 3300, 4700 Mark; A. Achen-
bach, Scylla und Charybdis, 12000 Mark; Ferd. Hodler,
Landschaft, 5850 Mark; Fritz Thaulow, Landschaft,
4400 Mark; W. Trübner, Kürassiere, 1400 Mark; Lie-
bermann, verschiedene studienhafte Bilder, 1300, 1550,
2400 Mark; Knaus, Der Reiter und sein Lieb, 3000 Mark;
M. Slevogt, Stilleben, 1 100 Mark, Kampf der Finsternis
mit dem Licht, 1 100 Mark; Schönleber, Marine, 1050
Mark, La Panne, 1400 Mark; Defregger, Sepp mit der
Pfeife, 4300 Mark; W. Trübner, Wirt im Odenwald, 2600
Mark; Hans Thoma, Landschaft, 4000 Mark; Karl
Schuch, zwei Landschaften, 1500, 1500 Mark.

FRANKFURT A. M.
Am 4. Juni werden bei Rud. Bändel Gemälde alter
und neuerer Meister aus dem Nachlass Roger von
Werdts, Zürich, versteigert. Darunter sieben Bilder von
Ferd. Hodler.

Anm.: Auktionsnachrichten s. a. Seite 471.

ZEHNTER JAHRGANG. NEUNTES HEFT. REDAKTIONSSCHLUSS AM 17. MAI. AUSGABE AM I. JUNI N'EUNZEHNHUNDERTZWÖLF.

REDAKTION: KARL SCHEFFLER, BERLIN; VERANTWORTLICH IN ÖS TERREI CH - U N G A RN : HUGO HELLER, WIEN I.

VERLAG VON BRUNO CASSIRER IN BERLIN. GEDRUCKT IN DER OFFIZIN VON W. DRUGULIN ZU LEIPZIG.
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