Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 10.1912

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ARISTIDE MAILLOL, BÜSTE RENOIRS

PARISER REAKTIONEN

VON



JULIUS MEIER-GRAEFE

C'''m "O *e Bewegungen in der Pariser Kunst des
^\L^ Tages haben, so verschiedenartig sie sind,
5muT~^ ein gemeinsames Merkmal: sie sind kurz
"" und nach und laufen durcheinander wie
jene Wellen schmaler Meerengen, die uns immer
am leichtesten seekrank machen. In allen Lagern
der Malerei und der Plastik reagiert man gegen
den Impressionismus. Über die Tendenz ist nur
Gutes zu sagen, wie über die allermeisten künst-
lerischen Tendenzen. Die theoretischen Vorzüge
einer antiimpressionistischen Bewegung liegen auf
der Hand. Der Impressionismus drohte die Pla-
stik zu einer Malerei, die Malerei zu einem farbigen

Schemen zu verwandeln. Einseitige physiologische
Interessen stellten hier und dort die Kunst in Frage.
Ein Gebot der Selbsterhaltung trieb die Künstler zu
einer geschlossenen Abwehr. Das Bedenkliche der
Gegenbewegung liegt in der allzu flachen Durch-
führung ihrer rationellen Tendenzen, in der allzu
summarischen Schätzung nicht des Impressionismus,
mit dem man leicht fertig werden kann, da er ein
ganz loser Begriff ist, sondern der sogenannten Im-
pressionisten, zu denen man auch Manet, Renoir,
Cezanne und Degas rechnet, und von denen man
sehr wenig sagt, wenn man an ihnen eine in den
Impressionismus mündende gemeinsame Eigenschaft

1 Hauet i



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